Über die Neuausrichtung in Palermo

»Das Wichtigste jetzt ist authentische Kommunikation«

Mirri trägt ein schwarzes T-Shirt mit dem Logo des neuen Vereins, einem weißen Adler. Am rechten Ärmel steht eine Nummer: 1. Es ist das T-Shirt, das auch die meisten Fans im Stadion tragen. Die Zahl steht für die Nummer der Dauerkarte. Außerdem beschloss Mirri, dass zehn Prozent des Vereins den Mitgliedern gehören sollen. Über das Design der Trikots ließ er vor der Saison online abstimmen. So viel Teilhabe gab es in Palermo noch nie. »Auf Sizilien wurde historisch gesehen immer nur auf bessere Zeiten gewartet«, erklärt Mirri. »Die Völker kamen, regierten und gingen«, eine echte Revolution habe es nicht gegeben.

Jetzt kommt der Mann, dessen Vater mit Außenwerbung reich geworden ist, und sagt, dass er von jedem Anhänger verlangt, aktiv zu werden. Seine erste Pressekonferenz hielt er vor mehreren hundert Fans im Stadion ab. Es war ein heißer Sommertag, viele Menschen fuhren auf dem Weg zum Strand in Mondello am Stadion vorbei und hörten sich an, was der neue Presidente zu sagen hat. Mirri erzählt, dass seine Frau ihm noch geraten habe, sich einen Zettel mit Notizen mitzunehmen, damit er nichts vergesse, weil er so aufgeregt sei. Aber Mirri habe geantwortet, dass er alles, was er zu sagen habe, in seinem Herzen trage. Mirri weiß, was die Leute gerne hören wollen. »Das Wichtigste jetzt ist authentische Kommunikation«, sagt Mirri und macht deshalb kein Geheimnis daraus, dass sich Palermo für ihn auch unternehmerisch rechnen soll. Die Fiorentina etwa, so erklärt er, sei diesen Sommer für 170 Millionen Euro verkauft worden. Palermo ist größer und wäre nach seinen Schätzungen mehr wert, zudem gebe es bei den Fans und bei der Vermarktung ein großes Wachstumspotential. Schließlich leben über die Welt verstreut etwa sechs Millionen Sizilianer in zweiter oder dritter Generation, 200 000 allein in Deutschland. Mirri sieht in ihnen »potentielle Palermo-Fans«, die Spiele des Klubs sehen und vielleicht ein Trikot kaufen wollen.

»Palermo gehört jetzt wieder Palermo«

Mirri und seinem Vater gehören sechzig Prozent des neuen Vereins, der nun SSD Palermo heißt, die anderen vierzig Prozent kaufte sich der Unternehmer Tony Di Piazza, der aus einer kleinen Stadt bei Palermo stammt und nach New York auswanderte. Gemeinsam gründeten sie das Unternehmen Hera Hora, erarbeiteten ein Konzept für Palermo und bewarben sich damit beim Bürgermeister. Ihr Slogan, der nun unter dem neuen Logo geschrieben steht, lautet: »Le nostre radici, le nostre ali«, »Unsere Wurzeln, unsere Flügel.« Mirri steht für die Wurzeln. Sein Lieblingssatz ist: »Palermo gehört jetzt wieder Palermo«. Der Italoamerikaner Di Piazza steht für die Flügel, er soll die Marke verkaufen und dafür sorgen, dass der Verein so schnell wie möglich in der Serie A spielt. Orlando sagt, er habe das Projekt von Hera Hora gewählt, weil es am besten zur Stadt passe. Deshalb hat sich nicht das wiederholt, was 1986 passiert ist. Auch damals ging der Klub pleite und erlebte den Zwangsabstieg in die Serie C, worauf die Palermitaner wutentbrannt auf die Straße gingen und schwer randalierten. Orlando, damals schon Bürgermeister, erinnert sich daran, wie schwierig es gewesen sei, die Situation unter Kontrolle zu halten. Dieses Mal sei das anders gewesen, sie haben eben Erfahrung im Umgang mit Pleiten in Palermo.

Der Bürgermeister wurde von Mirri auch gebeten, erstmalig in der Vereinsgeschichte für den neuformierten Klub eine unabhängige Aufsichtsperson zu nominieren. Orlando entschied sich für Leonardo Guarnotta, einen ehemaligen Staatsanwalt, der sich in den dunkelsten Jahren Palermos gegen die Mafia einsetzte und als großer Fußballfan gilt. Orlando nennt die Phase, durch die der Verein gerade geht, einen Akt der Demut. Alles in Palermo verändere sich langsam. »Man muss die Zeit respektieren.«