Über Leipzigs märchenhaften Achtelfinaleinzug

Klub der Visionäre

Erstmals hat sich Underdog RB Leipzig fürs Champions-League-Achtelfinale qualifiziert. 11FREUNDE gratuliert herzlichst.

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Liebe RB-Familie,

 

erstmals in der Unternehmensgeschichte ist es RedBull, ähm, entschuldigt bitte, RasenBallsport Leipzig gelungen, ins Achtelfinale der Champions League einzuziehen. Ich sage: Gratulation! Ich sage aber auch: Dankeschön. Denn was bliebe mir anderes übrig, als mich für eine derart rührende Erfolgsgeschichte zu bedanken? Für eine Inspiration, quasi ein postmodernes Märchen, das jedem Einzelnen von uns, ach, mindestens der gesamten Gesellschaft oder gar ganz Österreich die Hoffnung gibt, die eigenen Träume anzupacken und Visionen zu verwirklichen.

 

Denn wenn ihr es mit einer Anschubfinanzierung von bloß einer Milliarde geschafft habt, in zehn Jahren von der Oberliga bis ins Champions-League-Achtelfinale durchzumarschieren, was ist dann sonst noch alles möglich? Vom Tellerwäscher zum Millionär, herrlich, ich habe ja ein Faible für sowas. Träume nicht dein Leben, sondern lebe deine Marketingstrategie, versteckt im Schatten eines Pseudoklubs, der Traditionsvereine für das Werbekonzept einer Brausefirma in die Bedeutungslosigkeit verdrängt, noch so ein Motto von mir.

 

Gruß an die PR-Abteilung

 

Und es funktioniert ja prima! RedBull hat seine Gewinne seit eurer Bundesligapräsenz nochmals gesteige... ähm, ich meine: Der Fußballstandort Ostdeutschland ist durch euch viel interessanter geworden. Ihr macht die Bundesliga einfach mehr – schönen Gruß an die Jungs in der PR-Abteilung – valuable! Wobei man euch ja gar nicht auf die Bundesliga beschränken kann. Im Gegenteil: Ihr seid der erste österreichische Klub, der sich je für ein Champions-League-Achtelfinale qualifizieren konnte. Der als Underdog im Konzert der ganz Großen mitmischen kann. Chapeau! Früher wurde Fußball oft mit Emotionalität oder gar Herzblut assoziiert (ich weiß, ekelige Vorstellung), so kommt endlich auch mal eine Prise Professionalität in das Geschäft. Selbst für die jüngsten aller Talente explodieren ja dank euch inzwischen die Preise, auch hier im Namen aller Ausbildungsvereine ein riesiges Dankeschön.

 

Euer Trainer Julian Nagelsmann, der nicht nur für seine vortreffliche Vereinswahl bekannt ist, steht ja außerdem auf die großen Zitate. Da muss ich doch fast Helmut Schmidt rezipieren: Wer Visionen hat, soll nicht zum Arzt gehen, sondern zu RB! Und was das alles für Visionen sind, Junge Junge. Da sind die doofen Benfica-Fans selber Schuld. Wer trotz 250.000 Mitgliedern ausscheidet, der hat den Fußball nie geliebt. Ihr macht es deutlich besser. Gewinnen ist ja schließlich Kopfsache, da haben Gefühle nichts verloren. Und wenn ihr trotz dieser wahnsinnig hitzigen und von Klatschpappen und georderten Choreos aufgepeitschten Hexenkessel-Atmosphäre, die jedes Heim- und vor allem Auswärtsspiel eures Teams umgibt, so kühl und erfolgreich eine Gruppenphase abschließt, was ist das dann für eine abgewichste Profi-Kopfsache?

 

Gefühle haben im Fußball ja eh nichts verloren

Aber bald ist ja Weihnachten. Zeit, mal richtig auszuspannen. Sowieso, bei einem derartigen Leben auf der Überholspur tut es doch gut, sich auch gelegentlich abzulenken. Wieso nicht mal die Sportart wechseln? Gibt doch gerade im RB-Kosmos so viele atemberaubende Extremsportler, die stets gut gesichert und ohne Risiko ihres eigenen Wohlergehens komplett freiwillig Stunts durchziehen, die garantiert immer gut gehen? Würde ich mir auf jeden Fall anschauen.

 

Und denkt immer dran: Im Achtelfinale gegen ein von Katar finanziertes Fantasieteam aus Paris oder Manchester, also quasi mit Next-Level-Sponsoring, rauszufliegen, verleiht Flüüüüügel! Ich freu mich drauf.

 

In diesem Sinne: Viel Erfolg und alles erdenklich Gute.

Herzlichst,

ein zufriedener Kunde