Spä­tes­tens an diesem Spieltag hat in der Bun­des­liga wieder ein Phä­nomen begonnen, zu dem sich in den Sta­dien des Landes außer den Zuschauern frei­lich nie­mand bekennt. Das Phä­nomen ist das Lein­wand-Schielen, offi­ziell bei Trai­nern wie Spie­lern ver­pönt, inof­fi­ziell essen­ti­elle Zweit­be­schäf­ti­gung wäh­rend der 90 Minuten. Denn auf dieser Lein­wand erscheinen alle paar Minuten alle Zwi­schen­stände der Liga sowie neu­er­dings auch diese wich­tige Blitz­ta­belle. Wäh­rend man früher noch mühsam kopf­rechnen musste, ob das eigene Ergebnis jetzt reicht oder nicht, ist nun mit einem ein­zigen Blick alles klar.

Aber wie gesagt: Offi­ziell ist diese Lein­wand meis­tens Neben­sache. Man kon­zen­triere sich nur auf sich selbst, lautet die Stan­dard­ant­wort aller Betei­ligten, wenn bei­spiels­weise die Schalker gefragt werden, ob sie nicht doch mal nebenbei, viel­leicht wenn der Ball im Aus war, geschaut haben, wie es beim SV Werder steht – dem schärfsten Kon­kur­renten im Kampf um den zweiten Tabel­len­platz, der für die direkte Cham­pions-League-Qua­li­fi­ka­tion für die kom­mende Spiel­zeit sorgt. Ich weiß noch gar nicht die Ergeb­nisse aus dem anderen Sta­dion“, sagte Schalkes Jer­maine Jones sogar nach dem Abpfiff.

Bremen ohne Diego

Für eine der wich­tigsten Infor­ma­tionen über das Spiel des Kon­kur­renten mussten die Schalker gar nicht warten, bis auf der Lein­wand das erste Mal die Spiel­paa­rung Bremen gegen Cottbus auf­blinkte. Bereits im Kabi­nen­gang bekamen sie mit, dass Werder ent­gegen der Pro­gnosen doch auf Regis­seur Diego ver­zichten musste. Diese Per­so­nalie wirkte sich auf das Bremer Spiel natür­lich aus. Zwar waren die Wer­de­raner die optisch über­le­gene Mann­schaft und erar­bei­teten sich auch deut­lich mehr Tor­chancen als die Außen­seiter aus der Lau­sitz, doch ins­ge­samt war das Fehlen des Bra­si­lia­ners und damit seiner feinen Geis­tes­blitze deut­lich zu merken.

So kam es, dass die Schalker Trainer, Spieler und Zuschauer auf ihrer Anzei­ge­tafel erst in der zweiten Hälfte mit einem neuen Ergeb­nis­stand aus Bremen kon­fron­tiert wurden: Der erst elf Minuten zuvor ein­ge­wech­selte Markus Rosen­berg traf um 16.54 Uhr zur 1:0‑Führung für die Nord­deut­schen. Zwölf Minuten später fla­ckerte es aller­dings erneut auf der Anzei­ge­tafel: Hugo Almeida voll­endete eine schöne Kom­bi­na­tion zum 2:0. Bre­mens Trainer Thomas Schaaf bewies dabei mal wieder ein gol­denes Händ­chen: Beide Tor­schützen brachte er nach dem Sei­ten­wechsel neu ins Spiel.

Nach klei­neren Anlauf­schwie­rig­keiten und langem Warten auf das Füh­rungstor hatten die Bremer also mit einem Dop­pel­schlag ihre Pflicht erle­digt und konnten sich darauf kon­zen­trieren, auf der Lein­wand das Spiel des Cham­pions-League-Platz-Kon­tra­henten FC Schalke zu ver­folgen.

Der letzte Faser des Schnür­sen­kels

Dort waren näm­lich aus Bremer Sicht durchaus posi­tive Neu­ig­keiten zu lesen. Bereits nach zehn Minuten ging Han­nover in Füh­rung. Der Nie­der­länder Arnold Brug­gink zog einen Schuss scharf aufs Tor, und Mike Hanke brachte wohl noch die letzte Faser seines Schnür­sen­kels an den Ball – und ließ sich als Tor­schütze zum 1:0 feiern, obwohl der Treffer schließ­lich doch Brug­gink gut­ge­schrieben wurde. Schalke agierte fortan nicht über­zeu­gend genug und kam ledig­lich noch zum 1:1‑Ausgleichstreffer durch Halil Alt­intop in der 40. Minute.

Danach tat sich auf der Lein­wand in Bremen zwar noch einiges, weil in Ham­burg, Berlin und Stutt­gart noch einige Treffer fielen – doch ein neuer Zwi­schen­stand aus Schalke war nicht dabei. Denn die Mann­schaft von Mike Büs­kens und Youri Mulder vergab einige gute Gele­gen­heiten. Damit liegen die Wer­de­raner drei Spiel­tage vor Schluss zwei Zähler vor dem Kon­kur­renten aus Schalke.