Nein, sein Arbeit­geber sei wirk­lich kein nor­maler Verein, betont Mbaye Leye. Stan­dard ist ein Klub, der für seine Werte ein­steht. Nein zu Ras­sismus ist nichts’, was der Prä­si­dent oder die Ver­eins­mit­ar­beiter ein­fach so dahin­sagen. Hier stellt sich nicht die Frage nach meiner Haut­farbe, son­dern hier heißt es: Mbaye kann den Job schaffen, also betrauen wir ihn damit.“

Mbaye Leye, geboren und auf­ge­wachsen im zen­tral-sene­ga­le­si­schen Bir­kelane und als junger Profi nach Frank­reich emi­griert, ist der ein­zige afri­ka­ni­sche Chef­trainer in einer euro­päi­schen Top­liga. Und: Der 39-Jäh­rige ist einer von nur drei Afri­ka­nern, die diesen Kar­rie­re­schritt über­haupt jemals geschafft haben. Wobei seine Kol­legen Lito Vidigal (51), Ex-Natio­nal­spieler Angolas und zuletzt Chef­trainer bei Mari­timo Fun­chal (Por­tugal), sowie Ndu­buisi Egbo (47), ehe­ma­liger nige­ria­ni­scher Natio­nal­keeper und zuletzt Übungs­leiter bei KF Tirana (Alba­nien), der­zeit ohne Anstel­lung sind.

Ich finde es traurig und bizarr, dass wir auf dem Rasen so ein mul­ti­kul­tu­relles Bild abgeben, dieses Bild aber außer­halb des Spiel­feldes nicht fort­ge­führt wird“

Mbaye Leye

Und so ist es doch ein unge­wohntes Bild, wenn die Kamera des bel­gi­schen Fern­se­hens zum Spiel­feld­rand schwenkt. Dort steht dieser Mbyae Leye meist auf­recht und sto­isch vor seiner Trai­ner­bank, die Arme vor der Brust ver­schränkt. Seine Haut­farbe sticht hervor aus einem Heer von Pro­fi­trai­nern, das (fast) aus­schließ­lich aus (alten) weißen Män­nern besteht. Ich finde es traurig und bizarr, dass wir auf dem Rasen so ein mul­ti­kul­tu­relles Bild abgeben, dieses Bild aber außer­halb des Spiel­feldes nicht fort­ge­führt wird“, beklagte Leye kürz­lich gegen­über der bri­ti­schen BBC.

Sicher, es hat sich einiges getan in jün­gerer Zeit: Vin­cent Kom­pany, Sohn einer hell­häu­tigen Bel­gierin und eines dun­kel­häu­tigen Kon­go­lesen, trai­niert Lüt­tichs Erz­ri­valen RSC Ander­lecht. Karim Bel­ho­cine, ein Fran­zose mit alge­ri­schen Wur­zeln, amtiert als Chef­coach bei Spor­ting Char­leroi. Patrick Vieira, der fran­zö­si­sche Welt­star, geboren in Dakar (Senegal), trai­nierte zuletzt den OGC Nizza in der Ligue 1. Auch in Deutsch­land tragen People of Color wie HSV-Coach Daniel Thioune, der eine deut­sche Mutter und einen sene­ga­le­si­schen Vater hat, oder Frank­furts Pro­fi­fuß­ball-Direktor Ben Manga-Ubenga, geboren in Äqua­to­rial-Guinea, mehr Ver­ant­wor­tung jen­seits der Spiel­feld­um­ran­dung. Doch der Fort­schritt kommt nicht gerade in Sprin­ter­schuhen daher.