Seite 4: Der teuerste deutsche Spieler

Die Jazz­musik im Brei­den­ba­cher Hof“ an der Königs­allee ist mitt­ler­weile ver­klungen, weih­nacht­liche Klänge domi­nieren. Mus­tafa Özil erzählt vom Königs­transfer zu Arsenal. Pri­vatjet am Freitag. Ver­hand­lungen in Man­chester, dann in Paris. Samstag nach Mün­chen, ins Hotel Vier Jah­res­zeiten “. Die Ver­ant­wort­li­chen von Arsenal kamen nach. Anruf bei Dr. Müller-Wohl­fahrt.

Medi­zin­check am Montag. Sonntag Mesut ein­fliegen lassen. Anruf bei Bier­hoff, Mesut kommt später zur Natio­nalelf. Mon­tag­abend alles klar. Mesut Özil zu Arsenal. 50 Mil­lionen Euro Ablöse. Mus­tafa Özil lehnt sich zurück. Selbst sein Sohn war über­rascht, wie schnell alles ging. Und viel besser als er konnte wohl kein Spieler bei Arsenal starten.

Der Bruder ersetzt den Vater

Er traf, berei­tete vor, trickste. Beim 4:1- Sieg gegen Nor­wich schoss er die Gun­ners mit zwei Toren zum Sieg. Das Sta­dion sang selig zur Melodie eines alten Weih­nachts­klas­si­kers: Wal­king in a Özil Won­der­land“. Einige Tage zuvor hatte er auf einem anderen Gebiet eine Ent­schei­dung von großer Trag­weite gefällt. In einer Nie­der­schrift vom 10. Oktober 2013 teilte er als allei­niger Gesell­schafter der Özil Mar­ke­ting GmbH“ mit: Die Bestel­lung des Herrn Mus­tafa Özil zum Geschäfts­führer wird mit sofor­tiger Wir­kung wider­rufen.“ Mesut Özil setzte seinen Vater ab.

An dessen Stelle trat nun der ältere Bruder. Mutlu Özil, 28 Jahre alt, wurde Mesut Özils Berater. Zuvor war er bei den Ver­hand­lungen eher weniger in Erschei­nung getreten. Inter­views hat er in neuer Funk­tion bis­lang auch noch nicht gegeben, bei Nach­fragen meldet sich Erkut Sögüt und sagt: Viel­leicht in drei Monaten.“ Sögüt war mit Vater Özil erst im Februar bei der Ver­mitt­lungs­agentur ein­ge­stiegen. Am 14.10. wurde er dort abbe­rufen, blieb aber bei der Özil Mar­ke­ting GmbH“. Eine bemer­kens­werte Per­so­nal­ro­chade nur einen Monat nach dem mil­lio­nen­schweren Wechsel zu Arsenal, die etwa die Frage auf­werfen könnte, wohin wohl die Pro­vi­sion für den Rekord­transfer im Sommer fließt. Auch hierbei geht es wohl um einige Mil­lionen Euro, als bran­chen­üb­lich gelten zehn Pro­zent der Ablö­se­summe.

Napo­leon auf St. Helena

Das Büro der Özil Mar­ke­ting GmbH“ liegt am Ende der Königs­allee, gar nicht so weit vom Brei­den­ba­cher Hof“ ent­fernt, in dem Mus­tafa Özil emp­fängt. Und doch ist das Hotel wie St. Helena für Napo­leon. Der Senior bewegt die Gläser auf dem Tisch. Er spricht über sich. Viele schielen, sind nei­disch. Dieser Mann hat den Trans­fer­re­kord geknackt.“ Und doch ist er nicht mehr im Geschäft, vom Karus­sell gefallen, das sich zuletzt immer schneller gedreht hat.

Es gibt viele Gründe für Mesut Özils Erfolg und Popu­la­rität. Zunächst: Er ist ein her­aus­ra­gender Fuß­baller. Dazu ein deut­scher Natio­nal­spieler mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund. Keine Skan­dale, kein Laut­spre­cher. Ein gläu­biger Moslem. Ein Star bei den inter­na­tio­nalen Top­teams Real Madrid und Arsenal, Ver­eine also mit Fans auf der ganzen Welt, selbst in Ozea­nien. Sehr viele Men­schen haben im Laufe der Jahre Özils Poten­tial ent­deckt. Nicht nur jenes auf dem Fuß­ball­platz.

Auf Özils Home­page läuft ein Zähler seiner Kar­riere: 374 Spiele, 153 Vor­lagen, 66 Tore. Beein­dru­ckende Zahlen für einen Fuß­baller. Seit März 2013 hat Özil in neun Monaten fünf Mil­lionen neue Face­book-Freunde und über drei Mil­lionen neue Fol­lower bei Twitter dazu­ge­wonnen. Beein­dru­ckende Zahlen für eine Welt­marke. Welche sind wich­tiger?