Es ist nur so ein Gefühl. Aber sollte die TSG Hof­fen­heim, jener von Dietmar Hopp auf­ge­päp­pelte Verein aus Sins­heim, tat­säch­lich in die Zweite Liga absteigen, hielten sich Ent­täu­schung oder Trauer gar beim Rest der Bun­des­liga in Grenzen. Woran liegt das nur, oder trügt das Gefühl?

Es ist zwar so, dass das Geld den Fuß­ball regiert. Aber Geld allein garan­tiert keinen Erfolg. Es muss schon kennt­nis­reich ein­ge­setzt werden. Und nicht jeder, der in der Wirt­schaft Erfolg hatte, muss diesen zwangs­läufig auch im Fuß­ball haben. Dietmar Hopp ist ein Bei­spiel dafür, und auch in den Bun­des­li­ga­stand­orten Köln, Fürth oder Ham­burg haben sie so ihre Erfah­rungen gemacht.

Aber nir­gendwo schil­lert der Ein­fluss des fuß­ball­fremden Kapi­tals so auf­fällig wie in Hof­fen­heim.

Die TSG 1899 Hof­fen­heim ist ein modernes Fuß­ball­un­ter­nehmen, finan­ziert einzig und allein aus der Kraft eines schwer­rei­chen Mäzens. Als der Klub 2008 in der Bun­des­liga auf­tauchte und eine halbe Spiel­zeit lang wun­der­schönen Fuß­ball spielte, spal­tete dieses Modell das deut­sche Fuß­ball­volk. Wäh­rend Tra­di­tio­na­listen nei­disch auf die neuen Mög­lich­keiten des Empor­kömm­lings schauten, spra­chen Franz Becken­bauer und der dama­lige DFB-Prä­si­dent Theo Zwan­ziger von einem Glücks­fall für den deut­schen Fuß­ball. Tat­säch­lich pumpte Hopp pro­vo­zie­rend viel fri­sches Kapital in das Fuß­ball­ge­schäft. Für die einen war er einer, der sich Erfolg um jeden Preis erkaufen wollte. Andere schätzten seinen Idea­lismus, der seine Mittel ohne Eigen­nutz zur Ver­fü­gung stellte.

Ich als Verein musste reagieren“

Der deut­sche Fuß­ball kennt Mäzene seit Grün­dung der Bun­des­liga. Einer der schil­lernsten war Hans Löring, der sich selbst Jean nannte und in den frühen Sieb­zi­ger­jahren zum Patron For­tuna Kölns auf­stieg. Unter Löring, inzwi­schen ver­storben, war For­tuna 1973 in die Bun­des­liga gestürmt. Anschlie­ßend ver­brachte der Klub 26 Jahre unun­ter­bro­chen in der Zweiten Liga. Löring war ein Allein­herr­scher im klas­si­schen Sinne, für jeden und alles im Verein zuständig. Und wenn der Pate der Süd­stadt“ mal wieder einen Trainer gefeuert hatte, sprang er nicht selten selbst als Trainer ein. Unver­ges­sener Höhe­punkt seiner bis­weilen wilden Per­so­nal­po­litik war, als er im Dezember 1999 beim Stand von 0:2 seiner For­tuna gegen Waldhof Mann­heim in die Kabine gestürmt kam und Trainer Toni Schu­ma­cher kur­zer­hand ent­ließ – in der Halb­zeit­pause wohl­be­merkt. Hin­terher soll er einem Jour­na­listen den Grund für sein Ein­greifen genannt haben: Ich als Verein musste reagieren.“

Dietmar Hopp lebt seine Macht­fülle nie so offen aus wie Löring. Das ent­spricht nicht seinem Natu­rell. Der 72-Jäh­rige tritt öffent­lich höf­lich und staats­män­nisch auf. In seinen besten Momenten wirkt er wie ein Groß­vater, der seinen Enkeln beim Kicken zuschaut.

Bun­des­li­ga­fuß­ball aber ist ein biss­chen mehr als Kicken. Es ist ein Geschäft, das Weit­blick, stra­te­gi­sches Denk­ver­mögen und ein hohes Maß an fuß­ball­spe­zi­fi­scher Sach­kenntnis erfor­dert. Von all dem war in Hof­fen­heim zuletzt wenig zu sehen. Vor kurzem wurden Trainer und Manager ent­lassen. Markus Gisdol, der Neue, ist bereits der vierte Trainer der lau­fenden Saison. In einem Inter­view hat Hopp gerade eben gesagt, die TSG Hof­fen­heim werde die Ver­eins­po­litik nicht danach aus­richten, es allen recht zu machen. Wir gehen selbst­be­wusst den Weg, den wir für richtig halten.“

Zu diesem Weg gehört neben glaub­haft ver­si­cherter Liebe zum ortan­säs­sigen Fuß­ball­verein sein gewal­tiges Ver­mögen. Knapp eine Vier­tel­mil­li­arde Euro hat Hopp nun schon in diesen Verein gesteckt. Sein Geld steckt im Sta­di­on­neubau, im Nach­wuchs­zen­trum, in aus der ganzen Welt zusam­men­ge­kauften Spie­lern. Allein von 2007 bis 2009, rund um die viel besun­gene Herbst­meis­ter­schaft 2008 – erwirt­schaf­tete Hof­fen­heim ein Minus von 65 Mil­lionen Euro. Auch in den Fol­ge­jahren konnten die mil­lio­nen­schweren Ver­käufe von Spie­lern wie Carlos Edu­ardo und Luiz Gus­tavo die großen Ver­luste gerade mal hal­bieren. Dabei war Hopp mal ange­treten mit der Ziel­set­zung, in diesem Jahr, spä­tes­tens aber in 2014 schwarze Zahlen zu schreiben. In diesen Tagen aber droht erst einmal die Gefahr eines Abstiegs in die Zweite Liga, und die ist für gewöhn­lich ein Mil­lio­nen­grab.

Natür­lich ist es nicht ver­boten, ordent­lich erwirt­schaf­tetes Pri­vat­ver­mögen in den Fuß­ball zu ste­cken. Aber man muss es eben auch nicht zwangs­läufig toll finden. Hopp hat sich neben vielen anderen Wohl­tä­tig­keiten auch seiner alten Jugend­liebe erin­nert und sich mithin auf jene Platt­form begeben, die die meiste Auf­merk­sam­keit mit sich bringt. Sein mäch­tiges finan­zi­elles Enga­ge­ment in Kran­ken­häu­sern, Schulen und Stif­tungen bringt ihm seit Jahren Respekt und Dank­bar­keit ein. Im Fuß­ball gibt es im besten Fall Neid, sonst Häme.

Der, der die Band bezahlt, bestimmt die Musik

Hopp hat die TSG Hof­fen­heim aus der Kreis­liga auf­ge­baut, also aus dem Nichts. Dietmar Hopp betont oft und gern, dass er sich in das ope­ra­tive Geschäft nicht ein­mischt. Aber trotz aller gegen­tei­ligen Behaup­tungen ist es immer noch so, dass der, der die Band bezahlt, auch die Musik bestimmt. Davor schützt auch keine 50+1‑Regel, die es Inves­toren im deut­schen Fuß­ball ver­bietet, mehr­heit­lich einen Verein zu über­nehmen. Oft genug sind es die Mit­ar­beiter, die Loya­lität gegen­über ihrem Chef falsch aus­legen und im vor­aus­ei­lenden Gehorsam im Sinne des Alten wirken. Ohne dass dieser es ange­ordnet hätte.

Nie würde der gelernte Infor­ma­tiker auf die Idee kommen, für die Bio­tech-Branche, die er all­jähr­lich mit Mil­lio­nen­bei­trägen stützt, Geräte anzu­schaffen, über deren Wir­kung der Schatten des Zwei­fels liegt. Im Bereich Medizin lässt er sich nach eigener Aus­sage von Pro­fes­soren als Gut­achter beraten, bevor Geld fließt. Und im Fuß­ball? Nie­mand weiß genau, welche Ein­flüs­terer wel­chen Ein­fluss aus­üben. Es sind wohl auch Spie­ler­be­rater dar­unter, und denen liegt zuerst an ihrem eigenen Wohl und dann an Hof­fen­heim, wenn über­haupt.

Fuß­ball ist ein knall­hartes Geschäft geworden. Nur eben aus­ge­leuch­teter. Heute sind moderne Fuß­ball­klubs von ihrer Wirt­schafts­kraft her ver­gleichbar mit mit­tel­stän­di­schen Unter­nehmen, sie bewegen Haus­halte im zwei- bis drei­stel­ligen Mil­lio­nen­be­reich. Erschwe­rend kommt hinzu, dass Fuß­ball von Men­schen gespielt wird und nicht von Maschinen. Maschinen arbeiten mit bere­chenbar ver­läss­li­chem Leis­tungs­aus­wurf. Im Fuß­ball bleibt der Faktor Mensch mit seinen vor­züg­li­chen Stärken und den oft allzu ver­ständ­li­chen Schwä­chen. Selbst bei größt­mög­li­cher Leis­tungs­be­reit­schaft des Ein­zelnen ist nicht garan­tiert, dass der Ball vom Pfosten ins Tor oder zurück ins Feld springt.

Oft genug schon hat ein Tor über alles ent­schieden. Im Fuß­ball gilt das Wort des frü­heren Vor­stand­vor­sit­zenden des Ham­burger SV, Bernd Hoff­mann, der die Chancen und Risiken im Fuß­ball­ge­schäft griffig abwog: Das Ziel im Fuß­ball ist größt­mög­li­cher sport­li­cher Erfolg bei Ver­mei­dung der Insol­venz.“

Ohne Hack geht in Fürth nichts

Bernd Hoff­mann ist ein all­seits geschätzter Kauf­mann, der über Erfolg in seiner Kern­kom­pe­tenz den Weg zum Vor­stands­vor­sit­zenden bei einem Fuß­ball-Tra­di­ti­ons­verein geschafft hatte. Bis er irgend­wann der Idee auf­ge­sessen war, genug Fuß­ball­spiele geschaut zu haben, um eine Exper­ten­schaft für sich zu bean­spru­chen. Hoff­mann ist darin kein Ein­zel­fall in der von Eitel­keiten geprägten Szene.

Ein Blick nach Fürth bei­spiels­weise. Dort führt Helmut Hack das füh­rende Fuß­ball­un­ter­nehmen, es spielt seit dieser Saison in der Bun­des­liga, aber wohl nicht mehr lange. Auch der 63-Jäh­rige genießt in der Region Aner­ken­nung für Enga­ge­ment und Ein­lagen. Doch auch ihm soll es schwer­fallen, Auf­gaben, die nicht seiner Pro­fes­sion ent­spre­chen, zu dele­gieren. Es heißt, ohne Hack gehe bei der SpVgg Greu­ther Fürth gar nichts. So wird ihm eine Mit­schuld an den Fehl­kon­struk­tionen im Spie­ler­kader vor­ge­worfen, da er höchst­selbst den einen oder anderen Transfer getä­tigt habe, der inzwi­schen gefloppt ist.

Dietmar Hopp machte aus dem Soft­ware­un­ter­nehmen SAP eine Welt­marke. Helmut Hack führt erfolg­reich die Geschäfte des Tee-Impe­riums Martin Bauer im Land­kreis Erlangen-Höch­stadt. Die Wirt­schafts­lenker Hopp und Hack erleben gerade, wie wenig sich ihr Erfolgs­mo­dell aus der Wirt­schaft auf den Fuß­ball­be­trieb über­tragen lässt. Das ist nicht mehr nur ein Gefühl.