Seite 5: Wer in Abu Dhabi Kritik wagt, der ist erledigt

Der iri­sche Fuß­ball­jour­na­list Ken Early bezeich­nete Man­chester City kürz­lich als Wirts­or­ga­nismus“. Early ging nicht soweit, Abu Dhabis Herr­scher­fa­milie mit einem bös­ar­tigem Virus zu ver­glei­chen, aber wenn man sich anschaut, wie die Männer hinter Man­chester City ihren Ein­fluss im Aus­land gel­tend machen, ist die Meta­pher gut gewählt. Bereits 2012 ver­fasste Pearce Brie­fings für den Kron­prinzen, in denen es darum geht, dass der dama­lige eng­li­sche Pre­mier­mi­nister David Cameron dazu gedrängt werden sollte, härter gegen die soge­nannte Mus­lim­bru­der­schaft in Ägypten vor­zu­gehen.

Aus Pearces Notizen geht hervor, dass Cameron als Gegen­leis­tung ein lukra­tives Waffen- und Ölab­kommen offe­riert werden sollte. Auch in Washington zieht Abu Dhabi Fäden, um neo-kon­ser­va­tive Kräfte zu stärken und Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tionen zu dis­kre­di­tieren. In Frank­reich helfen die Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­rate sogar extrem rechten Grup­pie­rungen, so waren sie 2012 bereit, den Wahl­kampf von Marine Le Pen mit zwei Mil­lionen Dollar zu unter­stützen.

Daheim liegen die Dinge nicht besser. Kron­prinz Mohamed bin Zayed hat wenig Skrupel, auf alt­be­währte Weise dafür zu sorgen, dass seine Unter­tanen nicht aus der Reihe tanzen. Sein aus Schlä­ger­typen bestehender Sicher­heits­ap­parat patrouil­liert in SUVs durch die Straßen. Wer kri­ti­sche Tweets for­mu­liert, ist erle­digt, wie das Bei­spiel des preis­ge­krönten Men­schen­rechts­ak­ti­visten Ahmed Man­soor zeigt, der in Abu Dhabis Gefäng­nissen dahin­ve­ge­tiert. Und das Fol­ter­video von Scheich Issa beweist, dass wir hier nicht bloß über die Ver­let­zung von Men­schen­rechten reden, son­dern über Ver­bre­chen, die von einer kor­rupten Justiz gedeckt werden. Im Jah­res­be­richt 2016/17 von Amnesty Inter­na­tional über die Situa­tion in den Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­raten heißt es: Die Regie­rung schränkt die Rechte auf Mei­nungs- und Ver­ei­ni­gungs­frei­heit 2016 wei­terhin will­kür­lich ein. Regie­rungs­kri­tiker, Oppo­si­tio­nelle und aus­län­di­sche Staats­an­ge­hö­rige wurden fest­ge­nommen und straf­recht­lich ver­folgt.“

Abu Dhabi hat viel­leicht nicht die schlimmste Regie­rung der Welt, aber es ist fraglos die schlimmste Regie­rung, die einen Fuß­ball­verein führt. Natür­lich dicht gefolgt von Katar. Der Ein­fluss dieser beiden Regie­rungen auf den euro­päi­schen Fuß­ball sollte nicht nur die Fans der betrof­fenen Klubs beun­ru­higen. Doch davon wird man in der Doku­men­ta­tion von Amazon Prime nichts zu hören bekommen. Und sie wird auch nicht mit einer Anfangs­se­quenz beginnen, die brutal und ver­stö­rend ist. Dabei ist die Wahr­heit das oft.

Nick McGeehan ist Experte für den Nahen Osten und war lange für die NGO Human Rights Watch tätig.