Mit der gefühlten Wahr­heit ist es so eine Sache. Gefühlt hat etwa jeder Fuß­ball­profi schon mal diesen Satz gesagt: Ich fühle mich bei meinem Klub wohl, mein Ver­trag läuft bis 2019“. Gefühlt hat etwa jeder Fuß­ball­profi auch schon mal diesen Satz gesagt: Irgend­wann möchte ich mal in Eng­land spielen.“ Gefühlt hat Man­chester United in der Som­mer­pause jeden deut­schen Fuß­ball­profi der ersten drei Ligen ange­fragt. Und gefühlt ist die Kacke des­wegen ziem­lich am Dampfen, schließ­lich muss Uniteds Shop­ping-Sucht als logi­sche Kon­se­quenz des neuen TV-Ver­trags ver­standen werden, den die Pre­mier League aus­ge­han­delt hat. Sie bekommt 6,9 Mil­li­arden Euro für drei Jahre.
 
Wahllos abge­stellte Geld­koffer

Seit diese Mel­dung im Februar 2015 publik wurde, hat sich im deut­schen Fuß­ball die Sorge vor dem Geld spei­enden Dra­chen breit gemacht. Man fürchtet hys­te­ri­sche Manager, die in die Geschäfts­stellen der Bun­des­li­ga­klubs ein­fallen wie deut­sche Tou­risten in pol­ni­schen Jeans-Outlet-Stores. Man sieht sie wahllos Geld­koffer abstellen und überall dort Unter­schriften setzen, wo gerade Platz ist.
 
Nahezu jede deut­sche Zei­tung hat in den ver­gan­genen Monaten min­des­tens einmal auf der Sport­seite zu einer mög­li­chen Kräf­te­ver­schie­bung im euro­päi­schen geti­telt. Tenor: Der euro­päi­sche Fuß­ball und vor allem die Bun­des­liga zit­tert vor Finanz­macht der Pre­mier League. Und nun, kurz vor dem Ende der Sommer-Trans­fer­pe­riode, wird das Zit­tern immer größer.
 
Da wech­selten Bas­tian Schwein­s­teiger, Roberto Fir­mino, Chris­tian Fuchs, Shinji Oka­zaki, Abdul Rahman Baba oder Joselu. Und nun noch Heung-Ming Son und Kevin De Bruyne.
 
41 Mil­lionen für Fir­mino, 25 für Baba

Große Sorge machten den Beob­ach­tern dabei die trans­fe­rierten Summen. Ein Spieler wie Fir­mino, der zwar recht ansehn­lich für die TSG Hof­fen­heim spielte, aber eben auch nie ein Wun­der­spieler war, wech­selte für 41 Mil­lionen zum FC Liver­pool. Für Baba, der eine gute Saison in Augs­burg spielte, machte der FC Chelsea 25 Mil­lionen Euro locker. Und selbst Teams wie Lei­cester City (11 Mil­lionen Euro für Oka­zaki) oder Stoke City (8 Mil­lionen für Joselu) ließen bei­nahe im Vor­bei­gehen Summen springen, bei denen man sich ver­wun­dert die Augen reiben mussten.