Seite 2: „Hannes ist eine Maschine“

Das Foto bewahrt er bis heute auf, zeigt es nur engen Freunden. Er begann, täg­lich ins Fit­ness­studio zu gehen. Er verlor Gewicht, erkämpfte seinen Stamm­platz, die Schulter hielt. Der Regis­seur star­tete inner­halb von fünf Jahren einen Auf­stieg, wie ihn Hol­ly­wood lieben würde – als Tor­wart. Er wech­selte von der dritten in die zweite Liga, von der zweiten in die erste, gewann dort Meis­ter­schaft und Pokal, wurde zum Spieler der Saison und bestritt 2011 sein erstes Län­der­spiel. Die Scouts auf den Tri­bünen fragten: Wer ist dieser Kerl?

Sex, Explo­sionen, Dro­gen­geld, Schie­ße­reien

Hannes ist eine Maschine, durch und durch von Ehr­geiz getrieben“, sagt Gud­mundur Hrei­darsson, seit fünf Jahren sein Tor­wart­trainer. Eigent­lich besteht mein Job sehr oft darin, ihn zu bremsen. Aber er hat genau des­wegen so große Sprünge gemacht: Je besser das Niveau, umso besser wird er.“

Aller­dings lief das Film­ge­schäft für ihn zu gut, um es auf­zu­geben. Er drehte Ley­ni­lögga“ („Der geheime Poli­zist“), eine Action­ko­mödie in der Machart von Hot Fuzz“. Zwei knall­harte Cops, gespielt von zwei islän­di­schen Stars, lie­fern sich darin Ver­fol­gungs­jagden in einem Pro­vinz­kaff. Außerdem haben sie ein Ver­hältnis mit­ein­ander. Sex, Explo­sionen, Dro­gen­geld, Schie­ße­reien – als würden Arnold Schwar­zen­egger und Jean-Claude van Damme durch Oer-Erken­schwick maro­dieren und sich hinter­her beim Rot­wein tief in die Augen bli­cken.

So was gibt es nur in Island“

Die Isländer liebten diese kuriosen Figuren und den beson­deren Stil mit langen Kame­ra­fahrten und großer Brenn­weite. Sein Kol­lege Jonsson beschreibt ihn als einen Regis­seur fürs Epi­sche. 2012 filmte Hall­dórsson das Musik­video für Greta Salome & Jonsi“. Im ver­gan­genen Jahr wollte die islän­di­sche Flug­ge­sell­schaft Islan­dair einen Image­spot zusammen mit der Fußball­nationalmannschaft drehen und er­kor Hall­dórsson zum Regis­seur, der gleich­zeitig mit­spielte. Ich bin wahr­schein­lich der Ein­zige, der einen Wer­be­spot in Tor­wart­kluft und Hand­schuhen gedreht hat. So was gibt es nur in Island.“

Seine Dop­pel­funk­tion belas­tete Hall­dórsson jedoch zuneh­mend. Die Mit­spieler murrten, wenn er wieder mal ein Trai­ning wegen eines Drehs ver­passte. Im Sommer 2013 stand er um vier Uhr mor­gens auf, arbei­tete zwölf Stunden und fuhr dann zum Trai­ning. Wäh­rend eines ein­zelnen Monats absol­vierte er ein Län­der­spiel in Slo­we­nien und ein Trai­nings­lager in Spa­nien mit seinem Verein, pro­du­zierte ein Video für eine nor­we­gi­sche Firma und wurde nebenbei noch zum ersten Mal Vater. Ich stand kurz vor einem Burn-out. Spä­tes­tens da war klar, dass ich mich auf eine Sache kon­zen­trieren musste.“

Er ent­schied sich für den Fuß­ball. Im ver­gan­genen Winter wech­selte er in die nor­we­gi­sche Liga, seitdem dreht er vor­über­ge­hend nicht mehr, schneidet aber in seiner Frei­zeit Filme und schreibt noch weiter an Dreh­bü­chern.