Die 11FREUNDE-Diens­tags­ko­lumne: Jede Woche machen sich Lucas Vogel­sang, Frank Will­mann, Titus Chalk und Frank Baade im Wechsel Gedanken über den Fuß­ball, die Bun­des­liga und was sonst noch so pas­siert. Wenn uns der heu­tige Kolum­nist Titus Chalk nicht gerade die eng­li­sche Fuß­ball­kultur erklärt, schreibt er für Four­FourTwo, expertet für die Deut­sche Welle oder trinkt Pints in seinem Lieb­lingspub.

An dieser Stelle erklärt unser Eng­land-Fach­mann und Ur-Lon­doner Titus Chalk die eng­li­sche Fuß­ball-Kultur. Ab sofort unge­fil­tert auf Deutsch:

Die Titus-Fuss­bal­ling-Eng-zyklo­pädie: Golden Oldies

Ach, damals war alles besser, oder? Bevor wir iPads hatten, bevor wir twit­terten, als man mit einem Zwanni in seiner Tasche sich noch reich fühlte und als unsere Fuss­ball-Götter hatten noch ihr Va-Va-Voom.

Die gute Nach­richt ist, dass in der spar­samen Pre­mier League, das gol­denes Zeit­alter ganz wieder modisch geworden ist. Thierry Henry ist wieder bei Arsenal (sogar wenn er kaum laufen kann), Paul Scholes war Man of the Match“ gegen Liver­pool im letzten Pokal­spiel (weil seine Kame­raden so schlecht waren) und Robbie Keane, der für ein Paar Monaten Los Angeles für Bir­mingham getauscht hat, wird für sein Intel­li­genz“ auf dem Fern­sehen gelobt (er kann auch nicht mehr laufen). Es fehlt eigent­lich nur Michael Bal­lack für schönste Come­back-Feier aller Zeit und sogar er könnte even­tuell eine Ein­la­dung vor Mit­ter­nacht bekommen.

Trotz meines Natur­zy­nismus, bin ich sehr inspi­riert von der Rück­kehr so vieler Golden Oldies“ ins Spiel. End­lich mal wieder, kann ich Fuß­ball­spieler gucken, die älter als ich sind und die lassen träumen von meiner eigenen zukünf­tigen Kar­riere am Höchst­ni­veau. Mit 31, schaffe ich noch die 100 Meter in weniger als eine Minute, auch wenn man bei meiner Ball­an­nahme sieht, dass ich etwas aus der Übung bin. Egal, Thierry Henry ist 34. Ich habe noch Zeit mich zu ver­bes­sern, bevor ich mein Arsenal-Debüt mache. 2012 wird ein ganz gutes Jahr reif“ zu sein.


Ego des Monats: Emma­nuel Ade­bayor

Man muss es zugeben, dass das Leben Emma­nuel Ade­ba­yors nicht immer am ein­fachsten war. Der töd­liche Maschi­nen­ge­wehr-Angriff, den er mit seinen Togo-Mit­spieler in 2010 erlebte, traf ihn viel mehr, denke ich, als wurde öffent­lich the­ma­ti­siert. Trotzdem, seine anschei­nende Lösung (noch weiter unter der Fuß­ball-Käse­glocke zurück­zu­ziehen), lasst man nur schwer sich mit ihm mit­fühlen. Bei­spiel­weise, kam zuletzt die fol­gende Anek­dote von seinem Trainer Harry Red­knapp:

Kürz­lich eine der Jungs hat ihn gefragt, warum er noch nicht sein £50 Buss­geld gezahlt hat, das man zahlen musst, ist man der schlimmste Spieler bei einem Trai­ning-Ses­sion. ›Ver­dammte Hölle Ade‹, hat er ihm gesagt, ›Du kriegst £200,000 pro Woche und du kannst es dich nicht leisten £50 zu zahlen?‹ Ade­bayor hat ihn geant­wortet: ›Bitte mich nicht belei­digen – ich ver­diene £225,000 pro Woche.‹“

Na ja, ein Mann wenigs­tens, der von der neuen Wirt­schafts­krise nichts zu fürchten hat.

Instant-Krise: Ich?

Am Wochen­ende kam ich zum ersten Mal in meinem Leben zur Idee, dass ich viel­leicht zu viel Fuß­ball schaue. Warum? Weil er fängt an nun meine Träume ein­zu­dringen. Sonn­tag­nacht zum Bei­spiel, wurde mein Schlaf stark gestört von einer unheim­li­chen Vision vom Sun­der­land-Boss Martin O’Neill als Führer eines erschre­ckenden Todes­kults. Der zwar cha­ris­ma­ti­sche Trainer und seine ver­zau­berte Gefolgs­männer zet­telten eine ver­zwickte Ver­schwö­rung gegen die Mensch­heit an, und ich als letzter ratio­naler Mann der Welt musste des­wegen ver­su­chen ihn mit einem schönen AK-47 zu ermorden. Ob ich meinen Ein­satz erfolg­reich erfüllte, kann ich mich nicht erin­nern. Den­noch, blieb das Bild eines in meinem Faden­kreuz gelockten bebrillten Mannes von mitt­lerem Alter, der nächste Tag sehr lang in meinen Gedanken.

Allein, wäre so einem Traum even­tuell nicht stö­rend. Aber, schon wurde die Vor­n­acht ebenso von einem merk­wür­digen Fuss­ball-Traum unter­bro­chen. Dieses Mal träumte ich (wahr­schein­lich genau wie Carlos Tevez), dass ich in einer lieb­losen Ehe mit Roberto Man­cini ver­schlossen war. Nein Roberto, ich habe heute Kopf­schmerzen“, musste ich der sanften Ita­liener sagen. Ich will sowieso nur Freunden mit dir sein.“ Die ganze Situa­tion war stark miss­lich. Und der Beweis, dass eine gesunde Balance zwi­schen Fuss­ball und sein nor­males Leben extrem wichtig ist.

Stö­rende Sta­tistik: £30,000

Der gesamte Wert des Scha­dens der Tep­piche und der Innen­ein­rich­tung, die wurden hinter Carlos Tevez ver­lassen, als er aus seinem von Man­chester United gemie­tetes Haus zog.