Die Bayern
Tja, was soll man über diese Bayern noch sagen? Auch das Spiel gegen tap­fere Ham­burger wurde gewonnen, was bedeutet, dass der FCB im gesamten Kalen­der­jahr 2013 nicht ein ein­ziges Liga­spiel ver­loren hat. Was für eine Ansage. Die­je­nigen unter uns, für die die Bayern ein schuh­platt­lernder, leder­be­hoster Mia-san-Mia-Dorn im Auge sind, mag diese Domi­nanz schmerzen, Aner­ken­nung ver­dient sie allemal. Einen Ein­zelnen für unsere heu­tige 11 zu nomi­nieren, wäre aller­dings unfair, weil gegen den HSV einer­seits nie­mand so richtig her­aus­ragte und der Erfolg der Bayern ande­rer­seits sowieso mehr Gesichter hat als Jim Carrey. Trai­nerfein­geist Pep Guar­diola, der Mensch gewor­dene mah­nende Zei­ge­finger Mat­thias Sammer, Spar­fuchs und Anle­ge­profi Uli Hoeneß oder über­haupt eigent­lich jeder aus dem The-Aven­gers-haften Super­team der Münchner – sie seien hiermit alle nomi­niert. Wahr­schein­lich kann sogar die Putz­kraft an der Säbener Straße Dinge am Ball, von denen wir schmalz­bäu­chigen Hob­by­ki­cker, die wir schon schwitzen, wenn wir nur das Wort Treppe“ schreiben müssen, nur träumen können. Das Jahr ist für die Bayern in der Liga seit Samstag gelaufen, nun steht die Klub-WM an, für die wir ihnen viel Glück wün­schen. Sammer ist übri­gens nicht mit nach Marokko geflogen. Er bleibt in Mün­chen und ver­sucht wie jedes Jahr, das Weih­nachts­fest zu stehlen.

Mar­celo
Ein wirk­lich wun­der­volles Tor, wenn auch ins eigene Netz, wäre der Fast-Treffer von Han­no­vers Mar­celo gewesen. Im Spiel gegen Nürn­berg strau­chelte der Ver­tei­diger wenige Meter vor der eigenen Linie in eine Her­ein­gabe von Kiyotake, der Ball tru­delte gen Tor, Mar­celo hin­terher, stol­perte, rutschte dann per Bauch­plat­scher knapp hinter dem Ball her und drohte, ihn lie­gen­der­weise mit dem Kopf über die Linie zu kicken. Und wäh­rend die Scha­den­freude-Zen­tren in unseren Hirnen bereits woh­lige Dopamin-Schauer vor­be­rei­teten, prallte der Ball gegen den Pfosten und Mar­celo rutschte hauch­dünn an einem Jahr­hun­der­tei­gentor vorbei. Glück für Mar­celo, wirk­lich schade für uns.

Mame Diouf
Hätte Mar­celo sein Fan­tasie-Eigentor nicht knapp an den Pfosten gesetzt, wäre das Spiel wahr­schein­lich anders ver­laufen. So aber nahm der Wahn­sinn seinen Lauf und der Glubb unter­strich erneut, dass und warum er a Depp is. Zum Voll­stre­cker dieser all­seits bekannten Wahr­heit wurde am Samstag Han­no­vers Mame Diouf, der zwei Tore zum in letzter Minute erbolzten 3:3 bei­steu­erte. Dass er bei seinem ersten Tor weiter im Abseits stand als Gina-Lisa auf der Weih­nachts­feier der Emma“-Redaktion, wird ihn nicht weiter gestört haben. Bei den Nürn­ber­gern wird das anders gewesen sein, das Echo von Raphael Schä­fers Wut­schreien soll die Bewohner rund um die Han­no­ve­raner Arena immer noch wach­halten.

Martin Stranzl
Das 11FREUNDE-Gra­ciano-Roc­chi­giani-Matsch­na­sen­bein in chir­ur­gi­schem Hart­plastik“ möchten wir diese Woche fei­er­lich an Glad­bachs Martin Stranzl ver­geben. Der öster­rei­chi­sche Hau­degen und Abwehr­ve­teran unter­strich im Spiel gegen Mainz am Samstag einmal mehr seine hol­ler­ba­chige Hau­de­gig­keit, als er in der Mauer ste­hend einen Frei­stoß mit dem Gesicht abwehrte. Nie in der Geschichte der Schmerzen wurde ein Frei­stoß jemals mann­hafter abge­wehrt. Stranzl war anschlie­ßend ein wenig benommen, konnte aber nach einer kurzen Pause wei­ter­spielen. Like a Boss. Gerüchten zufolge bekommt er seit Samstag übri­gens Fan­post von Axel Schulz.

Jannik Ves­ter­gaard
Wenn wir schon bei schmerz­haften Voll­tref­fern sind, möchten wir an dieser Stelle auch Hof­fen­heims Jannik Ves­ter­gaard kon­do­lieren. Der Sins­heimer Innen­ver­tei­diger bekam im Spiel gegen Dort­mund einen Schuss von Marco Reus aus kür­zester Distanz so derart in den Schritt, dass ihm seine Hoden womög­lich aus dem Hin­tern wieder her­aus­ge­kommen sind. Eine ganz unschöne Szene war das, ein Tief­schuss, bei dem selbst die Jungs von Jackass mit­füh­lend und mit Tränen in den Augen den Kopf geschüt­telt hätten. Wie auch Stranzl konnte Ves­ter­gaard übri­gens wei­ter­spielen – nachdem die Betreuer seine Hoden hinter der Wer­be­bande wie­der­ge­funden hatten.

Jens Grahl
Der eigent­liche Pech­vogel im Spiel war aller­dings Hof­fen­heims Keeper Jens Grahl. Das Spiel hatten die Sins­heimer eigent­lich so gut wie im Sack, als Grahl kurz vor der Pause eine harm­lose Ecke hin­fallen ließ und die TSG dadurch den Anschluss durch einen Abstauber von Aub­ameyang schlu­cken musste. Ein Szene, in der Grahl so unge­schickt aussah, dass er nun zuhause das Geschirr nicht mehr unbe­auf­sich­tigt in den Schrank räumen darf. Laut Bild“ hat Grahl nach dem Spiel übri­gens seine Tor­wart­hand­schuhe weg­ge­worfen. Viel­leicht sind sie ihm aber auch ein­fach hin­ge­fallen, wir wissen es nicht.

Nicolas Höfler
Was Han­no­vers Mar­celo ver­währt blieb, gelang am Sonntag Frei­burgs Nicolas Höfler. Eine Ecke von Farfan erreichte den ver­dutzen Höfler im Fünf­me­ter­raum, der Mit­tel­feld­spieler sprang ein wenig unge­lenk hoch und kickte sich den Ball mit der Hacke durch die Beine ins eigene Netz. Ein Move, der wenn der Ball ins rich­tige Tor geht, ziem­lich geil ist und dem schon zahl­reiche Redak­teurs-Sprung­ge­lenke in den Soc­cer­hallen Ber­lins geop­fert wurden. Hätte Höfler mit einer der­ar­tigen Bewe­gung ins rich­tige Tor getroffen, hätten wir ihn dem­nächst bei der Wahl zum Tor des Jahres“ wieder sehen können. So können wir ihn und die Frei­burger, wenn es ganz blöd läuft, bald wieder mon­tags auf Sport1“ ver­folgen.

Halil Alt­intop
Dass Halil Alt­intop ein Stamm­gast dieser Liste werden würde, hätten wir vor der Saison in etwa für so wahr­schein­lich gehalten wie die Beset­zung des Ver­tei­di­gungs­mi­nister-Pos­tens mit Ursula von der Leyen. Tja, aber manchmal pas­sieren eben komi­sche Dinge, von der Leyen zieht sich nun einen Bun­des­wehr­helm über ihren Haar­helm und Halil Alt­intop knipst sich munter durch die Spiel­zeit, ganz so, als wäre immer noch 2005. Am Wochen­ende nun traf Alt­intop mit einem wun­der­baren, buttrig-zarten Heber zum 4:1 gegen Braun­schweig. Ein Lupfer, der so ele­gant war, dass wir Halil Alt­intop fortan Sir Halil Alt­intop nennen wollen. Wir knien also nieder vor Sir Halil Alt­intop, fühlen uns unwürdig und wün­schen uns zu Wei­n­achten noch so einen sah­nigen Lupfer von ihm. Oder viel­leicht zwei.

André Hahn
Die Augs­burger sind in dieser Saison so ein wenig wie eine Gruppe Halb­starker in der Dorf­disko. Man unter­schätzt sie, belä­chelt sie viel­leicht sogar ein wenig und dann wird man plötz­lich ganz häss­lich ver­mö­belt. So erging es zumin­dest Braun­schweig am Wochen­ende, dem wohl ein­zigen Team, das man vor der Saison in Sachen Zweit­li­ga­haf­tig­keit des Kaders mit Augs­burg auf Augen­höhe sah. Nur hat der FCA nun aber tat­säch­lich schon 23 Punkte gesam­melt und das mit oft über­zeu­genden Auf­tritten. Für diese erstaun­liche Punk­teaus­beute ist auch André Hahn ver­ant­wort­lich, ein junger Mann, den wir vor der Saison nicht kannten, der sich in den ver­gan­genen Wochen aber ein­drucks­voll in unser Gedächtnis gebolzt hat. Gegen Braun­schweig gelangen Hahn gleich zwei Tore, nach seinen beiden Tref­fern gegen Mainz ist das bereits sein zweiter Dop­pel­pack in dieser Spiel­zeit.

Timo Werner
Müsste man Stutt­garts Youngster Timo Werner mit nur einem Wort beschreiben, dann wäre wohl kernig“ eine pas­sende Wahl. Der ent­schlos­sene Blick, der näh­ma­schi­nen­ar­tige Lauf­stil und die absolut nicht­exis­tente Zöger­lich­keit beim Tor­ab­schluss – alles an Werner ist irgendwie kernig. So auch sein Tor gegen Wolfs­burg, als der Stürmer einen zweiten Ball aus knapp zwanzig Metern volley in die Maschen prü­gelte. Um anschlie­ßend abzu­drehen, sich kurz zu freuen und dann pflicht­be­wusst zum Mit­tel­kreis zurück­zu­laufen, um weiter seiner Fuß­ball­ar­beit nach­zu­gehen. Ein ker­niger Junge eben, weiter so.

Marco Russ
Die Krise der Frank­furter Ein­tracht hatte zuletzt wirk­lich beängs­ti­gende Formen ange­nommen. Wäh­rend man in der Europa League zweit­klas­sige Gegner aus dem Sta­dion schoss, verlor man in der Liga Spiel um Spiel und steckte ganz plötz­lich knie­tief im Abstiegs­kampf. Nun gelang in Lever­kusen der Befrei­ungs­schlag, dank einer beherzten Vor­stel­lung und eines Gewalt­kopf­balls von Marco Russ, der eine Flanke von Sebas­tian Jung so derart kom­pro­misslos in die Maschen stirnte, dass irgendwo in Ham­burg Horst Hru­beschs Hemd spontan an der Bizeps­mus­ku­latur auf­platzte. Mit seiner wuch­tigen Kopf­ball­stärke könnte Russ zuhause auch die Nägel mit der Stirn in die Wand kloppen. Er belässt es aber bei dem ein oder anderen Kopf­balltor. Wahr­schein­lich auch besser so.