Seite 3: „Für das Finale im Europacup gegen Anderlecht musste ich die Schule schwänzen“

Eigent­lich wäre ich auf der Auto­bahn. So wie immer“

Detlev, 60
Allesfahrer DSF0670 WEB

Als es im März hieß, es dürften keine Fans mehr ins Sta­dion, konnte ich es erst über­haupt nicht glauben. Es wirkte sur­real. Der HSV sollte in Fürth spielen, da habe ich noch zum Spaß gesagt, dass ich mir dann eben einen Pres­se­aus­weis orga­ni­sieren und trotzdem hin­fahren würde. Die Partie wurde schließ­lich abge­sagt. Um ehr­lich zu sein, die Pause danach hat mir sogar ganz gut gepasst. Meine Freundin zog zu der Zeit gerade bei mir ein, und es musste einiges erle­digt werden. Am Tag des ersten Geis­ter­spiels musste ich arbeiten und dachte noch: Eigent­lich wäre ich jetzt auf der Auto­bahn, wie immer.

Die Lei­den­schaft für den HSV packte mich im Sommer 1974. Als die Saison nach der WM begann, fuhr ich regel­mäßig mit der U‑Bahn zur Geschäfts­stelle und kaufte Karten für meine Freunde und mich. Eine Schü­ler­karte kos­tete fünf Mark, ich habe das Geld immer aus­ge­legt. Meis­tens bekam ich es auch zurück, doch ich bin auch oft darauf sit­zen­ge­blieben. Ein Jahr später fuhr ich erst­mals mit zu einem Aus­wärts­spiel, anfangs unre­gel­mäßig, aber ab 1977 war ich bei jedem Spiel dabei. Für das Finale im Euro­pacup gegen Ander­lecht im selben Jahr musste ich die Schule schwänzen, das ging nicht anders, obwohl ich die Schule immer sehr ernst genommen habe.

Als ich meinen Füh­rer­schein hatte, habe ich meine beiden Brüder ein­fach mit ins Auto gesetzt und eben­falls infi­ziert. Von da an sind wir zusammen zu jedem Spiel gefahren. Nach dem Abitur war ich beim Bund, da musste ich manchmal ein biss­chen tricksen. Wäh­rend der Grund­aus­bil­dung hatte man um 22 Uhr auf der Stube zu sein, keine Aus­nahme. Einmal spielte der HSV unter der Woche zu Hause gegen Eind­hoven. Das Spiel begann um 20 Uhr, des­halb wollte ich nach der ersten Halb­zeit wieder zur Kaserne fahren. Wie der Zufall es wollte, war mein Auto aller­dings zuge­parkt, und ich kam nicht weg. Ich sah einen Poli­zisten in der Nähe und schil­derte ihm mein Pro­blem. Er hatte auch keine Ant­wort parat, bot mir jedoch seine Visi­ten­karte an: Zeig die deinem Chef. Wenn es Ärger gibt, soll er mich anrufen.“ Mir hat das eigent­lich ganz gut gepasst, so konnte ich die zweite Halb­zeit ja auch noch im Sta­dion ver­folgen. Nach dem Spiel kam ich natür­lich viel zu spät wieder zurück, am nächsten Morgen sollte ich dann zum Rap­port erscheinen. Ich gab meinem Vor­ge­setzten die Karte des Poli­zisten. Zu meiner großen Über­ra­schung beließ er es dar­aufhin bei einer Ermah­nung.

Aus der Not­auf­nahme direkt zum Spiel“

Carsten, 50
Allesfahrer DSF1092 WEB

Alles fing mit dem Pokal­sieg 1992 an. Seitdem habe ich jedes Pflicht­spiel von Han­nover 96 im Sta­dion gesehen. Einmal wäre die Serie fast gerissen. Vor einem Spiel gegen Ham­burg hatte ich hohe Blut­werte und kam in die Not­auf­nahme. Ich sollte übers Wochen­ende dort bleiben, aber das war nicht aus­zu­halten. Am Samstag habe ich mich ent­lassen und gesagt, ich käme am Montag wieder. Am fol­genden Wochen­ende spielte 96 in Bie­le­feld. Vom Kran­ken­haus waren das 50 Kilo­meter. Also habe ich gefragt, ob ich nach Hause darf, um fri­sche Kla­motten zu holen. Dann bin ich zum Spiel und von dort direkt wieder ins Kran­ken­haus.

Tat­säch­lich gerissen ist meine Serie am 23. Mai gegen Osna­brück. Mein Team nur im Fern­sehen zu ver­folgen, kann ich nicht ab. Am vor­letzten Spieltag bin ich sogar bis nach Aue gefahren, weil ich es nicht mehr aus­hielt. Ich kannte das Sta­dion und wusste, dass ich durch den Gäs­te­ein­gang beide Tore sehen kann. Ich habe nicht viel vom Spiel mit­be­kommen, aber konnte immerhin ein biss­chen Sta­di­onluft schnup­pern. Zurück im Sta­dion war ich am ersten Spieltag der neuen Saison. Es war ein Schock, dass nur 500 Zuschauer und auch nur VIP-Gäste erlaubt wurden. Laut 96-Home­page kos­tete das güns­tigste VIP-Ticket 3000 Euro, denn die gibt es nur für alle Heim­spiele. Um im Sta­dion zu sein, habe ich sie gekauft.