Es gehört zum guten Ton im deut­schen Fuß­ball, dass man dem FC Bayern Mün­chen Gegen­tore und Nie­der­lagen wünscht. Oder zumin­dest ab und an einen Stol­per­stein, einen kräf­tigen Schubser, der den Rekord­meister und alle, die es mit ihm halten, mal kurz vom Sockel stößt. Dieser Klub ist ein­fach zu erfolg­reich, zu reich, zu Bayern.

Hohn und Spott? In der Bun­des­liga auf jeden Fall

Dieser gute Ton klingt vor allem dann glo­cken­hell, wenn es um die Bun­des­liga geht. Was würde der Rest der Liga für eine Party feiern, wenn es die Bayern dank einer Kata­stro­phen­saison mal nicht auf den Thron, ja, nicht mal unter die ersten Sechs schaffen würde? Hohn und Spott würde die Säbener Straße fluten und die kom­menden zehn Meis­ter­schaften ein wenig erträg­li­cher machen. Das Los des Klas­sen­besten.

Aber in der Cham­pions League? Wo der FC Bayern spä­tes­tens ab der Grup­pen­phase nicht mehr nur der FC Bayern ist, son­dern die Speer­spitze des deut­schen Ver­eins­fuß­balls? Das beste Pferd im Stall, Retter der Fünf-Jahres-Wer­tung und vor allem: die Aus­sicht auf viele groß­ar­tige Euro­pa­pokal-Abende? Hier wün­schen sich nur noch die Hard­core-Bay­ern­hasser kra­chende Nie­der­lagen schon im Ach­tel­fi­nale.

Wer will wirk­lich Schürrle sehen?

Eine Szene aus einem Ber­liner Wohn­zimmer am gest­rigen Abend, stell­ver­tre­tend für viele tau­send andere deut­sche Wohn­zimmer und Kneipen mit Zuschauern, die es grund­sätz­lich nicht mit den Mün­che­nern halten: Beim frühen 0:1 durch Paul Pogba noch Geki­cher und Häme, ver­mischt mit Vor­freude auf einen nun begin­nenden Vollgas-Fuß­ball made by Pep Guar­diola. Nach dem 0:2: Erstaunen, Rest-Geki­cher und erst­mals Gedanken, die man sich so vorher ein­fach nicht gemacht hatte. Was, wenn die tat­säch­lich aus­scheiden? Gegen Juve? Im Ach­tel­fi­nale? Den VfL Wolfs­burg in unsere Euro­pa­pokal-Gebete auf­nehmen? Voller Vor­freude daran denken, wie André Schürrle das Tor zum Halb­fi­nale ganz weit auf­stößt?