Neu­lich, als Toni Kroos die Gasse hin zu den Jour­na­listen fand, ist er gefragt worden, was denn nun dran sei an der Geschichte, wonach Pep Guar­diolas neuer Verein Man­chester City angeb­lich 75 Mil­lionen Euro für ihn geboten habe. Guar­diola war damals zu Bayern gekommen, als Kroos Mün­chen ver­ließ. Kroos ruckelte sich nach der Frage einmal kurz zurecht auf seinem Stuhl und ant­wor­tete: Vor ein paar Tagen war ich wieder in Mün­chen, das war nett zu sehen. Aber ich bin Spieler von Real Madrid und habe vier Jahre Ver­trag. Das sollte rei­chen.“

Alles jubelt, Kroos klatscht einmal in die Hände

Als Ein­stim­mung auf das Halb­fi­nale dieser Euro­pa­meis­ter­schaft zwi­schen Gast­geber Frank­reich und Deutsch­land werden jetzt noch einmal die Bilder zu sehen sein, vom dra­ma­ti­schen Elf­me­ter­schießen von Bor­deaux, wo Deutsch­land seinen Ita­lien-Fluch besiegte. Als Jonas Hector schließ­lich den 18. und ent­schei­denden Elfer ver­wan­delte, wird man sehen, wie alle deut­schen Spieler aus dem Mit­tel­kreis wild jubelnd los­sprinten, eine Gruppe zum Schützen, eine andere Gruppe zu Tor­wart Manuel Neuer, einem anderen Helden dieser his­to­ri­schen Nacht. Nur einer rennt nicht los – Toni Kroos. Man sieht ihn, wie er durch­pus­tend einmal in die Hände klatscht. Fertig.

Nun ist der 26 Jahre alte Toni Kroos alles andere als ein unhöf­li­cher Geselle, der den anderen die Aner­ken­nung und das Ram­pen­licht nicht gönnt. Toni Kroos ist, nun ja, von beherrschtem Tem­pe­ra­ment. Oder wie es Joa­chim Löw eben erzählt hat: Ich kenne keinen Spieler, der so cool ist wie der Toni.“

Der Bun­des­trainer holte dabei ein wenig aus, Kroos sei schließ­lich schon ein paar Jähr­chen ein ganz wesent­li­cher Bestand­teil“ seiner Mann­schaft. Ob es ein belie­biges Vor­be­rei­tungs­spiel sei oder ein WM-Halb­fi­nale in Bra­si­lien gegen Bra­si­lien wie vor zwei Jahren, dieser fast schmäch­tige Kerl sei im Wissen um seine Stärken so ruhig und gelassen“, wie er es bei noch keinem anderen Spieler erlebt habe. Das ist seine große Qua­lität“, sagt Löw.

Ein großer Stra­tege“

Egal, wer nun die freie Stelle von Sami Khe­dira gegen Frank­reich ein­nehmen wird, dieser eine wird auf­laufen an der Seite einer der spiel­prä­gendsten Figuren, die der Welt­fuß­ball der­zeit zu bieten hat. Löw sagt: Toni kann das Spiel mit seiner Technik in rich­tige Bahnen lenken, er ist ein großer Stra­tege.“

Ver­mut­lich werden sie sich beim FC Bayern in den beiden ver­gan­genen Jahren schon ein‑, zweimal an den Kopf gegriffen haben und sich fragen, warum sie diesen Spieler 2014 für läp­pisch anmu­tende 30 Mil­lionen Euro an Real Madrid abge­beben haben, obwohl dieser gerade Lenker und Gestalter der deut­schen Welt­meis­ter­mann­schaft gewesen war. Und das mit erst 24 Jahren.

Gelas­senhet plus Härte und Biss

Aber zum Weg seiner geschickten Füße in die Welt­klasse gehörten eben auch immer Zweifel der anderen. Zweifel, ob er sein Talent und seine Gabe je würde auf den Rasen bringen können, auch Zweifel daran, ob er bei all seiner vor­pom­mer­schen Gelas­sen­heit den nötigen Biss und die Härte würde ent­wi­ckeln können, um das Spiel einer Spit­zen­mann­schaft zu prägen.