Ein jeder Ama­teur-Fuß­baller, der mal etwas gewinnen konnte, sei es das ört­liche Hal­len­tur­nier oder die Kreis­liga, kennt sie: Die Vor­freude auf das rau­schende Fest. Dieses malt man sich ein ums andere Mal in den eigenen Träumen aus, man sieht sich von Fans auf Händen durch die Straßen des Hei­mat­orts getragen, man sieht eine wilde, lange Par­ty­nacht, man sieht Bier- und Cham­pa­gner­du­schen, eksta­ti­sche Freude und jubelnde Massen. Die Bilder von Liver­pools Stadt­rund­fahrt nach dem Cham­pions-League-Sieg mit 750.000 Fans, Dort­munds Sausen am Bor­sig­platz oder Auf­stiegs­partys des SC Pader­born nimmt man sich zum Vor­bild. 

Die Rea­lität sieht hin­gegen oft anders aus. Getrunken wird zwar wie blöde und auch, dass es keinen Cham­pa­gner gibt, son­dern den bil­ligsten Sekt aus dem ört­li­chen Super­markt, stört nicht wirk­lich. Aber das mit dem auf Händen getragen werden – bezie­hungs­weise gene­rell die The­matik mit den Fans – stellt sich oft pro­ble­ma­tisch dar. Fans sind nicht wirk­lich vor­handen. Die meisten Zuschauer sind eigent­lich Familie und Freunde. Tri­bünen gibt es gar nicht. So bleibt es meis­tens bei der typi­schen Humba, Humba, Täterä“-Einlage auf dem Platz, danach geht es in der glei­chen Runde, in der sowieso immer gefeiert wird, in die immer glei­chen Loka­li­täten. Viel­leicht etwas eupho­ri­scher als sonst. Die große Bühne, die man sich erhofft und eigent­lich auch ver­dient hätte, bleibt aber zumeist aus. 

4000£ für die größte Feier

Diesem Pro­blem sah sich in Eng­land auch der FC Duckpond aus­ge­setzt und trat dem mit radi­kalen Mitten ent­gegen. Genauer gesagt: mit einer Menge Kohle. Satte 4000 Pfund legte Spie­ler­trainer Michael Ham­mond auf den Tresen, um für seine Spieler die größt­mög­liche Party ver­an­stalten zu können.

Der Verein spielt in der Region Essex im Norden Lon­dons. Seit der Grün­dung im Jahr 2011 konnte die Mann­schaft ins­ge­samt dreimal die lokale Meis­ter­schaft gewinnen. Dieses Jahr gewann sie 15 ihrer 16 Spiele, zusätz­lich noch den Pokal. Die dies­jäh­rige Saison stellt zumin­dest in sport­li­cher Hin­sicht den Maxi­ma­ler­folg dar, weil der FC Duckpond im Sunday League“-System Eng­lands nicht mehr auf­steigen kann und längst in der höchsten Ama­teur­liga ange­kommen ist. Durch das Double ist das Team nun das erfolg­reichste der Region, zumin­dest bezeichnet man sich im Norden Lon­dons selber so. Grund genug, um mal so richtig abzu­feiern.

Wir wollten der Welt zeigen, dass wir gewonnen haben“

Die 4000 Pfund flossen nicht nur in ein Flug­zeug, wel­ches ein Duckpond-Banner hinter sich herzog, in jede Menge Alkohol und in Pla­kate, die quer durch die Stadt ver­teilt waren, son­dern vor allem in einen Dop­pel­de­cker-Bus mit offenem Dach. Eben genau so einen, wie ihn der FC Liver­pool bei seiner Feier hatte.

Auf dem mit Ban­nern behan­genen Bus fuhr die Mann­schaft durch die ganze Stadt, fei­erte sich selbst, spritzte mit Cham­pa­gner um sich, sang Lieder. Wie die ganz Großen. Dass die Straßen größ­ten­teils leer waren und nur einige belus­tigt zurück winkten? Völlig egal. Dieser Tag war ihr Tag, so begründet auch Besitzer Micheal Ham­mond die Feier: Wir wollten der Welt zeigen, dass wir gewonnen haben.“ Man sehe, sagt Ham­mond außerdem, dass es nicht immer um das Niveau des Fuß­balls gehe, son­dern auch und vor allem um die Lei­den­schaft und das Enga­ge­ment der Men­schen. Das Enga­ge­ment wollte der Spie­ler­trainer, der auch Gründer des Ver­eins ist, belohnen. Und wie ginge das besser als mit der wahr­schein­lich größten Ama­teur-Meis­ter­feier, die die Welt je gesehen hat?