Seite 3: Persija soll es gut gehen

Am Bus steht Luthfi Ryan. Er trägt Trai­nings­jacke, Brille und Bart. Er ist kräf­tiger als die anderen und der Orga­ni­sator der Tour. Auf einem Zettel hat er die Namen der Mit­rei­senden ver­merkt und ruft sie nun nach­ein­ander auf. 300 000 Rupiah kostet das Paket aus Reise, Ver­pfle­gung und Ein­tritts­karte, das sind etwa 18 Euro, eine Stange Geld für jemanden, der nor­ma­ler­weise 50 oder 60 Cent für ein Abend­essen aus­gibt. Keine Sorge“, sagt Luthfi, wir werden heute Nacht von der Polizei eskor­tiert.“ Bis nach Sura­karta? Ja!“

Luthfi ist 20 Jahre alt und arbeitet in einem Copy­shop. Wenn man ihn fragt, was seine Wün­sche für die Zukunft sind, sagt er, Per­sija solle es gut gehen. Die west­liche Kultur und den euro­päi­schen Fuß­ball kennen er und seine Freunde aus dem Internet oder aus Filmen. Sie finden die Ultras von Gala­ta­saray gut, inter­es­sieren sich für Fan­kultur aus Ita­lien und Argen­ti­nien. Aber vor allem lieben sie Eng­land. Bands wie die Stone Roses oder Oasis und den Look der Casuals, den Hoo­ligan-Chic der acht­ziger Jahre. Sie haben Filme wie Green Street Hoo­li­gans“ oder Away­days“ gesehen und tragen die glei­chen Logos wie die Prot­ago­nisten mit Stolz am Revers: Sergio Tac­chini, Fila, Adidas. Auch des­halb erscheint ihre Gruppe an diesem Ort wie ein rie­siger asia­ti­scher Markt, auf dem die Kopien euro­päi­scher Sub­kul­turen feil­ge­boten werden. Dabei scheint es bei­nahe egal, wie das Ori­ginal aussah, oder dass sich ihre Refe­renzen auf eine Zeit beziehen, die lange vorbei ist. Es geht um den Style, die mas­ku­line Pose, aus­ge­schnitten aus den rauen Acht­zi­gern, ein­ge­klebt ins Jakarta der Gegen­wart.

No one like us, we don’t care. We are Per­sija!“

Ein Junge zeigt Face­book-Bilder der Per­sija-Hoo­li­gans, die sich Tiger Bois“ nennen und natür­lich ober­kör­per­frei vor der Kamera posieren, die Gesichter sind ver­pi­xelt. So wie sie es bei euro­päi­schen Banden gesehen haben. Die Inter City Firm ist die här­teste Gang, oder?“, fragt einer, der ein Shirt trägt, auf dem Forever Blo­wing Bub­bles“ steht. Später kommt ein Junge dazu, auf dessen Hemd der Satz prangt: No one like us, we don’t care. We are Per­sija!“ West Ham und Mill­wall statt Paris Saint-Ger­main und Real Madrid. Ack­er­ro­mantik statt Fami­li­en­block.

Wenn in den ver­gan­genen Jahren im Westen über indo­ne­si­schen Fuß­ball gespro­chen wurde, ging es meist um Themen wie Spiel­ma­ni­pu­la­tionen, Kor­rup­tion oder den Fifa-Aus­schluss 2015, nachdem sich die Politik in den Fuß­ball ein­ge­mischt hatte. Zuletzt sorgte der Transfer des ehe­ma­ligen Chelsea-Spie­lers Michael Essien zu Persib Ban­dung für Auf­sehen. Aber sonst? Spielen die Indo­ne­sier nicht lieber Bad­minton? In Wahr­heit leben in Indo­ne­sien die fuß­ball­ver­rück­testen Men­schen Asiens. Selbst China, wo angeb­lich gerade ein Fuß­ball­wun­der­land ent­steht, wirkt im Ver­hältnis dazu blass. Der Fuß­ball­boom in Indo­ne­sien begann mit Über­tra­gungen der Serie A in den Neun­zi­gern, danach eroberten die eng­li­schen und spa­ni­schen Ver­eine das Land. Klubs wie Real Madrid und Juventus Turin haben mitt­ler­weile Web­sites in der Lan­des­sprache Bahasa Indo­nesia, der indo­ne­si­sche Fan­klub von Man­chester United zählt über 31 000 Mit­glieder und hat 114 Chapter im Land.

Und dann sind da noch die ein­hei­mi­schen Ligen, inter­na­tional kaum beachtet, qua­li­tativ auf deut­schem Dritt­li­ga­ni­veau, aber im Land selbst, trotz aller Skan­dale, mit einer unge­bro­chenen Strahl­kraft. Noch ein paar Super­la­tive: 1985 strömten 150 000 Zuschauer zum Finale der natio­nalen Ama­teur­liga ins Gelora-Bung-Karno-Sta­dion. Heute kommen selbst zu Spielen eines Zweit­li­gisten wie PSS Sleman regel­mäßig über 30 000 Fans. Und der Erst­li­gist Persib Ban­dung ist mit knapp zehn Mil­lionen Face­book-Fol­lo­wern der belieb­teste Fuß­ball­verein in ganz Asien.