Ticketbörse Viagogo spaltet Klubs und Anhänger

Lukrative Einnahmequelle auch für Fanklubs

Saathoff hat in monatelanger Recherche zu Viagogo Erstaunliches zutage gefördert: Einer seiner Kronzeugen ist ein ehemaliger Mitarbeiter einer offiziellen Vorverkaufsstelle des BVB. Der habe seinen Job nicht mehr guten Gewissens ausüben können, weil sein Chef hunderte von Karten nicht an Fans verkauft (wie er dem Verein angibt), sondern an Viagogo. Außerdem will Saathoff von Insidern wissen, dass etwa zehn BVB-Fanklubs Scheinmitglieder führen, um so an Karten zu kommen, die dann bei Viagogo verkauft würden. Saathoff geht von deutlich über tausend Tickets pro Heimspiel aus. Wenn das stimmt, zockt in Dortmund der Kumpel den Malocher bereits gehörig ab.

Saathoff wundert das nicht. Er wisse von einem Fall, da verdient der Fanklubchef nur 1400 Euro netto im Monat – da komme das Zubrot gerade recht. Zumal Viagogo sich auch regelrecht an die Fans heranschmeißt. Saathoff zeigt zwei Schreiben, die ihn in seiner Funktion als Fanklubchef erreicht haben – von Viagogo-Mitarbeitern. In diesen Mails bietet das Unternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz eine Kooperation mit dem Fanklub an. »Die wollen an unsere Karten«, sagt Saathoff. Das würde vom Tenor her zu einer Reportage des englischen Fernsehsenders Channel 4 passen. Ein Reporter schleuste sich als Mitarbeiter in das Londoner Büro von Viagogo ein und fand heraus, dass das Ticketportal bei offiziellen Anbietern in großem Stil selbst Tickets einkauft – die Mitarbeiter hantieren dabei mit Kreditkartenbergen.

Gladbach lehnt lukratives Angebot ab

Um den ramponierten Ruf etwas aufzubessern, lässt sich Viagogo in Verträgen wie mit Schalke neuerdings auch Werbeflächen im Stadion zusichern. »Wir sind die Besten und wollen deshalb mit den Besten zusammenarbeiten«, sagt Steve Roest, der Firmensprecher, und zählt das Portfolio der internationalen Top-Klubs auf, mit denen Viagogo Verträge hat. Selbst mit dem DFB würde man gerne kooperieren, sagt er. Kleine Rückschläge werden in Kauf genommen. So läuft mit dem ehemaligen Partner Hamburger SV ein Rechtsstreit, auch der FC Bayern will die Zusammenarbeit beenden. Borussia Mönchengladbach hat ein lukratives Angebot von Viagogo abgelehnt, wie Geschäftsführer Stephan Schippers sagt: »Wir können das nicht annehmen, wenn wir gleichzeitig viel unternehmen, um den Schwarzmarkt im Internet zu bekämpfen. Wir wollen keinem die Möglichkeit bieten, auf dem Rücken unserer Fans mit unseren Karten Geld zu verdienen.«

Fans anderer Klubs blicken neidisch nach Gladbach. Oder sie kämpfen mit allen Mitteln. Die Fan-Initiative der Schalker hat über einen Anwalt sogar Vereinschef Clemens Tönnies einen Brief zukommen lassen. »Er hat den Vorstand nicht gestoppt und somit seine Aufsichtspflichten verletzt«, sagt Eckl, »durch diesen Pakt mit dem Teufel werden die Werte unseres Vereins mit Füßen getreten.«