The Life of Birds

Es wird wieder kalt in deut­schen Straf­räumen. Die Zug­vögel ziehen langsam Rich­tung Süden, nach unten, wo es wärmer ist. Und Sir David Atten­bo­rough packt seine 35mm-Kamera ein und kom­men­tiert kopf­schüt­telnd das Ver­halten deut­scher Flug­schwalben. Ernst­haft: Bei der uner­sätt­li­chen Dis­kus­sion um weiche Spieler“ und schöne Män­nerzwei­kämpfe“ war die Sams­tags­kon­fe­renz kaum noch aus­zu­halten. Da wurden Elf­meter gepfiffen, deren Fouls vor dem Straf­raum begannen (in Mön­chen­glad­bach und Köln). Mini­malste Kon­takte zum Schinden eines Straf­stoßes genutzt (in Mön­chen­glad­bach und fol­genlos durch Nie­der­lechner in Hof­fen­heim). Wäh­rend die klarsten Fouls (in Hof­fen­heim und Köln) vogel­wild über­sehen wurden.

Natür­lich ist die Dis­kus­sion müßig. Nick­lige Szenen hat es im Fuß­ball immer gegeben und den Diver hat nicht einmal Jürgen Klins­mann erfunden. Jede Mann­schaft erhält im Sai­son­ver­lauf ihre Vor- und Nach­teile. Trotzdem sind die Fehl­ent­schei­dungen und vor allem deren thea­tra­li­schen Pro­vo­ka­tionen nicht mehr aus­haltbar. Kleine Szenen, wie Sandro Wagner als ster­bender Schwan im Hof­fen­heimer Straf­raum bis zur plötz­li­chen Wie­der­ge­burt als Team­kol­lege Kevin Vogt den Ball von der Linie und in seine Rich­tung kratzte, machen die Spiele und Spieler zur­zeit unglaub­würdig. Die anschlie­ßenden Sezie­rungen und Dis­kus­sionen nehmen den rest­li­chen Spaß. Das hätte auch Mister Atten­bo­rough nicht schön­reden können.

Stand­fest bleiben

Den schwär­zesten Peter am siebten Spieltag zog der FC Ingol­stadt. Das 0:1 nach einer leichten Abseits­po­si­tion und der geilsten Ball­an­nahme seit Dennis Berg­kamp, nachdem Almog Cohen vorher nur die Latte getroffen hatte. Ein hoch­dis­ku­ta­bler Elf­me­ter­pfiff vor dem 0:2. Ein aus­blei­bender Elf­meter nach klarem Foul in der zweiten Halb­zeit. Auch wenn der 1. FC Köln die bes­sere Mann­schaft stellte, in den kleinen Szenen, den 50:50-Situationen, ver­folgte den Tabel­len­letzten Ingol­stadt das Pech. Trainer Markus Kauc­zinski wartet des­halb wei­terhin auf den ersten Sai­son­sieg.

Umso besser, dass sich Spieler und Vor­stand nach der sechsten Sai­son­nie­der­lage, inmitten des Kölner Jubelorkans, unauf­ge­regt hinter den Trainer stellten. Viel­leicht weil jeder wusste, dass die Ingol­städter ein gutes Spiel gezeigt hatten. Viel­leicht weil jeder weiß, dass diese Cool­ness noch zum Ass im Abstiegs­kampf werden könnte. Also bitte wei­ter­ma­chen, irgend­wann fällt der Würfel in die andere Rich­tung.

Oh je!

Das kol­lek­tive Auf­stöhnen aus Gel­sen­kir­chen-Buer war noch in Augs­burg zu hören, als Schalkes Breel Embolo rüde von Kon­stan­tinos Staf­y­lidis gefoult wurde und anschlie­ßend mit schmerz­ver­zerrtem Gesicht auf der Trage lag. Mit Ver­dacht auf einen Bruch des Sprung­ge­lenks ist dieser Unfall nicht nur per­sön­lich tra­gisch, son­dern auch ein Drama für die Königs­blauen.

Jan-Klaas Hun­telaar zeigte nach seiner Ein­wechs­lung keine Argu­mente, wes­halb es mit ihm besser laufen sollte. Statt­dessen spielte Schalke ideen- und kraftlos. Nur ein geglückter Fern­schuss von Nabil Ben­taleb sorgte für ein Posi­tiv­erlebnis. Ledig­lich der ein­ge­wech­selte Yevhen Kono­ply­anka zeigte in Ansätzen, wer Embolos Tor­ge­fahr ersetzen könnte. Die Ver­let­zung des Schwei­zers ist für Schalke der schwerste Schlag seit Sai­son­be­ginn.