Seite 3: Real und die Özil-Firmen

Mit dem Wechsel zu den Madri­lenen stieß der Mit­tel­feld­spieler noch einmal in neue Sphären vor. Zunächst unter finan­zi­ellen Gesichts­punkten: Im internen Ver­diens­t­ran­king der Real-Aus­wahl soll er sich vom ersten Tag an auf Platz drei befunden haben. Doch es bedurfte langer Ver­hand­lungen bei der Frage der Rücken­nummer, Özil favo­ri­sierte die Nummer 10. In einem Verein wie Real Madrid ist die Num­mern­ver­gabe eine Staats­an­ge­le­gen­heit, über die die obersten Herren befinden und für die Mit­spieler ihr Plazet abgeben müssen.

Die 10“ bei Real – ein Sta­tus­symbol wie für Models die Lager­feld- Beklei­dung. Noch heute unter­zeichnet Mesut Özil seine Inter­net­ein­träge mit dem Kürzel M1Ö. Die Kom­bi­na­tion aus Rücken­nummer und Initialen hatte bereits Cris­tiano Ronaldo mit CR7“ als Mar­ken­zei­chen für sich ent­deckt. An der Seite des Super­stars ent­wi­ckelte sich Özil in Madrid zu einem inter­na­tio­nalen Top­spieler, er holte den spa­ni­schen Pokal und die Meis­ter­schaft.

Als Stamm­kraft von Real Madrid strahlte er end­gültig auf den glo­balen Markt aus. Die Zeiten, in denen er in Nutella-Spots auf­trat, sind vorbei, ent­schied sein Umfeld. Nun sollten lang­fris­tige Part­ner­schaften mit Welt­firmen ein­ge­gangen werden, dar­unter auch Pepsi. 100 Mil­lionen Euro wollte der Geträn­ke­kon­zern in eine welt­weite Kam­pagne inves­tieren, und Özil sollte eine der ent­schei­denden Wer­be­fi­guren sein. Die Zusam­men­ar­beit soll dann aber am Veto von Mus­tafa Özil geschei­tert sein. Der Vater hatte schon lange geplant, mehr Ein­fluss auf die Geschicke seines Sohnes zu nehmen.

Krach um die Özil Sport­ma­nage­ment GmbH

Im Juli 2011 setzte er Reza Fazeli als Berater ab und über­nahm selbst das Manage­ment. Ich war schon immer an den wich­tigsten Ent­schei­dungen betei­ligt oder habe sie getroffen“, gab er zu Pro­to­koll. Fazelis Pro­kura in der Özil Mar­ke­ting GmbH“ erlosch, die Firma bezog ein neues Büro in der Königs­allee.

Mus­tafa Özil hatte nun wieder einmal viele Bau­stellen. Unter anderem den Kauf sämt­li­cher Inter­net­adressen, die mit dem Namen Mesut Özil zu tun hatten. Die ein- gän­gigen Anlauf­stellen im Netz waren der Schlüssel zu neuen Märkten, neuen Ver­mark­tungs­mög­lich­keiten.

Bis dahin waren etwa auf der Domain mesuto​ezil​.com ledig­lich wirre Yahoo-News ein­ge­laufen. Ange­meldet hatte die Seite ein Mann in Chi­cago, der wei­tere Seiten wie wife​finder​.com im Angebot hatte. Der Handel mit Inter­net­adressen ist eine lukra­tive Sache. Allein für die Rechte an mesuto​ezil​.com sollen Summen im fünf­stel­ligen Bereich gefor­dert worden sein. Im Februar 2013 grün­dete Özil Senior die Özil Sport­ma­nage­ment GmbH“, die sich auch um die Ver­mitt­lung von Spie­ler­trans­fers küm­mern sollte. Vom Stamm­ka­pital in Höhe von 50 000 Euro brachte er 49 500 Euro ein. Den Rest steu­erte Erkut Sögüt bei, ein Unter­nehmer, vor allem aber ein lizen­zierter Spie­ler­ver­mittler. Die beiden sollten nur acht Monate zusam­men­ar­beiten.

Mus­tafa Özil gegen Flo­ren­tino Perez

Schon im April traf Mus­tafa Özil im Rahmen des Cham­pions-League-Spiels zwi­schen Gala­ta­saray und Real Madrid auf Flo­ren­tino Perez, den starken Mann bei Real. Er dis­ku­tierte heftig mit dem Prä­si­denten, es ging um die aus seiner Sicht geringe Wert­schät­zung für seinen Sohn. Eine Mei­nungs­ver­schie­den­heit, die nur vier Monate später nicht mehr hinter ver­schlos­senen Türen aus­ge­tragen wurde.

Mesut Özil hatte sich im August gerade öffent­lich zu einem Ver­bleib bei Real bekannt. Der Treue­schwur wurde aller­dings nicht erwi­dert, Madrid wollte, um dem Medi­en­hype um Bar­ce­lonas Neymar etwas ent­ge­gen­setzen zu können, den Waliser Gareth Bale für knapp 100 Mil­lionen Euro von Tot­tenham ver­pflichten.

Als der schließ­lich mit viel Pomp im Ber­nabeu vor­ge­stellt wurde, skan­dierten die Fans: Özil no se vende – Ver­kauft Özil nicht!“ Doch der befand sich bereits auf dem großen Ver­schie­be­bahnhof des inter­na­tio­nalen Fuß­balls. Und Mus­tafa Özil hatte schon wieder eine Bau­stelle.