Der FC Bayern spielt eine Saison der Super­la­tive und jagt von Rekord zu Rekord: In der Liga war kein Team je so früh Deut­scher Meister, zugleich holten die Bayern den Rekord für die meisten Punkte und für die beste Tor­dif­fe­renz. Auch inter­na­tional über­zeugen sie voll; der Tri­umph gegen den FC Bar­ce­lona war der höchste Halb­fi­nal­erfolg der Cham­pions-League-Geschichte. Und doch ist die Saison höchs­tens halb so viel Wert, sollten die Bayern am Sams­tag­abend das Cham­pions-League-Finale gegen Borussia Dort­mund ver­lieren.

Die Auf­gabe wird nicht ein­fach. Jürgen Klopp scheint den tak­ti­schen Schlüssel für das Bayern-Schloss zu besitzen: In den ver­gan­genen drei Spiel­zeiten konnten die Bayern in neun Duellen nur zweimal gewinnen. Jupp Heynckes‘ Team muss alle Kräfte mobi­li­sieren. Heynckes kann dabei ganz auf die Elf bauen, die den FC Bar­ce­lona im Halb­fi­nale besiegt hat.

Das Zen­trum domi­nieren!

Die Rollen scheinen vor dem Finale klar ver­teilt: Borussia Dort­mund dürfte ver­tei­digen und kon­tern, wäh­rend die Bayern das Spiel und den Ball­be­sitz domi­nieren. Javi Mar­tinez und Bas­tian Schwein­s­teiger sind dabei die Fix­punkte im Mit­tel­feld, in der Abwehr ist Dante für den Spiel­aufbau zuständig.

Die Bayern müssen dabei auf­passen, dass die Dort­munder nicht das Mit­tel­feld domi­nieren. Der BVB wird den Druck auf Mar­tinez und Schwein­s­teiger hoch­halten und dafür even­tuell auf ein 4−5−1 mit drei Sechsern umstellen. Hiermit könnte der BVB Schwein­s­teiger und Mar­tinez kon­ti­nu­ier­lich pressen und deren Zeit am Ball mini­mieren.

Und wie kann der BVB den FC Bayern schlagen? Hier gibt’s Ant­worten»>

Um dem Druck im Mit­tel­feld zu ent­gehen, könnte Schwein­s­teiger im Spiel­aufbau tief in die eigene Hälfte gehen. Dazu könnte er zwi­schen die Innen­ver­tei­diger oder auf eine der Außen­ver­tei­di­ger­po­si­tionen abkippen. Schwein­s­teiger hat dies schon öfters prak­ti­ziert, auch gegen den BVB. Der Vor­teil: Ent­weder bekommt er mehr Zeit am Ball, wenn der BVB ihn nicht ver­folgt – oder er zieht die geg­ne­ri­sche For­ma­tion aus­ein­ander, wenn sein Gegen­spieler ihn tief in der Mün­chener Hälfte stellt. Aber Vor­sicht: Ball­ver­luste sind hier nicht zu ver­zeihen. Die 1:3‑Niederlage gegen den BVB im Februar 2011 lei­tete Schwein­s­teiger mit Ball­ver­lusten als abkip­pender Sechser ein.

Außen liegen die Schwach­stellen des BVB

Wenn Dort­mund aggressiv gegen das Mün­chener Zen­trum vor­geht, könnten sich Lücken in deren For­ma­tion auftun. Ilkay Gün­dogan neigt in man­chen Spielen dazu, zu aggressiv her­aus­zu­rü­cken und hinter sich Löcher zu lassen. Aller­dings dürfte der BVB in dieser Partie penibel darauf achten, keine Löcher im Zen­trum zuzu­lassen.
Bes­sere Chancen auf erfolg­reiche Angriffe bestehen auf den Flü­geln. Dass die Dort­munder Franck Ribéry und Arjen Robben durch ein­fa­ches Dop­peln bzw. Trip­peln von ihren Kol­legen iso­lieren können, wie sie es in den ver­gan­genen Jahren oft taten, ist unwahr­schein­lich. Die Bayern haben ihre Spiel­weise ange­passt, sodass sie auf den Flü­geln weniger aus­re­chenbar sind. Einer­seits rücken die Außen­ver­tei­diger Philipp Lahm und David Alaba weiter auf und unter­stützen öfter. Ande­rer­seits besetzen Robben und Ribéry nicht mehr starr die Flügel, son­dern tau­schen immer wieder die Posi­tionen oder ziehen in die Mitte.

Die Bayern könnten ver­su­chen, bewusst mit Ribéry und Robben auf einer Seite eine Über­zahl her­zu­stellen. Damit könnten sie die geg­ne­ri­schen Außen­ver­tei­diger etwas ins Zen­trum locken, wäh­rend der Außen­ver­tei­diger sich an der Sei­ten­aus­linie anbietet. Von dort könnte der FC Bayern mit Flanken zum Erfolg kommen; hohe Her­ein­gaben sind die Schwach­stellen des Dort­munder Teams. Rund ein Drittel ihrer Gegen­tore fingen sie per Kopf. Mario Man­dzukic ist der ideale Abnehmer für diese Flanken.

Das Zau­ber­wort heißt Gegen­pres­sing

Apropos Man­dzukic: Der Kroate ist bei Heynckes nicht nur auf­grund seiner Tor­jäger-Qua­li­täten gesetzt. In vor­derster Instanz leitet er das Pres­sing. Er kämpft wie ein Stier und jagt jedem Ball hin­terher. Zusammen mit Thomas Müller wird er nach Ball­ver­lusten sofort ins Gegen­pres­sing umschalten, um Dort­munds schnelle Konter zu ver­hin­dern. Das ist auch bitter nötig, denn lässt man den Dort­munder nach Ball­ver­lusten eine Sekunde zu viel Zeit, können sie sich mit ihrem starken Ver­ti­kal­spiel nach vorne arbeiten.

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Wenn die Bayern die Dort­munder Ver­tei­diger früh unter Druck setzen, werden diese wahr­schein­lich mit langen Bällen ant­worten, um keine Ball­ver­luste in der eigenen Hälfte zu ris­kieren. Robert Lewan­dowski soll diese vorne ver­ar­beiten, behaupten und ablegen. Ein Mün­chener Innen­ver­tei­diger wird ihm diese Bälle streitig machen müssen, wäh­rend Mar­tinez die zweiten Bälle holen soll. Gerade die zweiten Bälle müssen sich die Bayern sichern, um Chancen des BVBs zu mini­mieren.

Zugleich dürften auch die Bayern nicht unend­lich viele Tor­chancen bekommen. Der BVB steht dis­zi­pli­niert, lässt kaum Lücken und wirft sich in jeden Zwei­kampf. Es dürfte ein enges Spiel im Mit­tel­feld werden, bei dem jede Tor­chance die ent­schei­dende sein kann. Viel­leicht können die Bayern ihre Schmach aus dem ver­gan­genen Jahr ver­gessen machen, indem sie das ent­schei­dende Tor per Stan­dard erzielen – wie einst Didier Drogba. Immerhin fingen die Dort­munder in der Cham­pions League ein Drittel ihrer Tore nach ruhenden Bällen. Es wäre die Krö­nung einer her­aus­ra­genden Saison.