Das berühmte Nadelöhr beim Auf­stieg von Regional- zur dritten Liga wurde in letzter Zeit viel the­ma­ti­siert: Pele Wol­litz hatte etwas dazu zu sagen, ein Fan star­tete eine Peti­tion zur Abschaf­fung der Auf­stiegs­runde und über­haupt: Etwas Unfai­reres gibt es nicht.

Der Auf­stieg in die Regio­nal­ligen ist wie­derum nicht ganz so schwer. Außer im Norden steigen die Ober­li­ga­meister in ihre jewei­lige Regio­nal­liga-Staffel auf. So auch der Meister aus der Hes­sen­liga. Eigent­lich, denn der der­zei­tige Tabel­len­führer SC Hessen Drei­eich hat ange­kün­digt, sich nicht um die Lizenz für die Regio­nal­liga zu bewerben. Warum?

Die Hessen wollen nicht in die Regio­nal­liga Süd-West auf­steigen. Auch nicht, wenn die sport­liche Qua­li­fi­ka­tion gelingen sollte. Und dafür stehen die Karten momentan nicht schlecht: Drei­eich liegt auf Rang eins, sechs Punkte vor Ein­tracht Stadt­al­len­dorf auf zwei, der zur Auf­stiegs­runde qua­li­fi­ziert, mit einem Spiel weniger und einer um zwölf Tore bes­seren Dif­fe­renz. 

Der mora­lischste Verein des Landes

Der Zustand der Sport­an­lagen, die in Drei­eich für den Brei­ten­sport und den Nach­wuchs­fuß­ball zur Ver­fü­gung stehen, ist ins­ge­samt so unbe­frie­di­gend, dass die Ver­wen­dung von Spon­so­ring-Gel­dern der Wirt­schaft im hohen sechs­stel­ligen Bereich aus­schließ­lich für die Anfor­de­rungen einer 4. Fuß­ball-Liga der Situa­tion in unserer Stadt nicht ange­messen wäre“, begründet der Verein die Ent­schei­dung auf seiner Web­site.

Ist der SC Hessen der mora­lischste Fuß­ball­verein des Landes? Jein. Die Ent­schei­dung liegt vor allem in der (zuge­ge­be­ner­maßen kurzen) Geschichte des Klubs. 2013 musste die Stadt Drei­eich im Land­kreis Offen­bach wegen finan­zi­eller Schwie­rig­keiten in die Haus­halts­si­che­rung genommen werden, um sich finan­ziell zu kon­so­li­dieren. Das hätte eine Kür­zung der Zuschüsse für die lokalen Ver­eine zur Folge gehabt.

Um die Ver­eins­land­schaft in Drei­eich vor dem Aus­sterben zu bewahren, grün­dete der Air­line-Besitzer Hans Nolte die Drei­eich Sport­stätten Betriebs & Mar­ke­ting GmbH (DSBM) und mit ihr den SC Hessen. Acht Drei­ei­cher Sport­ver­eine traten der Dach­marke“ mitt­ler­weile als asso­zi­ierte Mit­glieder bei. Die DSBM inves­tierte nach ihrer Grün­dung 2,5 Mil­lionen Euro in den Bau neuer Sport­an­lagen und unter­stützt die Klubs nach den Kür­zungen im kom­mu­nalen Haus­halt finan­ziell, sicherte so die Fort­füh­rung des Spiel­be­triebs. 

Der SC Hessen über­nahm einen Teil der Mann­schaften und kon­so­li­dierte diese eben­falls. Laut eigenem Selbst­ver­ständnis will er den besten Spie­lern dieser Ver­eine die Mög­lich­keit [bieten], sport­liche Leis­tungen auf geho­benem Niveau zu erbringen.“