Als vom Schicksal Gebeu­telter und nicht zuletzt des­halb über­zeugter Haar­kranz­träger traf mich die Nach­richt bis ins Mark: Wayne Rooney, bis­lang weniger als sanfter Pfau denn als uneitler Maul­wurf bekannt, hat sich einer Haar­trans­plan­ta­tion unter­zogen.

Vor vielen Jahren machte ich ein Inter­view mit einem sehr bekannten Schön­heits­chir­urgen. Er bot an, mir kos­ten­frei Haare ein­zu­pflanzen, wenn ich dar­über einen Artikel ver­fassen würde. Der Pro­fessor wit­zelte: Junger Mann, das einzig Annehm­bare in ihrem Gesicht, ist ihr Kinn. Eine Frisur würde ihnen etwas mehr Cha­rakter ver­leihen.“

Wie würden meine Kol­legen auf ein Minipli reagieren?

Er kam mir ein biss­chen vor wie Dr. Fran­ken­stein, auch wenn seine Klinik in Süd­deutsch­land über welt­weites Renomée ver­fügt. Ich ver­suchte mir vor­zu­stellen, wie meine Kol­legen reagieren, wenn ich eines Tages mit einem Minipli ins Büro käme, musste laut lachen und lehnte das Angebot dan­kend ab.

Roo­neys Kol­legen haben ent­spannt reagiert. Rio Fer­di­nand befahl ihm: Trag aber bitte kein Haar­band!“ Rooney kon­terte: Kann mir jemand ein gutes Haargel emp­fehlen.“

Horst Köppel trug Toupet – weil es ein Wer­be­kunde so wollte

Da fällt mir ein, dass Guido Buch­wald vor Jahren als Trainer in Aachen zur Lach­nummer bei seinen Profis avan­cierte, weil er im schwä­bi­schen Idiom mit Fal­sett­stimme durch die Ale­mannia-Umkleide rief: Hat jemand einen Fön dabei?“ Und Horst Köppel trug auch nur kurz mal Toupet – weil es ein Wer­be­kunde erwar­tete.

Dass nun aus­ge­rechnet im Mut­ter­land des Kick & Rush“ die Schön­heits­chir­urgie unter Profis um sich greift, ist ein Schock. Doch das Kaschieren der Stirn­glatze hat in Nord­eng­land Tra­di­tion. Man­United-Ikone Bobby Charlton ver­suchte in den Sech­zi­gern seinen Haar­aus­fall zu ver­ste­cken, indem er den Rest­schopf an den Seiten lang wachsen ließ und über die kahlen Stellen kämmte. Dieser Stil ist in Bri­tan­nien bis heute als Bobby Charlton Comb-Over“-Frisur bekannt.