Dieses Inter­view mit Uli Hoeneß erschien in 11FREUNDE #131. Das Heft ist hier bei uns im Shop erhält­lich.

Der Pate sitzt auf der Son­nen­ter­rasse einer Wirt­schaft und schaut ver­gnügt, wie drüben überm Tegernsee ein Regen­bogen erscheint. Das Inter­view ist vor­über und Hoeneß hat eine Runde Schnitt für alle bestellt. Sein Sohn Flo­rian gesellt sich dazu. Der Flori“ hat vor einiger Zeit die Lei­tung der Hoe­neß­schen Wurst­fa­briken über­nommen. Dem Unter­nehmen, mit dem der Bayern-Präses par­allel zu seinem Job im Fuß­ball ein Ver­mögen gemacht hat.

Hoeneß fragt nach dem Stel­len­wert der Ber­liner Cur­ry­wurst

Als das Bier an den Tisch kommt, dreht sich das Gespräch. Nun geht es um Fleisch. Ist die Cur­ry­wurst in Berlin immer noch so ange­sagt? Wusstet Ihr, dass gerade Kinder die Nürn­berger sehr mögen? Da ham’s was Ganzes,“ sagt Flo­rian Hoeneß. Die hand­liche Wurst, ein­ge­rollt in ein Kle­enex“, da müssten die Eltern nix mehr klein­schneiden. Prak­tisch sei das und es mache die Kleinen stolz. Die Hoeneß-Wurst, ein kleiner Schritt auf dem Weg zum Erwach­sen­werden. Der Junior erzählt , wohin HoWe Wurst­waren“ in Berlin inzwi­schen überall lie­fert. Die Cur­ry­wurst bekommt Kon­kur­renz. Da fragt der Vater bei­läufig, ob ein bestimmter Kunde dort oben in Haupt­stadt denn nun auch bestellt habe. Die stahl­blauen Augen blitzen. Und kurz erwacht im ent­spannten Ant­litz des Patri­ar­chen ein Hauch von Abtei­lung Attacke“. Als Flori“ bejaht, nippt Hoeneß zufrieden an seinem Bier­glas. Ein kleiner Sieg am Nach­mittag in einem Leben, in dem es schon immer ums Gewinnen geht.

Die Kell­nerin tritt an den Tisch und fragt, ob wir was essen möchten. Mögt’s ihr a Würschtl?“, fragt Hoeneß. Wie könnten wir nach so einer Anmo­de­ra­tion ablehnen? Das Gespräch hat Appetit gemacht. Doch die Wirt­schaft hat keine Nürn­berger mehr da. Flori, lauf mal schnell“, sagt der Vater. Und der Sohn macht sich auf den Weg den Hügel hinauf. Die Wirt­schaft liegt nur einen Stein­wurf ent­fernt von dem Haus, in dem Uli Hoeneß mit Frau und Hund wohnt. Der Ort, an dem er seit seinem Rück­tritt als Mana­gers des FC Bayern die meiste Zeit ver­bringt. Ein, zwei Mal fährt er in der Woche noch an die Säbener Straße. Aber was soll er da groß­artig? Das Tages­ge­schäft erle­digen jetzt andere für ihn. Und über­haupt, die Leute wissen doch, wo sie ihn errei­chen. Sein Büro im Bayern-Haupt­quar­tier nimmt Anfragen ent­gegen und wenn der Prä­si­dent draußen auf seinem Hügel am Tegernsee Lust ver­spürt, dann meldet er sich eben. Auf seinem Handy – einem Modell aus den Mill­en­ni­um­jahren – gingen zwar ständig SMS ein, sagt er. Aber wenn der Spei­cher voll sei, dann bim­mele es. Und ich lösche die SMS ein­fach weg – ohne sie gelesen zu haben.“

Brezen?! Kraut?! Brat­kar­tof­feln?!“

Nach ein paar Minuten kehrt Flori“ zurück. Die Kell­nerin fragt, welche Bei­lagen gewünscht seien. Uli Hoeneß sagt: Brezen?! Kraut?! Brat­kar­tof­feln?! Alles, was ihr da habt!“ Eine rie­sige Pfanne mit Nürn­ber­gern wird auf­ge­tragen. Ein baro­ckes Mahl vor dem Regen­bo­gen­pan­orama. Über Uli Hoeneß meint man vieles zu wissen: Dass er ein Mann sei, auf dessen Wort man sich ver­lassen könne. Dass hinter der Fas­sade der stetig damp­fenden Bayern-Lok kein kühler Geschäfts­mann lauert, son­dern einer, bei dem der Mensch im Mit­tel­punkt steht. Eine große Qua­lität des Uli Hoeneß ist offenbar auch seine lei­den­schaft­liche Gesel­lig­keit. Es gibt diese Geschichte, dass er auf Meis­ter­feiern, wenn die meisten schon längst nach Hause gegangen sind und der Rot­wein lustig plät­schert, für den Rest der Fei­er­meute Back­bleche voll mit Spie­gel­eiern ordert.

Es werden wei­tere Biere auf­ge­tragen. Gläser klirren. Der Senf-Tiegel wan­dert über den Tisch. Die Themen gehen wild durch­ein­ander. HSV. Cur­ry­wurst. Ribéry. Und wäh­rend andere Fleisch-Fabri­kanten längst Vege­ta­rier sind, genießt Uli Hoeneß seine Würschtl. Eine nach der anderen. Kein Zweifel, dieser Mann ist ein Über­zeu­gungs­täter. Wie er da sitzt im blü­ten­weißen Hemd und mit roter Hose. Bayern-Style. Er sagt, das sei jetzt keine Absicht, die Kla­motten habe er ges­tern beim Golfen mit Franz Becken­bauer ange­habt, da habe er sie heute ein­fach noch einmal ange­zogen. Will er damit sagen, dass sich Becken­bauer und er aus­schließ­lich in Ver­eins­farben zum Golfen treffen?

Uli Hoeneß sitzt auf seinem Hügel, unter ihm der See und hin­term Hori­zont all die Pro­bleme, die der Rekord­meister nun ohne ihn lösen muss. Eigent­lich müssten wir all unsere Fragen Karl-Heinz Rum­me­nigge stellen, der sei doch nun fürs ope­ra­tive Geschäft ver­ant­wort­lich, sagt er. Nur ab und an, da könne er nicht anders, da müsse er einen Sta­chel setzen. Sagt er – in diesem Herbst 2012. Sollte die neue Genera­tion glauben, dass er als Chef des Auf­sichtsrat nur noch dazu da sein, um die Anwe­senden zur Sit­zungen zu begrüßen, hätten sie sich getäuscht.

Vor ihm steht ein großer Teller mit Kraut, Brat­kar­tof­feln und Würsch­teln. Uli Hoeneß wischt sich den Bier­schaum vom Mund und schaut hin­über auf den Regen­bogen. Und als es später Zeit zum Auf­bruch wird, sagt er: Flori“, halb seinem Sohn halb uns zuge­wandt, die Herr­schaften müssen los. Ruf drüben an, sie können die Laser­strahlen jetzt wieder aus­stellen.“