Mesut Özil steht im Jeans­hemd und mit beige­far­bener Hose auf einem weißen Trep­pen­auf­gang.
Er spreizt die Finger. Er lächelt.

Ein ganz nor­males Bild. Dar­unter teilt Özil mit, dass er alles tue, um fit zu werden für das Spiel gegen Mar­seille. Am 25.11.2013 wird das Foto online gestellt. Binnen kurzer Zeit kli­cken Zehn­tau­sende beim sozialen Netz­werk Face­book auf den Gefällt mir“- Button, über 700 User geben einen Kom­mentar ab. Özils Wiki­pedia-Ein­trag wird dop­pelt so häufig wie am Tag zuvor auf­ge­rufen. Die Zahl derer, die ihm beim Kurz­nach­rich­ten­dienst Twitter folgen, erhöht sich inner­halb von 24 Stunden um meh­rere tau­send.

Es ist ein ganz nor­maler Tag in der Welt des Mesut Özil. Es ist der Wahn­sinn.

Özil gilt der­zeit als einer der besten deut­schen Fuß­baller, viel­leicht ist er der beste, messbar ist das nicht. Dafür gibt es andere Zahlen: Für keinen deut­schen Profi wurde je solch eine hohe Ablö­se­summe gezahlt wie jene 50 Mil­lionen Euro, die Arsenal im Sommer 2013 an Real Madrid über­wies. Kein anderer deut­scher Fuß­baller hat so viele Anhänger im Internet. 14 Mil­lionen Freunde auf Face­book, 4,5 Mil­lionen Fol­lower auf Twitter. Er ist der deut­sche Spieler mit den höchsten pri­vaten Wer­be­ein­nahmen. Bis zu vier Mil­lionen Euro pro Jahr, schätzt eine Studie des Han­dels­blatts“. Özil spielt in einer anderen Liga, viel­leicht als Fuß­baller, sicher aber als Wer­be­figur, als Marke.

Die zweit­meisten Fol­lower kommen aus Indo­ne­sien

Wer begreifen will, wie die Maschine funk­tio­niert, die einen Welt­star betreut und sein Image in klin­gende Münze ver­wan­delt, muss bei den sozialen Netz­werken beginnen und bei dem, der Özils Auf­tritt dort orches­triert. Mesut Özil ist mit Sicher­heit der ›inter­na­tio­nalste‹ aller deut­schen Fuß­baller“, sagt Roland Eitel. Seine Agentur orga­ni­siert die Öffent­lich­keits­ar­beit für Jürgen Klins­mann und Joa­chim Löw, seit einiger Zeit auch für Mesut Özil. Dazu gehören Inter­views und PR-Ter­mine, aber eben auch die Prä­senz bei Face­book und Twitter. Die Initia­tive bei einem Ein­trag komme stets von Mesut Özil selbst, sagt Eitel. Das muss Eitel sagen, schließ­lich sug­ge­rieren die Netz­werke, hier dem Idol beson­ders nahe zu sein.

Und doch sind meh­rere Per­sonen betei­ligt, wenn ein Bild auf dem Trep­pen­auf­gang ver­öf­fent­licht wird. Eitel nennt sie Dienst­leister “. Sie stammen aus der Özil Mar­ke­ting GmbH“, zudem aus der Social-Mar­ke­ting- Agentur Result Sports“. Sie über­prüfen, ob ein Bild gegen Ver­bands- und Ver­eins­richt­li­nien ver­stößt. Und sie über­setzen. Ein Ein­trag von Mesut Özil auf Face­book erscheint in fünf Spra­chen: Deutsch, Spa­nisch, Eng­lisch, Tür­kisch und Ara­bisch. Die meisten Face­book-Freunde hat Özil in der Türkei. Dann folgen: Indo­ne­sien, Deutsch­land, Ägypten und Mexiko.

— Info­grafik: Die Männer hinter Mesut Özil —-

Ist das Bild einmal gepostet, ist ent­schei­dend, was mit ihm pas­siert. Denn für die Firmen, die mit Özil werben, zählt nicht nur, dass der Star ein Bild von sich in beigen Hosen ver­breitet, son­dern auch, dass ein Fan in Japan dies mit einigen Klicks belohnt. Auf­grund seiner indi­vi­du­ellen Klasse und Aner­ken­nung bei den Fans ist Mesut Özil für Adidas in jedem Markt der Welt von großer Bedeu­tung“, sagt Oliver Brüggen, Spre­cher des Unter­neh­mens. Die 14 Mil­lionen Face­book-Freunde zeigten die beein­dru­ckende inter­na­tio­nale Reich­weite seiner Fan­ge­meinde“. In diesem Jahr hat Özil einen Ver­trag mit dem Aus­rüster abge­schlossen, mit einer Lauf­zeit bis 2020 und einer Gage von kol­por­tierten 25 Mil­lionen Euro.

Mehr Ein­träge, mehr Klicks, mehr Geld.

Die Männer hinter Mesut Özil haben klare Ereig­nis­ketten geschaffen, an deren Ende Mil­lionen ver­dient werden und die mit­unter ver­gessen lassen, dass der Kern des Geschäfts noch immer ein junger Mann mit schüch­ternem Buben­ge­sicht und großen Augen ist, der auf den engen Bolz­plätzen von Gel­sen­kir­chen groß geworden ist.

Fast scheint es so, als wolle auch die Entou­rage von Mesut Özil an diese Zeiten nicht mehr erin­nert werden. Die Geschäfte werden heute auf der Königs­allee in Düs­sel­dorf gemacht. Hier reihen sich die Kauf­häuser anein­ander, Geschäfte mit rie­sigen Glas­scheiben, gol­denen Deko­ra­tionen und aus­ge­stellten Klei­dungs­stü­cken ohne Preis­schild. Man trägt wieder Pelz. Kitz­bühel im Rhein­land.

Vor dem Brei­den­ba­cher Hof“, einem Luxus­hotel mit jahr­hun­der­te­langer Tra­di­tion, steht ein Page, ein gol­denes Geländer führt aus der Lobby in den ersten Stock. Dort sitzt auf einem Sofa ein stäm­miger Mann im Anzug und hebt den Finger. Allein ein guter Fuß­baller zu sein, das reicht nicht“, sagt Mus­tafa Özil, Vater und ehe­ma­liger Berater von Mesut Özil. Er kennt die Ange­stellten des Restau­rants mit Vor­namen.

Özil überall: Wachs­figur und Was­ser­me­lonen

Hier hat er ein Fest mit 130 Gästen aus­ge­richtet, als sein Sohn ins Wachs­fi­gu­ren­ka­bi­nett von Madame Tus­s­auds in Berlin auf­ge­nommen wurde. 2012 holte er die Ver­mark­tungs­ge­sell­schaft Sky Media Net­work “ ins Boot, ein Mit­ar­beiter küm­merte sich fortan aus­schließ­lich um Mesut Özil. Es ent­stand eine Koope­ra­tion mit einer soge­nannten Krea­tiv­agentur, die ein umfas­sendes Ver­mark­tungs­kon­zept für Mesut Özil ent­wi­ckelte, so wie sie es bereits für Coca- Cola oder Louis Vuitton getan hatte. Und Mus­tafa Özil ging gegen einen spa­ni­schen Gemü­se­händler vor, der seine Was­ser­me­lonen Mesut Özil“ nannte und das recht­lich schützen lassen wollte.

Mus­tafa Özil hatte viele Bau­stellen, aber noch mehr Ideen für neue.

Er erzählt von den Sta­tionen seines Sohnes, schiebt Wein- und Was­ser­gläser hin und her wie bei einer Auf­stel­lung. Von Rot- Weiss Essen, wo ein Jugend­trainer das Talent seines Sohnes übersah. Mit­spieler aus der Essener Zeit berichten, dass Vater Özil bei jedem Spiel seines Sohnes dabei war. Bei jedem. Stets redete er seinem Sohn zu. Mesut, du bist so gut, dich können sie nicht ver­ste­cken.“ Dann wech­selte Mesut zum FC Schalke 04, dort kam der Durch­bruch, er wurde Pro­fi­fuß­baller in seiner Hei­mat­stadt.

Doch keiner der Betei­ligten redet heute gerne über Schalke 04, zu unschön war das Ende. Der geheime Ver­trag wurde an die Presse durch­ge­sto­chen, von Bestechungs­ver­su­chen wird geraunt. Ein Schalker Ver­ant­wort­li­cher von damals sagt, es habe bereits eine Hand­schlag-Ver­ein­ba­rung über eine Ver­trags­ver­län­ge­rung gegeben. Doch dann traf Özils Kon­kur­rent Ivan Rakitic mit einem Wahn­sinnstor in Mün­chen. Prompt habe sich der Wind gedreht. Mesut habe nichts dafür­ge­konnt, heißt es, aber sein Vater habe ihm die Luft abge­schnürt.

Sie wollten ihn stoppen“

Mus­tafa Özil sagt: Schalke hat ver­sucht, Mesut zu stoppen.“ Auf Schalke war nicht nur das Tisch­tuch zer­schnitten, der Tisch war zer­sägt. Kurz vor dem Ende der Trans­fer­pe­riode im Januar 2008 blieb allein die Frage, wohin Özil wech­selte. Erstmal raus aus Gel­sen­kir­chen. Fünf Ver­eine waren im Rennen: Bayer Lever­kusen, VfB Stutt­gart, Han­nover 96, Werder Bremen und Man­chester United. United aller­dings wollte Özil nur für sechs Monate aus­leihen. Mesut ten­dierte anfangs zum VfB, schließ­lich spielte dort mit Yil­d­iray Bastürk ein enger Freund. Vater Mus­tafa erin­nert sich an das ent­schei­dende Gespräch mit dem Filius im Wohn­zimmer: Ich sag: ›Bremen, mein Lieber, die spielen 4−4−2, Thomas Schaaf ist ein super Trainer, Klaus Allofs macht super Arbeit.‹ Da hat er gesagt: ›Papa, Werder Bremen!‹“ Noch im glei­chen Jahr grün­dete Mus­tafa Özil die Özil Mar­ke­ting GmbH“. Die Ein­zel­pro­kura über­nahm Reza Fazeli, Mesut Özils Berater.

Bambi, Nike und Real Madrid

Nur einen kleinen Fuß­marsch auf der Königs­allee ent­fernt sitzt Fazeli in einem Büro in der zweiten Etage vor einem großen weißen Tisch. Er spricht ruhig und bedacht, möchte am liebsten keine Inter­views geben und schon gar nicht zitiert werden.

Das Ver­hältnis zwi­schen Fazeli und seinem Kli­enten war eng. 2010 erhielt Mesut Özil den Inte­gra­ti­ons­bambi. Die Kamera schwenkte wäh­rend seiner Rede immer mal wieder auf Fazeli, der Özils Worte lip­pen­syn­chron mit­sprach und später erleich­tert applau­dierte. In Bremen bril­lierte Özil, schoss den Klub zum Pokal­sieg und reifte zum Natio­nal­spieler. Fazeli ebnete Özil den Weg hin zum nächsten wich­tigen Kar­rie­re­schritt: ein inter­na­tio­naler“ Spieler zu werden, der nicht nur in Wanne-Eickel und Osna­brück erkannt wird, son­dern auch in Oviedo und Rot­terdam.

Es lockte Real Madrid, der berühm­teste Klub der Welt. Kurze Zeit später spielten mit Hamit Alt­intop, Nuri Sahin und Mesut Özil drei der Kli­enten von Fazeli bei den König­li­chen. Der Wechsel hatte einen langen Vor­lauf. Özils Name war bei Real bereits 2009 dis­ku­tiert worden. Kalter Krieg an der Weser“, schrieben in der Folge spa­ni­sche und deut­sche Zei­tungen über den lang­wie­rigen Ver­trags­poker, in dessen Ver­lauf Bre­mens Manager Klaus Allofs ein erstes Angebot der Madri­lenen als lächer­lich“ bezeich­nete.

Kalter Krieg“ an der Weser

Der­weil wuchs auch das Inter­esse von Man­chester United. Alex Fer­guson schickte seinen Bruder als Scout auf die Tri­büne des Bremer Weser­sta­dions. Bar­ce­lonas Prä­si­dent Sandro Rosell fühlte vor, ebenso Arse­nals Trainer Arsène Wenger.

Doch beim Cham­pions-League-Finale im Mai 2010 im Estadio Ber­nabeu von Madrid wurden die Ver­hand­lungen zwi­schen Real und Özil kon­kret. Kurz darauf machte er auf dem Rasen bei der WM 2010 von sich reden – und als deut­scher Ver­treter im Nike- Fern­seh­spot wäh­rend des Tur­niers. Für die Kam­pagne Schreib Zukunft“ setzte der US-Kon­zern Super­stars wie Didier Drogba, Roger Federer, Kobe Bryant und Wayne Rooney als Tes­ti­mo­nials in Szene – und eben Mesut Özil. Sein eigener Wer­be­film mit der Firma dau­erte zwei­ein­halb Minuten. Özil pro­fi­tierte nicht nur finan­ziell von dem Spot, rück­bli­ckend mar­kiert er den Beginn seines Auf­stiegs zum Welt­star.

Mit dem Wechsel zu den Madri­lenen stieß der Mit­tel­feld­spieler noch einmal in neue Sphären vor. Zunächst unter finan­zi­ellen Gesichts­punkten: Im internen Ver­diens­t­ran­king der Real-Aus­wahl soll er sich vom ersten Tag an auf Platz drei befunden haben. Doch es bedurfte langer Ver­hand­lungen bei der Frage der Rücken­nummer, Özil favo­ri­sierte die Nummer 10. In einem Verein wie Real Madrid ist die Num­mern­ver­gabe eine Staats­an­ge­le­gen­heit, über die die obersten Herren befinden und für die Mit­spieler ihr Plazet abgeben müssen.

Die 10“ bei Real – ein Sta­tus­symbol wie für Models die Lager­feld- Beklei­dung. Noch heute unter­zeichnet Mesut Özil seine Inter­net­ein­träge mit dem Kürzel M1Ö. Die Kom­bi­na­tion aus Rücken­nummer und Initialen hatte bereits Cris­tiano Ronaldo mit CR7“ als Mar­ken­zei­chen für sich ent­deckt. An der Seite des Super­stars ent­wi­ckelte sich Özil in Madrid zu einem inter­na­tio­nalen Top­spieler, er holte den spa­ni­schen Pokal und die Meis­ter­schaft.

Als Stamm­kraft von Real Madrid strahlte er end­gültig auf den glo­balen Markt aus. Die Zeiten, in denen er in Nutella-Spots auf­trat, sind vorbei, ent­schied sein Umfeld. Nun sollten lang­fris­tige Part­ner­schaften mit Welt­firmen ein­ge­gangen werden, dar­unter auch Pepsi. 100 Mil­lionen Euro wollte der Geträn­ke­kon­zern in eine welt­weite Kam­pagne inves­tieren, und Özil sollte eine der ent­schei­denden Wer­be­fi­guren sein. Die Zusam­men­ar­beit soll dann aber am Veto von Mus­tafa Özil geschei­tert sein. Der Vater hatte schon lange geplant, mehr Ein­fluss auf die Geschicke seines Sohnes zu nehmen.

Krach um die Özil Sport­ma­nage­ment GmbH

Im Juli 2011 setzte er Reza Fazeli als Berater ab und über­nahm selbst das Manage­ment. Ich war schon immer an den wich­tigsten Ent­schei­dungen betei­ligt oder habe sie getroffen“, gab er zu Pro­to­koll. Fazelis Pro­kura in der Özil Mar­ke­ting GmbH“ erlosch, die Firma bezog ein neues Büro in der Königs­allee.

Mus­tafa Özil hatte nun wieder einmal viele Bau­stellen. Unter anderem den Kauf sämt­li­cher Inter­net­adressen, die mit dem Namen Mesut Özil zu tun hatten. Die ein- gän­gigen Anlauf­stellen im Netz waren der Schlüssel zu neuen Märkten, neuen Ver­mark­tungs­mög­lich­keiten.

Bis dahin waren etwa auf der Domain mesuto​ezil​.com ledig­lich wirre Yahoo-News ein­ge­laufen. Ange­meldet hatte die Seite ein Mann in Chi­cago, der wei­tere Seiten wie wife​finder​.com im Angebot hatte. Der Handel mit Inter­net­adressen ist eine lukra­tive Sache. Allein für die Rechte an mesuto​ezil​.com sollen Summen im fünf­stel­ligen Bereich gefor­dert worden sein. Im Februar 2013 grün­dete Özil Senior die Özil Sport­ma­nage­ment GmbH“, die sich auch um die Ver­mitt­lung von Spie­ler­trans­fers küm­mern sollte. Vom Stamm­ka­pital in Höhe von 50 000 Euro brachte er 49 500 Euro ein. Den Rest steu­erte Erkut Sögüt bei, ein Unter­nehmer, vor allem aber ein lizen­zierter Spie­ler­ver­mittler. Die beiden sollten nur acht Monate zusam­men­ar­beiten.

Mus­tafa Özil gegen Flo­ren­tino Perez

Schon im April traf Mus­tafa Özil im Rahmen des Cham­pions-League-Spiels zwi­schen Gala­ta­saray und Real Madrid auf Flo­ren­tino Perez, den starken Mann bei Real. Er dis­ku­tierte heftig mit dem Prä­si­denten, es ging um die aus seiner Sicht geringe Wert­schät­zung für seinen Sohn. Eine Mei­nungs­ver­schie­den­heit, die nur vier Monate später nicht mehr hinter ver­schlos­senen Türen aus­ge­tragen wurde.

Mesut Özil hatte sich im August gerade öffent­lich zu einem Ver­bleib bei Real bekannt. Der Treue­schwur wurde aller­dings nicht erwi­dert, Madrid wollte, um dem Medi­en­hype um Bar­ce­lonas Neymar etwas ent­ge­gen­setzen zu können, den Waliser Gareth Bale für knapp 100 Mil­lionen Euro von Tot­tenham ver­pflichten.

Als der schließ­lich mit viel Pomp im Ber­nabeu vor­ge­stellt wurde, skan­dierten die Fans: Özil no se vende – Ver­kauft Özil nicht!“ Doch der befand sich bereits auf dem großen Ver­schie­be­bahnhof des inter­na­tio­nalen Fuß­balls. Und Mus­tafa Özil hatte schon wieder eine Bau­stelle.

Die Jazz­musik im Brei­den­ba­cher Hof“ an der Königs­allee ist mitt­ler­weile ver­klungen, weih­nacht­liche Klänge domi­nieren. Mus­tafa Özil erzählt vom Königs­transfer zu Arsenal. Pri­vatjet am Freitag. Ver­hand­lungen in Man­chester, dann in Paris. Samstag nach Mün­chen, ins Hotel Vier Jah­res­zeiten “. Die Ver­ant­wort­li­chen von Arsenal kamen nach. Anruf bei Dr. Müller-Wohl­fahrt.

Medi­zin­check am Montag. Sonntag Mesut ein­fliegen lassen. Anruf bei Bier­hoff, Mesut kommt später zur Natio­nalelf. Mon­tag­abend alles klar. Mesut Özil zu Arsenal. 50 Mil­lionen Euro Ablöse. Mus­tafa Özil lehnt sich zurück. Selbst sein Sohn war über­rascht, wie schnell alles ging. Und viel besser als er konnte wohl kein Spieler bei Arsenal starten.

Der Bruder ersetzt den Vater

Er traf, berei­tete vor, trickste. Beim 4:1- Sieg gegen Nor­wich schoss er die Gun­ners mit zwei Toren zum Sieg. Das Sta­dion sang selig zur Melodie eines alten Weih­nachts­klas­si­kers: Wal­king in a Özil Won­der­land“. Einige Tage zuvor hatte er auf einem anderen Gebiet eine Ent­schei­dung von großer Trag­weite gefällt. In einer Nie­der­schrift vom 10. Oktober 2013 teilte er als allei­niger Gesell­schafter der Özil Mar­ke­ting GmbH“ mit: Die Bestel­lung des Herrn Mus­tafa Özil zum Geschäfts­führer wird mit sofor­tiger Wir­kung wider­rufen.“ Mesut Özil setzte seinen Vater ab.

An dessen Stelle trat nun der ältere Bruder. Mutlu Özil, 28 Jahre alt, wurde Mesut Özils Berater. Zuvor war er bei den Ver­hand­lungen eher weniger in Erschei­nung getreten. Inter­views hat er in neuer Funk­tion bis­lang auch noch nicht gegeben, bei Nach­fragen meldet sich Erkut Sögüt und sagt: Viel­leicht in drei Monaten.“ Sögüt war mit Vater Özil erst im Februar bei der Ver­mitt­lungs­agentur ein­ge­stiegen. Am 14.10. wurde er dort abbe­rufen, blieb aber bei der Özil Mar­ke­ting GmbH“. Eine bemer­kens­werte Per­so­nal­ro­chade nur einen Monat nach dem mil­lio­nen­schweren Wechsel zu Arsenal, die etwa die Frage auf­werfen könnte, wohin wohl die Pro­vi­sion für den Rekord­transfer im Sommer fließt. Auch hierbei geht es wohl um einige Mil­lionen Euro, als bran­chen­üb­lich gelten zehn Pro­zent der Ablö­se­summe.

Napo­leon auf St. Helena

Das Büro der Özil Mar­ke­ting GmbH“ liegt am Ende der Königs­allee, gar nicht so weit vom Brei­den­ba­cher Hof“ ent­fernt, in dem Mus­tafa Özil emp­fängt. Und doch ist das Hotel wie St. Helena für Napo­leon. Der Senior bewegt die Gläser auf dem Tisch. Er spricht über sich. Viele schielen, sind nei­disch. Dieser Mann hat den Trans­fer­re­kord geknackt.“ Und doch ist er nicht mehr im Geschäft, vom Karus­sell gefallen, das sich zuletzt immer schneller gedreht hat.

Es gibt viele Gründe für Mesut Özils Erfolg und Popu­la­rität. Zunächst: Er ist ein her­aus­ra­gender Fuß­baller. Dazu ein deut­scher Natio­nal­spieler mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund. Keine Skan­dale, kein Laut­spre­cher. Ein gläu­biger Moslem. Ein Star bei den inter­na­tio­nalen Top­teams Real Madrid und Arsenal, Ver­eine also mit Fans auf der ganzen Welt, selbst in Ozea­nien. Sehr viele Men­schen haben im Laufe der Jahre Özils Poten­tial ent­deckt. Nicht nur jenes auf dem Fuß­ball­platz.

Auf Özils Home­page läuft ein Zähler seiner Kar­riere: 374 Spiele, 153 Vor­lagen, 66 Tore. Beein­dru­ckende Zahlen für einen Fuß­baller. Seit März 2013 hat Özil in neun Monaten fünf Mil­lionen neue Face­book-Freunde und über drei Mil­lionen neue Fol­lower bei Twitter dazu­ge­wonnen. Beein­dru­ckende Zahlen für eine Welt­marke. Welche sind wich­tiger?