Platz 10: 37 Sekunden
Den schnellsten Platz­ver­weis bei einer Euro­pa­meis­ter­schaft kann der Jugo­slawe Mateja Kezman für sich ver­bu­chen. Im Jahr 2000 nagelte er zarte 37 Sekunden nach seiner Ein­wechs­lung in der 88. Minute den Nor­weger Erik Mykland unmit­telbar vor den Augen von Schieds­richter Hugh Dallas um. Das Duschen konnte sich Kezman sparen, es sei denn er war beim Auf­wärmen ins Schwitzen gekommen.


Platz 9: 34 Sekunden
Schlechter als Rashed Khalil Al Hooti kann man wohl nicht in die Qua­li­fi­ka­tion zu einer Welt­meis­ter­schaf starten. Auf­ge­peitscht von 82.000 geg­ne­ri­schen Fans im Tehe­raner Azhadi Sta­dion fährt Bah­rains Al Hooti etwas vor­schnell das lange Bein gegen Gegen­spieler Andranik Tey­mou­rian aus. Es war sein erster Zwei­kampf – kein Wunder, war das Spiel doch erst 34 Sekunden alt. Der Schiri fackelte nicht lang und zückte den roten Karton. Ein Rekord in der WM-His­torie. Bah­rain unterlag dem Iran am Enden deut­lich mit 0:6. Wie gesagt, schlechter kann man nicht in eine WM-Qua­li­fi­ka­tion starten.

Platz 8: 13 Sekunden
Seinen Sai­son­start hatte sich Tor­hüter Kevin Pressman von Shef­field Wed­nesday ganz anders vor­ge­stellt. Im ersten Spiel gegen die Wol­ver­hampton Wan­de­rers hatte Pressman noch nicht einmal sein Revier im Straf­raum mar­kiert, als er schon wieder gehen konnte. Ein langer Ball der Wan­de­rers über­raschte Shef­fields Abwehr, Pressman stürzte raus und berührte den Ball außer­halb des Sech­zeh­ners mit der Hand. Da waren drei­zehn Sekunden gespielt. Das Datum des ersten Spiel­tags: 13. August 2000. Alle Ver­schwö­rungs­theo­re­tiker können den­noch aus­atmen: Dieser Tag war ein Sonntag.

Platz 7: 12 Sekunden
Auch im fili­gran aus­ge­rich­teten Bra­si­lien findet sich ein Rekord­sünder. Zé Carlos von Cru­zeiro Belo Hori­zonte sah im Liga-Spiel gegen Atle­tico Mineiro bereits nach zwölf Sekunden rot. Bei seinem zweiten Ball­kon­takt, der erste war übri­gens der Anstoß, wurde er von hinten atta­ckiert, geriet ins Strau­cheln und schlug seinem Gegner im Fallen mit dem Ell­bogen ins Gesicht. Gespielte Zeit: sieben Sekunden. Fast genauso lange brauchte der Schieds­ri­cheter, um ihm die Karte zu zeigen, näm­lich fünf Sekunden. Zé Carlos haderte trotzdem mit der Ent­schei­dung und ver­harrte aus Pro­test auf dem Feld, als wolle er seinen Arbeitstag künst­lich ver­län­gern. Nützte aber nichts.


Platz 6: 10 Sekunden
Den schnellsten Platz­ver­weis im euro­päi­schen Spit­zen­fuß­ball han­delte sich ein gewisser Gui­seppe Lorenzo vom FC Bologna am 9. Dezember 1990 ein. Schnöde zehn Sekunden stand Lorenzo im Spiel gegen den AC Parma auf dem Platz, ehe er sich mit einer üblen Blut­grät­sche in den Fei­er­abend ver­ab­schie­dete.

Eben­falls nach zehn Sekunden runter musste Preston Edwards von Ebbs­fleet United. Nach einem abso­luten Kata­stro­phen­pass seines Ver­tei­di­gers griff Edwards zur Not­bremse und ver­schwand schimp­fend in der Kabine.

Platz 5: 8 Sekunden
Der Kurz­auf­tritt des däni­schen Zweit­liga-Fuß­baller Patrick Tronorg dau­erte kaum länger als das Lesen dieses Satzes. Bei der Begeg­nung zwi­schen Brönshöj und Sten­löse wurde Tronorg fünf­zehn Minuten vor dem Abpfiff ein­ge­wech­selt. Kaum war das Spiel wieder frei­ge­geben, gerieten er und sein Gegen­spieler unsanft anein­ander: Tronorg fuhr den Ellen­bogen aus, im Sta­dion ver­nahm man ein lautes Kna­cken. Die Folge: Rot wegen Tät­lich­keit. Zwi­schen dem Wie­der­an­pfiff und Tron­orgs Ell­bo­gen­check lagen acht Sekunden.

Platz 4: 3 Sekunden
Aber es geht wirk­lich noch viel, viel kürzer: Der Schotte David Pratt von Chip­penham Town FC aus der siebt­klas­sigen Sou­thern League in Eng­land foult fast schneller als sein eigener Schatten. Nach einem rüden Tack­ling kas­sierte er nach drei Sekunden den Frei­fahrts­schein in die Rekord­bü­cher.

Platz 3: 2 Sekunden
Dass es ein so genanntes Lan­guage Foul“ wirk­lich gibt, ahnte der wali­si­sche Ama­teur­fuß­baller Lee Todd wohl nicht, als er nach dem grellen Anpfiff des Schieds­ri­cher keifte: Fuck me, that was loud!“. Tick, Tack, Rot, nach zwei Sekunden – wegen Belei­di­gung. Ob Todd seitdem unter einem fie­penden Tin­nitus leidet, ist nicht bekannt.

Platz 2: 0 Sekunden
Den Rekord für die schnellste rote Karte halten gleich zwei Schnell­du­scher. Als erstes gelang das Künst­stück dem Jamai­kaner Walter The Pearl“ Boyd. In der Saison 1999/00 kau­erte er beim Viert­li­ga­duell seines Klubs Swansea City mit Dar­lington 88 Minuten auf der Bank, ehe ihn der Trainer doch noch brachte. Leicht über­mo­ti­viert stürmte Boyd auf das Feld und reihte sich bei einem Frei­stoß in die Mauer ein. Einen Rempler seines Gegen­spie­lers nahm Boyd aller­dings etwas zu per­sön­lich und schlug zurück. Bevor das Spiel wieder ange­pfiffen wurde, sah Boyd die rote Karte – nach null Sekunden.

Platz 1: 0 Sekunden
Dieses unmög­liche Kunst­stück wie­der­holte der Nordire Keith Gil­le­spie in Diensten von Shef­field United am 20. Januar 2007. Direkt nach seiner Ein­wechs­lung rammte er seinem Gegen­spieler Ste­phen Hunt unsanft seinen Ell­bogen ins Gesicht. Rot! Zwar war Gil­le­spie da schon stolze zwölf Sekunden auf dem Platz. Da das Spiel aber noch nicht wieder ange­pfiffen war, stand er sta­tis­tisch gesehen keine ein­zige Sekunde auf dem Spiel­feld. Glück­wunsch.