Letzt­lich war es keine Frage, ob, son­dern wann und wo Edinson Cavani ein neuer Rekord­transfer wird. Am Diens­tag­abend hatte Fuß­ball-Europa end­lich Gewiss­heit: In Frank­reich ver­schiebt sich die Rang­liste. Exor­bi­tante 65 Mil­lionen Euro ent­thronten den Wechsel Radamel Fal­caos zum AS Monaco. Erst vor wenigen Wochen hatten die Mone­gassen den Kolum­bianer für 60 Mil­lionen von Atlé­tico Madrid los­ge­eist, nun legten die kata­ri­schen Eigner des PSG für Cavani noch einmal fünf Mil­lionen drauf.

Cavani und der Vesuv, das ist Neapel“, schrieb der Cor­riere dello Sport“ einmal. So lau­tete lan­des­weit der Duktus. Die Nea­po­li­taner lagen Cavani zu Füßen, nun bleibt ihnen nur der Vulkan.

Ein Bekenntnis

Gut 1600 Kilo­meter nord­west­lich sorgte ein junger Slo­wake mit einem State­ment kom­plett gegen­sätz­li­cher Natur für Ver­zü­ckung: Er bleibt. Heut­zu­tage ist es schwer geworden, aber ich möchte für Napoli wie Del Piero für Juventus oder Totti für AS Rom werden“, sagte Marek Hamšík in Anspie­lung auf die Ver­eins­treue der beiden Ikonen. Ein bemer­kens­werter Satz in einer Zeit, in der Ver­eins­be­kennt­nisse über­mäßig begabter Profis zum Klub immer weniger zählen. Typen wie Hamšík, der vor sechs Jahren aus Bre­scia kam, sind selten geworden.

Man könnte die Situa­tion pole­mi­sieren, muss aber auch die Seite der Akteure in einem immer schnell­le­bi­geren Geschäft sehen. Das dau­er­hafte Zit­tern um inter­na­tio­nale Auf­tritte gegen die Per­spek­tive Titel­ge­winne“ ein­tau­schen, einmal unter dem Lieb­lings­trainer spielen wollen oder mit Mitte Zwanzig aus­ge­sorgt haben – kann man das einem Men­schen ver­denken?

Nur ist es gerade für die Fans etwas beson­deres, wenn sich Julian Draxler trotz der Mil­lionen aus Man­chester zu Schalke 04 bekennt. Oder eben Marek Hamšík ein Bekenntnis aus­spricht. Nachdem er zuge­sehen hat, wie Erfolgs­trainer Walter Maz­z­arri zu Inter Mai­land wei­terzog, wie Nea­pels Wunsch­stürmer Mario Gomez seine Zusage Liga­ri­vale Flo­renz gab und wie Cavani schließ­lich in Paris vor­ge­stellt wurde. Ich will, dass die Kinder zu mir auf­sehen können. Auf und neben dem Platz“, brachte Hamšík seine Vor­stel­lungen einmal zum Aus­druck. Seine Vor­bild­funk­tion lebt vor allem von seiner Treue zu den Süd­ita­lie­nern.

Skep­tiker könnten dem offen­siven Mit­tel­feld­spieler vor­werfen, keinen Mehr­wert aus einem Wechsel zu einem der kol­por­tierten Inter­es­senten ziehen zu können. Ein ober­fläch­li­cher Blick auf die zahl­rei­chen Anfragen ent­kräftet dieses Argu­ment. Im Dezember 2009 wussten Zei­tungen in halb Europa vom Buhlen des FC Bar­ce­lona, zu dieser Zeit sechs­fa­cher Titel­träger. Hamšík blieb im Stadio San Paolo. Anfang des Jahres 2010 wurde Inter Mai­land um Trainer Jose Mour­inho bei Hamšík vor­stellig. Der Slo­wake sagte ab, die Neraz­zurri gewannen ein halbes Jahr darauf das Triple. Im Sommer 2011 fragte Man­chester City im Zuge der Kader­auf­rüs­tung an. Hamsik bekannte sich zum SSC, City prä­sen­tierte im Etihad Sta­dium am Ende der Saison die Meis­ter­schale.

Napoli und ich“

Keep calm and love Hamšík“ ist am Vesuv zum Gebot geworden: Bleib ruhig und liebe Hamšík“. Wer ein echter Nea­po­li­taner ist, ver­ewigt diesen Gedanken auf Geschirr, Tex­ti­lien, Ban­nern und vor allem in Gedanken.

Hamšík war­tete geduldig, bis sich sein Her­zens­verein wieder auf Cham­pions League-Niveau bewegte. Ich liebe den SCC, ich liebe die Nea­po­li­taner, ich liebe Neapel“, betonte er einmal in einem Inter­view mit der Fifa. Am Anfang eines jeden Tran­fer­fens­ters wie­der­holt er dieses Mantra und setzte mit seiner Ver­trags­ver­län­ge­rung im April 2012 ein Zei­chen. Ich kann es kaum erwarten, die Cham­pions League-Hymne im San Paolo zu hören“, so der slo­wa­ki­sche Natio­nal­spieler nach seiner Ver­trags­aus­deh­nung bis 2016. Sechs Jahre haben wir uns gemeinsam ent­wi­ckelt, Napoli und ich. Wir können noch mehr und wollen unseren Auf­stieg fort­setzen“

In der letzten Saison mussten die Süd­ita­liener nur dem schier über­mäch­tigen Juventus Turin den Vor­tritt lassen. Hamšíks Geduld könnte sich also bald aus­zahlen. Mit 218 Ein­sätzen für den SSC gilt er unab­hängig von Titel­ge­winnen bereits als Legende. Noch fehlen ihm 160 Auf­tritte, um Gui­seppe Brusco­lotti, Napoli-Ikone der Sieb­ziger und Acht­ziger, abzu­lösen. Hamšík ist erst 25. Es ist für die Fans also keine Frage, ob, son­dern wann Marek Hamšík Nea­pels Rekord­spieler wird.