Pfingst­samstag, 16:25 Uhr
Auf einem Sport­platz in Sorga bei Bad Hers­feld
Nicht nur in der Bun­des­liga geht es an diesem Samstag im Abstiegs­kampf um alles. Jedes Tor, jede ein­zelne miss­lun­gene und gelun­gene Aktion kann über den Aus­gang eines ganzen Jahres harter Arbeit ent­scheiden. Der gast­ge­bende Verein kämpft mit Mann und Maus ums Über­leben in der Bezirks­liga, nur ein Sieg gegen den direkten Kon­kur­renten hilft, um am letzten Spieltag den Klas­sen­er­halt aus eigener Kraft zu schaffen. In Über­zahl bekommt der Gast beim Stand von 2:1 einen Elf­meter zuge­spro­chen, der Aus­gleich wäre schon fast die halbe Miete und für den Gast­geber der Stoß über die Klippe. Die 200 Zuschauer halten beim Elf­me­ter­pfiff den Atem an.

Wenn mein Sohn den Elf­meter hält, bekommt er von mir eine Ein­tritts­karte für das Spiel in Darm­stadt“, trom­petet die schock­starre Mutter des Tor­hü­ters der Gast­geber vor der Aus­füh­rung des wich­tigsten Elf­me­ters der Saison, die Umste­henden feixen trotz der dra­ma­ti­schen Lage. Ihr Sohn, eigent­lich Stürmer und nur im Tor, weil sich der etat­mä­ßige Keeper ver­letzt hat, bekommt von dieser Aus­sage natür­lich nichts mit, er ist zu sehr auf den Schützen und den anste­henden Elf­meter fokus­siert. Durch Neuer-esque Fähig­keiten gelingt es ihm tat­säch­lich, das Tor und den sicheren Abstieg zu ver­hin­dern. Seine Mann­schaft ver­tei­digt in den letzten 20 Minuten bedin­gungslos die Füh­rung und sichert sich ein End­spiel am letzten Spieltag.

Nach dem Spiel wird der Tor­wart von Zuschauern auf den Wett­ein­satz von seiner Mutter hin­ge­wiesen. Wett­schulden sind Ehren­schulden, die Mutter ist fortan auf der Suche nach einem Ticket für ihren Sohn und dieser bereits auf dem Weg nach Darm­stadt.

Pfingst­sonntag, 14:50 Uhr
Merck-Sta­dion am Böl­len­falltor, Darm­stadt
Nichts zu machen. Selbst der sonst so ergie­bige Schwarz­markt bricht unter dem Andrang vor dem letzten Heim­spiel von Darm­stadt 98 zusammen. Selbst die aller­größte Nicht­ab­stiegs­prämie seines Dorf­ver­eins erscheint wie ein kleines Taschen­geld im Gegen­satz zu den hor­renden Summen, die flie­gende Händler für ihre Tickets aus­rufen. Der Tor­wart hätte sich ver­schulden müssen, um irgendwie noch ein Ticket zu ergat­tern. Traurig rea­li­siert er, dass er das Spiel nicht im Sta­dion wird ver­folgen können.

Wie gut ist es doch, dass er nur einen Stein­wurf vom Bölle ent­fernt in einem Stu­den­ten­wohn­heim lebt. Vom Dach aus sieht man die Befrei­ungs­schläge Aytac Sulus, im Gemein­schafts­raum wurde eine Lein­wand samt Beamer auf­ge­baut. Alles ist ange­richtet.