Stefan Effen­berg ent­sprach noch nie den Normen. Als junger Mann trug er eine blonde Mähne zur Schau, die selbst Ende der Acht­ziger äußerst gewöh­nungs­be­dürftig war. 1994, auf dem Höhe­punkt seiner sport­li­chen Schaf­fens­kraft, zeigte er den deut­schen Fans bei der WM den berühmten Finger und wurde von der bie­deren DFB-Spitze nach Hause geschickt. Und als er beim legen­dären Kar­ten­re­kord-Spiel zwi­schen seinen Bayern und dem BVB am 7. April 2001 (Schieds­richter Hartmut Strampe zeigte ins­ge­samt 13 Karten, zehn davon den Bayern) mit Gelb-Rot vom Platz flog, da ver­teilte der Tiger höh­nisch Küsse ins Publikum und legte sich mit dem kom­pletten West­fa­len­sta­dion an.

Man wusste nie, ob der Mann nun ein noto­ri­scher Gefah­ren­su­cher, über­zeugter Pro­vo­ka­teur, Arsch­loch oder Genie war. Lang­weilig war es mit ihm jeden­falls nie.

Jeder Zen­ti­meter ein Leader

Effen­berg war schon immer Effen­berg, weil er es durfte. Weil er näm­lich nicht nur stän­kerte, son­dern Spiele und Titel gewann. Schon immer hat diesen Fuß­baller eine Aura umgeben, der man sich nicht ent­ziehen konnte. Eine fas­zi­nie­rende Mischung aus Talent, harter Arbeit und bewusst gewählter Kon­fron­ta­tion. 2001 gelang ihm mit dieser Melange sein Meis­ter­stück: als unum­strit­tener Anführer einer noch zwei Jahre zuvor inner­halb von 102 Sekunden zer­schmet­terten Mann­schaft holte er die Cham­pions-League-Tro­phäe nach Mün­chen. Jeder Zen­ti­meter einer dieser Leader, die heute in Kri­sen­zeiten so sehr ver­misst werden.

Ja, Effen­berg machte sich schon damals beim Okto­ber­fest zum Brot. Aber er kloppte auch im rich­tigen Moment Roy Keane im CL-Vier­tel­fi­nale 2001 über den Haufen und zer­brach anschlie­ßend im Halb­fi­nale das ver­sam­melte Selbst­ver­trauen von Real Madrid mit einem rich­tigen Pass, dem dro­hend vor sich her schwen­kenden Zei­ge­finger und wütenden Bli­cken in die Gesichter ver­dutzter Super­stars. Der Mann mag irre sein, schienen die Gegner zu denken. Aber, ver­dammt, er wird dieses Spiel gewinnen.