Die gute Nach­richt vorab: Olli Bier­hoff und das Tatort“-Team sind wieder Freunde. Hatte sich unser Goldlöck­chen beim letzten fuß­ball­be­zo­genen Fall noch bitter dar­über beschwert, dass die Macher eine regel­rechte Schmutz­kam­pagne gegen seine Familie“ insze­nierten, weil man sich erdreistet hatte, in einem Dialog auf den ein oder anderen Homo­se­xu­ellen im deut­schen Natio­nal­team hin­zu­weisen, so dürfte bereits im Vor­feld des Lud­wigs­ha­fener Falls Im Abseits“ schon wieder das ein oder andere Händ­chen geschüt­telt worden sein. 

Den Tatort-Auf­tritt der DFB-Füh­rung im Daum­kino gibt es hier »>

Immerhin geht es um die WM im eigenen Land, ein zweites Som­mer­mär­chen, das pas­sen­der­weise auch noch per Spot vor­an­ge­stellt wurde. So also durfte sich der DFB-Chef­ho­tel­bu­cher neben Jogi Löw, Theo Zwan­ziger, Steffi Jones und Celia Okoyino da Mbabi über eine gemein­same Gast­rolle freuen, die Berti Vogts‘ Brand­rede Ich rieche Gas“ im Nu ver­gessen ließ und mit dem ful­mi­nanten Lass uns nach Epp­heim fahren!“ sogar einen Satz für die TV-Ewig­keit in Stein mei­ßelt. Erste Pass, gleich Scheiße“, so hat Dra­goslav Ste­pa­novic einst seinen Ein­stand beim Trai­ner­come­back in Frank­furt zusam­men­ge­fasst – dem Dreh­buch von Im Abseits“ scheint dieses Bonmot von Anfang an indes eine Art Leit­motiv zu sein. 

Alle Infos zur anste­henden Frauen-WM findet ihr auf www​.11freun​dinnen​.de

Das Lud­wigs­ha­fener Ermitt­ler­team Kopper/​Odenthal gilt Fans ohnehin als eine Art Vor­hölle, für das aus aktu­ellem Anlass gewählte Thema Frau­en­fuß­ball hat man aber lieber gleich einen veri­ta­blen Pakt mit dem Teufel geschlossen, anders ist der Amok­lauf von Epp­heim im Fol­genden nicht zu erklären: Kopper ist der Macho, der Frau­en­fuß­ball all­ge­mein in der (Männer-)Kreisklasse ver­ortet. Oden­thal die ver­ständ­nis­volle Ver­fech­terin, die ihre Gunst nach dem Leis­tungs­prinzip ver­teilt. Manager Mein­gast ver­kör­pert als moderner Fuß­ball­kauf­mann alles Böse im Pro­fi­ge­schäft und Platz­wart Ren­nert ist ein Fuß­ball­ro­man­tiker, dem die Seele des Sports heilig ist. Rollen also, die man nicht ein­di­men­sio­naler und kli­schee­be­la­dener hätte kon­zi­pieren können. 

Der Amok­lauf von Epp­heim

Immerhin hat der Autor (Jürgen Werner, so viel Zeit muss sein) aber seine per­sön­li­chen Top 10-Fuß­ball­ste­reo­typen unter­bringen können: Vom Tri­kot­tausch“ bei den Frauen über die Bier und Bratwurst“-Rede von Kopper bis zum Runden, das in das Eckige muss, wird alles sorg­fältig abge­hakt. Dazu Glück­wunsch. Glück­wunsch auch für all die unter­schwel­ligen Sexismen, die man eben nur scheinbar auf­deckt, in dem man sie so wun­derbar offen und ehr­lich the­ma­ti­siert: Im Frau­en­fuß­ball, so lehrt uns die junge Deutsch-Türkin Fadime, ist es eben doch der heim­liche Wunsch jeder Spie­lerin, die Kar­rie­re­leiter zumin­dest so her­auf­zu­klet­tern, dass man ihr von unten unter den Rock gucken kann. Aber damit wird Olli Bier­hoff leben können, immerhin ging es nicht gegen seine Jungs.

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Unser Autor Peter Flore ist Redak­teur unserer Leib- und Magen-Musik­ma­ga­zins Intro und ist dort unter anderem Online-Chef der wun­der­vollen Seite www​.intro​.de, wo er jeden Mon­tag­morgen auf den Tatort vom Vor­abend zurück­blickt.