Der eng­li­sche Schrift­steller Dou­glas Adams hat einmal voll­kommen zurecht darauf hin­ge­wiesen, dass noch nie ein Mensch gesagt habe: Lieb­ling, du bist so schön wie ein Flug­hafen.“

Man könnte das zu einer ganzen Reihe undenk­barer Sätze aus­bauen, mein erster Vor­schlag dazu wäre fol­gender: Heute Abend muss ich unbe­dingt Fuß­ball gucken, denn Bela Rethy kom­men­tiert.“

Ich ver­mute näm­lich, dass viele Fans den gegen­tei­ligen Impuls ver­spüren. Sie sind in hohem Maße ver­sucht abzu­schalten, wenn ein ihnen unlieb­samer Kom­men­tator am Werke ist, aber da ist ja immer noch das Spiel, und das wollen sie natür­lich nicht ver­passen.

Also lassen sie das Gerede über sich ergehen, wieder und wieder, und daraus hat sich ein Dis­kurs ent­wi­ckelt, der ähn­lich uner­giebig und frus­trie­rend ist, wie wenn man sich über das Wetter auf­regt: das Kom­men­ta­to­ren­ba­shing.

Ich könnte das viel besser, aber mich lässt ja keiner!“

Es besteht aus einer Mischung aus Anma­ßung („Ich könnte das viel besser, aber mich lässt ja keiner!“), Ekel­fas­zi­na­tion („Ich kann nicht mit Steffen Simon leben, aber auch nicht ohne ihn.“) und stets von Neuem ent­täuschter Kun­den­er­war­tung („Und dafür zahle ich Gebühren!“), es wird so hitzig betrieben, als berei­tete man sich auf einen Staats­streich vor, es hat aber eben noch nie – ebenso wenig wie das Gemotze übers Wetter etwas am Wetter geän­dert hat – auch nur die geringste Aus­wir­kung auf die tat­säch­liche Hier­ar­chie des Sen­dens und Emp­fan­gens gehabt: Der Kom­men­tator spricht, und wir hören zu. Die Auf­re­gung ist voll­kommen umsonst – solange wir Fuß­ball im Fern­sehen schauen, sind wir Rethy, Simon, Gottlob, Bar­tels aus­ge­lie­fert, wir müssten uns schon Wachs in die Ohren gießen.

Nun stellen wir uns mal vor, so wäre das auch im Sta­dion: Neben uns säße ein uns nicht per­sön­lich bekannter, uner­be­tener Dampf­plau­derer, der vom Anstoß weg von seinen mit­ge­brachten Kar­tei­karten vor­läse.

Das gute Recht als zah­lender Gast

Bei jedem Ball­kon­takt über­gösse er uns mit einer Infor­ma­ti­ons­kas­kade aus Geburts­orten, Hobbys, Ernäh­rungs­ge­wohn­heiten und Lauf­sta­tis­tiken. Wir würden ihn natür­lich um Ruhe bitten, höf­lich zunächst und dann, wenn es sein muss, mit allem Nach­druck. Um es im Voka­bular der Fern­seh­über­tra­gungs­technik zu sagen: Wir würden ihn stumm schalten. Und das wäre ja auch unser gutes Recht als zah­lender Gast.

Nun stellt sich aber die Frage: Warum wird uns dieses Recht nicht von den Sen­de­an­stalten gewährt? Warum kann, wer den Sermon der Kom­men­ta­toren nicht mehr ertragen mag, nicht auf einen Audio­kanal umschalten, der nur die Sta­di­on­at­mo­sphäre über­trägt, und der Rest ist Schweigen?

Kann man auch David Guetta aus dem Signal fil­tern?

Ich möchte genau das hiermit anregen, liebe ARD, liebes ZDF. Denn es gäbe nur Gewinner: Die Kom­men­ta­toren würden nur noch von denen gebasht, die wirk­lich Lust darauf haben, und das muss, Bela Rethy zum Troste, ja letzt­end­lich irgendwas mit Liebe zu tun haben.

Und wer keine Lust mehr hat, könnte sich dem puren, unver­fälschten Hör­erlebnis hin­geben. Es bräuchte dann natür­lich noch eine Technik, die David Guetta aus dem Signal her­aus­fil­tert, aber auch das müsste doch mög­lich sein.