Nach­mit­tags dankte der König ab und später am Abend der Welt­meister. Juan Carlos erle­digte den Job mit einem Feder­strich, seinen eins­tigen Unter­tanen in kurzen Hosen aber mussten sich quä­lend lange 90 Minuten plus sechs Minuten Nach­spiel­zeit von vogel­wilden Chi­lenen vor­führen lassen, dann hatten die Spa­nier im zweiten Spiel die zweite Nie­der­lage kas­siert.

Nach dem 0:2 (0:2) gegen Chile im Mara­cana von Rio de Janeiro ist das finale Vor­run­den­spiel der Gruppe B gegen die eben­falls vor­zeitig geschei­terten Aus­tra­lier nur noch von sta­tis­ti­scher Rele­vanz. Das Tiki-Taka ist tot und mit ihm eine Dynastie, die zwei Euro­pa­meis­ter­schaften gewährt hatte und eine Welt­meis­ter­schaft.

Sensations‑K.-o. von Rio

Schwei­gend ver­ließ der ent­thronte Welt­meister den Platz, umzin­gelt von trös­tenden Chi­lenen, sie fei­erten mit Respekt die erste Sen­sa­tion dieser WM. Die Spa­nier traf das­selbe Schicksal wie 2002 die Fran­zosen und 2010 die Ita­liener, auch sie hatten sich als Welt­meister jeweils schon nach der Vor­runde ver­ab­schiedet. Die Spa­nier traf es völlig ver­dient. Der Sensations‑K.-o. von Rio war zur einen Hälfte ihrer Lethargie geschuldet und zur anderen der Lust und Lei­den­schaft ihres Geg­ners. Die Chi­lenen jagten über den Platz, als gäbe es kein Morgen und erst recht kein wei­teres Spiel bei der WM. Dabei hat ihr Weg gerade erst begonnen und den Ein­drü­cken von Rio nach könnte er noch ein gutes Stück wei­ter­gehen.

Ver­geb­lich hatte Vicente del Bosque ver­sucht, neue Reize zu setzen und seiner Mann­schaft zu mehr Inspi­ra­tion zu ver­helfen. Spa­niens Trainer ließ über­ra­schend seinen Innen­ver­tei­diger Gerard Piqué auf der Bank und gar nicht so über­ra­schend den doch sehr geal­terten Stra­tegen Xavi Her­nandez.

Tur­bu­lenzen im Spiel

Bay­erns Javi Mar­tínez und Pedro Rodri­guez nahmen die Plätze der beiden ein. Iker Cas­illas, auch er eine der Schwach­stellen beim 1:5 gegen die Nie­der­lande, behielt dagegen seinen Platz im Tor.

Half alles nichts. Schon in der ersten Minute kam es zu Tur­bu­lenzen im spa­ni­schen Straf­raum, in deren Folge Xabi Alonso knapp neben das eigene Tor abfälschte. Nach dem anschlie­ßenden Eck­ball köpfte Gon­zalo Jara knapp vorbei. Ein paar Minuten stif­tete Alonso dann allerlei Ver­wir­rung in der chi­le­ni­schen Abwehr, bekam aber den Ball nicht an Tor­hüter Claudio Bravo vorbei.

Und noch ein drittes Mal stand der defen­sive Mit­tel­feld­spieler von Real Madrid im Mit­tel­punkt, und diesmal blieb es nicht fol­genlos. Es war Alonsos Fehl­pass, der Charles Aran­guiz auf dem rechten Flügel in Posi­tion brachte. Der Chi­lene passte in den Rücken der spa­ni­schen Abwehr auf Edu­ardo Vargas, der Cas­illas und Sergio Ramos narrte und den Ball mit der Fuß­spitze ins Tor stieß.

Der Welt­meister war schwer ange­schlagen, viel­leicht auch ein biss­chen beein­druckt von dem Lärm, den die chi­le­ni­schen Hin­chas im Mara­cana ver­an­stal­teten. Weit mehr als die Hälfte der 74.101 Zuschauer feu­erten Chile an, und die bra­si­lia­ni­sche Min­der­heit pfiff bei jedem Ball­kon­takt des gebür­tigen Bra­si­lia­ners Diego Costa. Er hatte nach einer halben Stunde die für lange Zeit beste spa­ni­sche Chance, traf aber mit viel Wucht und wenig Prä­zi­sion nur das Außen­netz.

Wieder ein Fehler von Iker Cas­illas

Wenig fügte sich zusammen im Spiel des Welt­meis­ters. Die Chi­lenen zogen sich zurück und gewährten den Spa­niern den Platz, den sie früher zur Insze­nie­rung ihres Tiki-Taka genutzt hätten, aber da war nichts mehr. Und es kam noch schlimmer. Kurz vor der Pause, als Cas­illas einen gar nicht so gefähr­li­chen Frei­stoß von Arturo Vidal in die Mitte boxte, vor die Füße von Aran­guiz, der auch gar nicht so gefähr­lich schoss, aber gut genug für Cas­illas. Es war schon der siebte Gegen­treffer im zweiten Spiel. Vor vier Jahren hatten die Spa­nier in sieben Spielen ganze zwei Tore zuge­lassen.

Zur zweiten Halb­zeit war das Spiel auch für Xabi Alonso beendet. Für ihn kam Koke, eine kos­me­ti­sche Kor­rektur, nicht mehr. Vorn ver­stol­perte Diego Costa die nächste Chance und Sergio Bus­quets die nächste, unfass­bare drei Meter allein vor dem leeren Tor. Später schickte del Bosque noch Fer­nando Torres auf den Platz, ohne dass davon später etwas zu merken war. Hilflos fügten sich die Spa­nier in ein Schicksal, das noch vor einer Woche nie­mand für mög­lich gehalten hätte.