Im Juni 2004 wurde das bisher letzte Mal ein Bun­des­trainer gesucht. Der Rück­tritt von Rudi Völler nach der EM in Por­tugal traf den Deut­schen Fuß­ball-Bund (DFB) wie ein Keu­len­schlag. Völler, eigent­lich eine Über­brü­ckungs­lö­sung, hatte sich zum Glücks­fall für die deut­sche Natio­nal­mann­schaft erwiesen, nachdem sie bei der EM 2000 in Hol­land und Bel­gien mit Erich Rib­beck gran­dios durchs Tur­nier gefallen war.

Völler, der für den für 2001 aus­ge­guckten, aber wenig später nach einer Haar­probe (Kokain-Affäre) nicht mehr ver­mit­tel­baren Chris­toph Daum ein­ge­sprungen war, führte die rum­pelnde Natio­nalelf bei der WM 2002 in Japan und Süd­korea ins Finale. Was damals bei­nahe einem Wunder glich. So gut war der deut­sche Fuß­ball zu Beginn des neuen Jahr­tau­sends gar nicht.

Auch der Name Win­fried Schäfer fiel

In jenem Sommer herrschte große Not beim DFB. Weil der Wunsch­kan­didat Ottmar Hitz­feld absagte, fehlte es an einem Plan B, wie der dama­lige DFB-Prä­si­dent Ger­hard Mayer-Vor­felder ein­räumte. Selbst Otto Reh­hagel, der gerade mit Grie­chen­land den EM-Titel ermauert hatte, fand sich in der Los­trommel wieder.

Lothar Mat­thäus, damals 43, der Trai­ner­er­fah­rungen bei Rapid Wien und Par­tizan Bel­grad gesam­melt hatte und gerade Natio­nal­trainer Ungarns war, brachte sich ins Spiel. Becken­bauer dachte eher an Guus Hiddink (Hol­land) und den Dänen Morten Olsen. Auch der Name Win­fried Schäfer fiel, Kame­runs Natio­nal­trainer.

Mit der TFK auf dem Weg in die Lächer­lich­keit

Der DFB war mit seiner extra ins Leben geru­fenen Trai­ner­fin­dungs­kom­mis­sion (TFK) auf dem besten Weg sich kom­plett lächer­lich zu machen. Nach vielen Wochen wurde schließ­lich Jürgen Klins­mann als Bun­des­trainer aus dem Hut gezau­bert und Oliver Bier­hoff als Natio­nal­mann­schafts-Manager prä­sen­tiert. Einen Tag später, am 30. Juli 2004, unter­schrieb Joa­chim Löw einen Zwei­jahres-Ver­trag als Co-Trainer. Der Rest ist Geschichte.

17 Jahre später muss wieder ein neuer Bun­des­trainer gefunden werden. Der inzwi­schen 61-jäh­rige Löw wird nach der EM im Sommer auf­hören. Die Suche nach seinem Nach­folger ist im vollen Gange.

Vor­schlags­recht für Bier­hoff

Wenn Löw den Schreck über seinen am Dienstag ange­kün­digten Rückzug aus dem Amt des Bun­des­trai­ners ver­daut hat, wird er am Don­nerstag der Öffent­lich­keit Rede und Ant­wort stehen. Mit dabei sein werden DFB-Prä­si­dent Fritz Keller und Bier­hoff, der 2018 zum Direktor Natio­nal­mann­schaften und Aka­demie“ auf­ge­stiegen ist.

Er hatte sich das Recht zusi­chern lassen, den neuen Bun­des­trainer vor­schlagen zu dürfen. Die letzte Ent­schei­dung muss das Prä­si­dium absegnen sowie der klei­nere Prä­si­di­al­aus­schuss.