Turbine-Potsdam-Trainer Matthias Rudolph im Interview

»Dszenifer Maroszan kann hervorstechen«

Welche Spielerinnen können bei der WM den Unterschied ausmachen?
Ich glaube, dass eine Spielerin wie Dszenifer Maroszan hervorstechen kann. Vivianne Miedema (vom FC Arsenal, Anm. d. Red) kann für die Niederländerinnen sicher eine tragende Rolle spielen. Die Französinnen haben die starke Eugine Le Sommer.  

…und sie standen noch nie im Finale einer Frauen-WM. Auf Klubebene dominieren die französischen Teams aber die Wettbewerbe, Lyon gewann jüngst zum vierten Mal in Serie die Champions League. Warum konnte diese Dominanz bislang nicht bei internationalen Turnieren gezeigt werden?
Ein Grund ist ganz klar, dass ein Team wie Lyon eben auch richtig gute Nicht-Französinnen hat. Da müssen wir nur an die Torschützinnen des jüngsten Champions-League-Finals denken: Da traf dreimal die Norwegerin Ada Hegerberg und einmal die Deutsche Dszenifer Maroszan. Trotz alledem hat Frankreich sowohl in der Breite als auch in der Spitze absolute Spitzenspielerinnen.

Hatte Frankreich also das Problem, das zum Beispiel England bei den Männern hatte, wo die Nationalmannschaft schlussendlich unter dem sehr internationalen Flair der Premier League litt?
Wenn die Top-Teams auf wichtigen Positionen mit ausländischen Spielerinnen besetzt sind, ist es nur logisch, dass sich keine eigenen Talente entwickeln können. Ich kann mir schon vorstellen, dass die französische Nationaltrainerin Corinne Diacre glücklicher wäre, wenn bei den Top-Teams Frankreichs auch mehr Französinnen zum Einsatz kommen würden.

Anders als im Männer-Fußball standen bei den Frauen 1999 mit China und 2011 und 2015 mit Japan bereits zwei asiatische Mannschaften im Finale. Was macht die Asiatinnen so stark?
Da kann ich insbesondere über Japan sprechen. Das ist eine extrem spielstarke Nation im Frauenfußball. Das konnte man auch im letzten August bei der U20-Weltmeisterschaft in Frankreich beobachten. Da hat Japan den Titel geholt und die deutsche Mannschaft bereits im Viertelfinale rausgeworfen. Die Japanerinnen waren da ganz klar besser, vor allem eben im spielerischen Bereich – obwohl viele Spielerinnen der deutschen U20-Mannschaft bereits in der Bundesliga spielen. Die Mitnahme mit dem ersten Kontakt, die räumliche Orientierung und das Erkennen von freien Räumen, darin sind gerade die asiatischen Teams und insbesondere Japan richtig gut.