An der Ost­seite des Old-Traf­ford-Sta­dions steht eine in Bronze gegos­sene Statue eines Mannes im Anzug, der einen Fuß­ball unter dem Arm trägt. Die Fans von Man­chester United, die regel­mäßig in freu­diger Erwar­tung auf das Spiel daran vorbei gehen, rea­li­sieren selten, dass sie ohne den Mann, der auf dem Sockel thront, wohl nicht hier wären. Die Rede ist von Alex­ander Mat­thew, genannt Matt“, Busby. Durch den Erfolg von Sir Alex Fer­guson in seinen 21 Trai­ner­jahren bei Man­chester United ist der Verein welt­weit berühmt und zu einem Goliath unter den Fuß­ball­klubs geworden. Die Grund­lage dafür aber legte Matt Busby.

Busbys Leben war geprägt von Erleb­nissen zwi­schen Dies- und Jen­seits. Es ent­steht das Gefühl, er hätte, einer Katze gleich, meh­rere Leben mit und für den Fuß­ball gelebt. Bis zum Zweiten Welt­krieg als Spieler bei Man­chester City und Liver­pool, nach dem Krieg als Trainer von Man­chester United bis zur berühmten Flug­zeug­ka­ta­strophe in Mün­chen, danach als erfolg­rei­cher Wie­der­auf­bau­trainer im selben Klub und später, nach seiner Kar­riere, als Mr. Man­chester United“ in den Erin­ne­rungen eines jeden Briten, der sich für Fuß­ball inter­es­siert.

Von Beginn an setzt Busby Zei­chen

1928 beginnt Matt Busby seine Spie­ler­kar­riere zunächst bei Man­chester City, wo er bis 1936 226 Spiele absol­viert (14 Tore) und 1934 den FA Cup gewinnt. Danach wech­selt er an die Anfield Road, wo er gleich zum Kapitän ernannt wird. Busby, der auch für die schot­ti­sche Natio­nal­mann­schaft spielt, gilt auf der halb­rechten Mit­tel­feld­seite als einer der ele­gan­testen Spieler Groß­bri­tan­niens und als bril­lanter Tech­niker. Mit dem Ein­tritt Groß­bri­tan­niens in den Zweiten Welt­krieg endet seine aktive Lauf­bahn. Er tritt zwar noch zu Spielen an, die Öffent­lich­keit nimmt den Fuß­ball jedoch nur noch am Rande wahr. Außerdem meldet sich Busby, wie viele andere Spieler auch, zum frei­wil­ligen Dienst in der Armee. Bei Kriegs­ende ist der in 1909 in Lanarkshire gebo­rene Schotte 36 Jahre alt. Zu alt, um nach fünf Jahren wieder pro­fes­sio­nell zu spielen.

Liver­pool offe­riert seinem Zög­ling einen Job im Team­ma­nage­ment, doch Busby schlägt das Angebot aus und geht statt­dessen zurück nach Man­chester. Jedoch nicht zu dem in dieser Zeit erfolg­rei­cheren Team von Man­chester City, son­dern zu United. Von Beginn an setzt Busby Zei­chen. Er struk­tu­riert das Team neu – und hat damit Erfolg. Nach vier geschei­terten Ver­su­chen gewinnt ManU 1952 die Meis­ter­schaft.

Busby ent­wi­ckelt trotz feh­lender Erfah­rung ein eigenes Ver­ständnis davon, wie eine Mann­schaft auf­zu­bauen ist. Als sein Meis­ter­schafts­team in die Jahre kommt, setzt er auf fri­sche, junge Spieler, statt viel Geld für Stars aus­zu­geben. Inner­halb von vier Jahren kauft Man­chester United nur zwei Spieler. Busbys per­fektem Gespür für Talente – von dem unter anderen auch Duncan Edwards pro­fi­tiert, der in Eng­land heute noch als Jahr­hun­dert­ta­lent gilt – ver­dankt das dama­lige Team von Man­chester United seinen Spitz­namen: Die Busby Babes“ sind geboren. Busby will nicht nur erfolg­rei­chen, son­dern vor allem attrak­tiven Fuß­ball spielen lassen und prägt damit das Spiel von Man­chester United bis in die heu­tige Zeit. Zudem ver­än­dert er die Rolle des Trai­ners. Er will nicht nur am Rande stehen und Kom­mandos geben, er mischt beim Trai­ning mit, um sich so ein bes­seres Bild vom Zustand seiner Spieler machen zu können.

1956 und 1957 gewinnt Busby mit Man­chester United erneut die Meis­ter­schaft. Vor der Saison 57/58 ist das Ziel, den natio­nalen Titel, den FA-Cup und sogar den Uefa-Cup zu gewinnen. Doch es kommt anders. Bei der Flug­zeug­ka­ta­strophe nach einem Uefa-Cup-Spiel gegen Roter Stern Bel­grad kommen sieben Busby-Babes“ ums Leben, Duncan Edwards erliegt kurze Zeit später seinen Ver­let­zungen. Matt Busby selbst erleidet schwerste Ver­let­zungen und kämpft um sein Über­leben. Doch nach zwei Monaten kann er das Kran­ken­haus ver­lassen.

Busby lässt sich von dem Rück­schlag jedoch nicht beirren. Er fängt in der nächsten Saison von vorne an und zieht um die Über­le­benden von Mün­chen – dar­unter auch Bobby Charlton – eine zweite, noch furioser auf­spie­lende Genera­tion der Busby-Babes“ groß. Das Wie­der­auf­bau­pro­gramm benö­tigt aller­dings Zeit, und so dauert es bis 1963, dass Man­chester wieder einen Titel gewinnt.

In diesem Jahr gibt wieder mal ein 17-Jäh­riger sein Debüt für ManU, den der Talent­späher Bob Bishop zwei Jahre zuvor mit den Worten Ich glaube, ich habe ein Genie ent­deckt“, emp­fohlen hatte. Es ist George Best, den Busby in den 60er Jahren zum Welt­star macht. Unter der Füh­rung des Refor­ma­tors spielt das Team um Best und Charlton Auf­sehen erre­genden Fuß­ball und gewinnt 1965 und 1967 die Meis­ter­schaft. 1968 holt Busby mit seinem Team durch ein 4:1 über Ben­fica Lis­sabon erst­mals den Uefa-Pokal auf die Insel. Fans auf der ganzen Welt freuen sich mit Matt Busby über seinen größten Erfolg. Doch bevor er 1969 nach 24 Jahren als Team­ma­nager von Man­chester United zurück­tritt, wird Matt Busby noch eine beson­dere Ehre zuteil. Nach dem Gewinn des euro­päi­schen Wett­be­werbs schlägt Queen Eliza­beth II. den Erfolgs­trainer zum Ritter.

Die Nach­folger tun sich schwer


Busbys Nach­folger tun sich schwer, in seine Fuß­stapfen zu treten. Der Erste, Wilf McGuin­ness, schei­tert früh, so dass Busby 1970 noch einmal über­gangs­weise die Geschicke von Man­chester United in die eigenen Hände nimmt. Doch auch Frank O’Farrell, sein zweiter Nach­folger, schafft es nicht, aus dem Schatten der Trai­ner­le­gende zu treten und den von Busby gesetzten Stan­dard zu halten. Nur sechs Jahre nach seinem Rück­tritt spielt Man­chester United gegen den Abstieg und erreicht einen abso­luten Tief­punkt. Busby bleibt dem Klub zwar als Funk­tionär erhalten und wird 1982 sogar Prä­si­dent, doch es dauert bis 1986, bis die Mann­schaft unter Sir Alex Fer­guson wieder beginnt, erfolg­rei­chen und attrak­tiven Fuß­ball nach den Vor­stel­lungen Matt Busbys zu spielen.

Am 20. Januar 1994 stirbt Sir Matt Busby im Alter von 85 Jahren. Doch auch heute noch ist er äußerst prä­sent. Nicht nur, dass seine Statue am Old Traf­ford steht, es wurde auch eine Straße nach ihm benannt, und jedes Jahr bekommt der von Trai­nern und Kapi­tänen gewählte beste Liga-Spieler den Matt-Busby-Pokal. Die United-Fans singen mit Vor­liebe den Song: We’re the Busby-Boys“, in dem sie das Team von 1968 hul­digen und im Fan-Shop von Man­chester United finden die T‑Shirts mit einem Schwarz-Weiß-Bild Matt Busbys, auf dem er stark an Marlon Brando erin­nert, rei­ßenden Absatz. Dar­unter steht: Father of Foot­ball.

Fan­ge­sang der ManU-Fans

Who sing of vic­tory,
Of games that brought us glory,
From New­castle to Tor­quay,
Where sixty thousand voices,
Roar us on to vic­tory,
We will follow United,
Hello, Hello, we are the Busby Boys,
Hello, Hello, we are the Busby Boys,
And if you are a City fan,
Sur­render or you’ll die,
We will follow United.
Whe­ther we’re across the sea,
Or whe­ther we’re at home,
It mat­ters not we follow,
To all cor­ners of the globe,
We wear the colours proudly,
The black, the white, the red,
We will follow United.
Hello, Hello, we are the Busby Boys,
Hello, Hello, we are the Busby Boys,
And if you are a City fan,
Sur­render or you’ll die,
We will follow United.
And now we’re back in Europe,
The fee­ling’s fucking great,
We’ll try to emu­late that team,
Of 1968,
We’ll win the Cup, have no fear,
And then we’ll drink your beer,
And we will follow United…