Seite 3: Warum das Emirat Manchester City gekauft hat

Eben­falls im Vor­stand von Man­chester City und eine andere Schlüs­sel­figur ist der Aus­tra­lier Simon Pearce. Der Leiter von Abu Dhabis stra­te­gi­scher Kom­mu­ni­ka­tion hat sich einen Namen bei der PR-Firma Burson-Mar­steller gemacht, die auch für Kunden wie Nicolai Ceaucescu und Union Car­bide gear­beitet hat. (Was zu dem Spruch führte: Wenn das Böse PR braucht, ruft es Burson-Mar­steller an.“) Abu Dhabi beauf­tragte Pearce damit, den Ruf des Emi­rats zu schützen und auf­zu­po­lieren.

Wer ver­stehen will, warum das Emirat Man­chester City gekauft hat, sollte Abu Dhabi nicht nur als Stadt­staat, son­dern auch als Kon­zern betrachten. So wie auch Pearce das tut, für den es keinen Unter­schied macht, ob er bei Geschäfts­ab­schlüssen berät oder Emp­feh­lungen zur Innen- und Außen­po­litik gibt. Wer glaubt, das seien wilde Spe­ku­la­tionen, dem sei die Lek­türe seiner E‑Mails im Internet emp­fohlen.

Das ist mög­lich geworden, seit der Hot­mail-Account von Yousef Al-Otaiba gehackt wurde, dem Bot­schafter der VAE in den USA. Er ist clever, gerissen und er schmeißt Ham­mer­partys“, schrieb die Huf­fington Post“ in einem Por­trät über Otaiba. Aller­dings war der Bot­schafter nicht clever genug, seine elek­tro­ni­sche Post gut zu ver­schlüs­seln. Das erlaubte der inves­ti­ga­tiven Web­site The Inter­cept, eine Reihe von fas­zi­nie­renden Arti­keln über seinen E‑Mail-Ver­kehr zu ver­öf­fent­li­chen. Dabei ging es auch um den New York City FC, Abu Dhabis ame­ri­ka­ni­sche Fuß­ball­nie­der­las­sung. In einer Mail vom 5. Mai 2013 riet Pearce dem von ihm als Chief“ titu­lierten Bot­schafter zu großer Vor­sicht, um nega­tive PR zu ver­meiden. Jetzt, da der Deal an die Öffent­lich­keit gelangt ist, stellt jede Ver­zö­ge­rung der Ent­schei­dung bezüg­lich des Fran­chises und des Sta­dions ein zusätz­li­ches Risiko für das Pro­jekt sowie für den Ruf der Eigen­tümer dar“, schrieb Pearce.

Er benannte einige Schwach­stellen von Abu Dhabi und den VAE“, auf die sich Kri­tiker stürzen könnten, als da wären: Schwule, Reichtum, Frauen, Israel.“ Gemeint damit waren der enorme Reichtum des Landes, der Neid wecken könnte, die Kri­mi­na­li­sie­rung von Homo­se­xu­ellen, die Rolle der Frau und die Wei­ge­rung der VAE, den Staat Israel anzu­er­kennen. Außerdem sorgte Pearce sich dar­über, dass die Medien, die Poli­tiker und die Gesell­schaft Abu Dhabi als Eigen­tümer defi­nieren und nicht die CFG“. Die City Foot­ball Group wurde 2014 gegründet, um die Fuß­ball­ge­schäfte des Emi­rats abzu­wi­ckeln, zu ihr gehören neben den Klubs in Man­chester und New York auch der Mel­bourne City FC und der Club Atlé­tico Torque in Uru­guay. Außerdem ist sie betei­ligt an den Yoko­hama Marinos in Japan und dem spa­ni­schen FC Girona. Trotz seiner Bedenken schrieb Pearce, dass es ein herber Rück­schlag für die CFG-Pläne“ und eine ver­tane Chance“ wäre, sollte der Deal mit der Major League Soccer doch noch platzen. Er war also offen­sicht­lich der Mei­nung, dass die Vor­teile des Deals das Risiko schlechter Presse auf­wogen.