Seite 2: "Druck, Stress, wunderbar.“

Dass dieses Dreh­buch tat­säch­lich noch ein Happy End für Hertha vor­sieht, käme für so man­chen Pes­si­misten wohl wirk­lich sehr über­ra­schend. Um kurz nach fünf am Samstag schienen die Ber­liner gerettet, aber dann ließen sie auch den dritten Match­ball unge­nutzt. Ähn­lich wie zwei Wochen zuvor in Bie­le­feld. Oder wie am ver­gan­genen Wochen­ende zu Hause gegen Mainz. Mit dieser psy­cho­lo­gi­schen Last geht die Mann­schaft nun in die Rele­ga­tion.

Der Frust im Team jeden­falls war groß, der eine oder andere hat auch den Kopf hängen lassen“, berich­tete Magath über die Stim­mung in der Kabine. Auch des­halb rich­tete der erfah­rene Trainer noch an Ort und Stelle ein paar auf­mun­ternde Worte an seine Spieler: Weil ich das anders beur­teile.“ Seine Bot­schaft sei Zuver­sicht. Ich freue mich darauf“, sagte Magath über die anste­hende Rele­ga­tion. Zwei schöne Spiele, volle Hütte, Druck, Stress. Wun­derbar.“

Magath geht mit dem Team ins Trai­nings­lager

Bevor es am Don­nerstag mit dem Heim­spiel gegen den HSV so weit ist, zieht sich die Mann­schaft zur Kon­tem­pla­tion noch einmal in die Abge­schie­den­heit des bran­den­bur­gi­schen Umlands zurück. Von Dienstag an logiert Hertha im Olym­pi­schen Trai­nings­zen­trum Kien­baum, wird dort unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit trai­nieren.

Ob Tor­hüter Marcel Lotka dabei mit­wirken kann, ist noch frag­lich. Her­thas neue Nummer eins hat sich bei seiner Ret­tungstat in Dort­mund, bei der er mit dem Gesicht gegen den Pfosten geknallt war, eine leichte Gehirn­er­schüt­te­rung und einen Nasen­bein­bruch zuge­zogen. Lotkas Ein­satz am Don­nerstag ist gefährdet. Sant­iago Ascacibar hin­gegen wird sicher aus­fallen. Er sah in Dort­mund seine fünfte Gelbe Karte und ist gesperrt.

Aber selbst solche Wid­rig­keiten dürften Trainer Magath in seinem offensiv zur Schau getra­genen Opti­mismus nicht beirren. Im Gegen­satz zur all­ge­meinen Unter­gangs­stim­mung bedachte er den Auf­tritt seiner Mann­schaft in Dort­mund mit loben­dsten Worten. Dass Her­thas Spieler noch gutem Beginn immer pas­siver wurden und dem BVB nur noch wenig ent­ge­gen­setzen konnten; dass die Wende dadurch fast zwangs­läufig war: All das wollte Magath nicht ver­ur­teilen. Seine Mann­schaft habe sehr gut gespielt, sehr gut gekämpft und sich als wür­diger Bun­des­li­gist erwiesen, sagte er. Ich bin durch dieses Spiel eher beru­higt. Mir ist nicht bange, was die Rele­ga­tion angeht.“

So pene­trant, wie Her­thas Trainer in den Wochen, als die direkte Ret­tung unaus­weich­lich schien, die Rele­ga­tion her­bei­ge­redet hat, so pene­trant betonte er am Samstag, dass alles gut aus­gehen werde. Mein Bauch, mein Gefühl sagt mir: Wir schaffen das.“

Dieser Text erscheint im Rahmen unserer Koope­ra­tion mit dem Ber­liner Tages­spiegel.