Seite 2: Qualität statt Quantität

Gerardo Bedoya sam­melte die meisten Roten Karten, der wali­si­sche Ama­teur-Kicker Lee Todd die schnellste. Wie üblich blies der Referee im Jahr 2000 den Inhalt seiner beiden Lun­gen­flügel in die Referee-Stan­dard-Flöte Fox40. 115 Dezibel laut kann der Golf unter den Pfeifen werden. Das hörte auch Lee: Fuck me, that was loud“, soll er dem Referee nach dessen Anpfiff gesagt haben. Kon­se­quenz wegen foul lan­guage“: Platz­ver­weis nach zwei Sekunden.

Schneller geht immer. Das dachte sich offenbar Walter Boyd vom wali­si­schen Klub Swansea City. Seine erste Amts­hand­lung nach der Ein­wechs­lung im Spiel gegen Dar­lington: Er knallte seinem Gegen­spieler Martin Gray den Ellen­bogen in die Visage. Kurios: Das Spiel war nach der Aus­wechs­lung noch gar nicht wieder ange­pfiffen. Schiri Clive Wilkes blieb nichts anderes übrig, als Gray des Feldes zu ver­weisen – nach quasi null gespielten Sekunden. Rekord­ver­dächtig.

Den frü­hesten Bun­des­liga-Platz­ver­weis kas­sierte übri­gens der Kölner Youssef Mohamad von Felix Brych am ersten Spieltag der Saison 2010/11: Nach nicht einmal zwei Minuten spritzte der Lau­terer Erwin, gerufen Jimmy“, Hoffer durch die Kölner-Abwehr in Rich­tung Tor. Hoffer, der Öster­rei­cher mit dem größten O‑Bein-Radius und damals ein­fach sau schnell, konnte nur durch ein Foul gestoppt werden. Mohamad war der gelack­mei­erte: Rot nach 87 Sekunden.

Spieß­er­land Deutsch­land

Dass Deutsch­land eher als boden­ständig, gar spießig gilt, zeigt an wei­teren Sta­tis­tiken. Gerade einmal fünf Platz­ver­weise in einem Spiel sind schon Bun­des­liga-Rekord. Geschehen in der Saison 1993/94 in der Partie zwi­schen Borussia Dort­mund und Dynamo Dresden. Schieds­richter Man­fred Schmidt stand von Beginn an im Mit­tel­punkt und schmiss bereits nach 29 Minuten Mathias Sammer vom Platz. Der Dres­dener Nils Schmäler ver­ab­schie­dete sich eben­falls noch vor der Halb­zeit­pause. Drei wei­tere Akteure wurden früher zum Duschen geschickt. Die Bou­le­vard-Presse taufte den Schieds­richter später als Schmidtchen Schmeißer.“ Dresden kas­sierte drei Platz­ver­weise – eine andere Bun­des­liga-Mann­schaft sogar noch mehr.

Den Rekord für die meisten Platz­ver­weise einer Mann­schaft in einem Bun­des­s­li­ga­spiel hält ein anderer, ganz großer Name im deut­schen Fuß­ball: der SSV Ulm. Vier Platz­ver­weise in einer Partie schafften die Spatzen“ im Bun­des­liga-Klas­siker SSV Ulm gegen Hansa Ros­tock. 1999 kam es zu dem denk­wür­digen Auf­ein­an­der­treffen, bei dem nur sieben Ulmer den Schluss­pfiff erlebten. Die rest­li­chen vier durften früher gehen und waren irgendwo in Ulm und um Ulm… naja egal.