Man­sour bin Zayed Al Nayhan (49) hat eine Pas­sion. Der Spross der Herr­scher­fa­milie Abu Dhabis und lang­jäh­rige Mehr­heits­eigner von Man­chester City und von sieben wei­teren Filialen der berüch­tigten City Foot­ball Group“ (CFG) sam­melt Klubs wie andere Leute Panini-Bilder. Gerade eben hat Scheich Man­sour sich den nächsten Verein unter den Nagel gerissen: den kleinen SK Lommel aus der bel­gi­schen Divi­sion 1B (2. Liga). Zum Spott­preis von zwei Mil­lionen Euro, wie die Zei­tung De Tijd“ zu berichten weiß. Mit diesem Geld soll das Kar­tell mal eben die Schulden der Grün-Weißen in sel­biger Höhe begli­chen haben. Dazu muss man wissen: Für einen Zweit­li­gisten in Bel­gien sind zwei Mil­lionen Euro ein gera­dezu gigan­ti­scher Berg. Für die City Foot­ball Group, die kürz­lich eine 450-Mil­lionen-Geld­spritze von US-Inves­toren erhielt und 2019 einen Umsatz von 631 Mil­lionen aus­wies, sind derlei Beträge wohl eher Pea­nuts.

Ent­spre­chend klein machte sich Bob Nijs, der Bür­ger­meister der 35.000-Einwohnerstadt Lommel in der Pro­vinz Lim­burg, als er sich pflicht­schuldig bei den Big Spen­dern von der Ara­bi­schen Halb­insel bedankte: Der SK Lommel ist ein unglaub­lich wich­tiger Teil unserer Gemeinde. Mit der City Foot­ball Group haben wir nun einen ambi­tio­nierten, sta­bilen und ver­läss­li­chen Partner, der ent­schlossen ist, junge Spieler zu ent­wi­ckeln, und dem Klub in Zukunft helfen wird, zu wachsen und sich zu ent­wi­ckeln. Das sind exzel­lente Neu­ig­keiten für den Verein und die Stadt.“

Corona sorgt für güns­tige Preise

Und außer­halb Lom­mels? Kam diese Trans­ak­tion nur als mediale Rand­notiz daher. Dabei ist die Über­nahme des SKL durchaus einen genaueren Blick wert: Ers­tens offen­bart sie die unge­zü­gelten Expan­si­ons­be­stre­bungen eines Fuß­ball-Inves­tors, der sein wirt­schaft­li­ches Treiben maß­geb­lich aus dem Haus­halt eines unde­mo­kra­ti­schen Staates speist. Nach Man­chester City, New York City, Mel­bourne City, Mumbai City, Mon­te­video City Torque, Sez­huan Jiunjiu, dem FC Girona und den Yoko­hama F. Marinos ist Lommel bereits der neunte Klub der City Foot­ball Group, die in neun ver­schie­denen Län­dern auf fünf Kon­ti­nenten inves­tiert ist. Zwei­tens gilt die Über­nahme als Lehr­stück in Sachen Raub­tier-Kapi­ta­lismus: Wenn die Kleinen kurz vorm Ver­hun­gern sind, können sie von den Großen beson­ders leicht geschluckt werden. Schließ­lich standen die Grün-Weißen aus Lommel schon vor Corona finan­ziell mit dem Rücken zur Wand, das Virus hätte ver­mut­lich die zweite Insol­venz des Klubs nach 2003 bedeutet.

Und so geht von der Ein­glie­de­rung des kleinen SK Lommel in die große City Foot­ball Group noch ein drittes, für Fuß­ball-Puristen beson­ders bedroh­li­ches Signal aus: Das auch wirt­schaft­lich ver­hee­rende Corona-Virus ist ver­mut­lich DIE Chance für Inves­toren, exis­tenz­be­drohte Ver­eine günstig auf­zu­kaufen, um sie für ihre wirt­schaft­li­chen Zwecke zu nutzen. Dem Klub aus Flan­dern ist künftig – welch Über­ra­schung – eine Rolle als Farm­team zuge­dacht, wie ein erster medialer Gruß von Man­chester City erahnen ließ. Die Eng­länder twit­terten in freu­diger Erwar­tung vieler bel­gi­scher Top­ta­lente: Wel­come to the CFG family, Lommel SK!“