Der FC Bayern Mün­chen hat seinen ersten Titel. Carlo Ance­lottis Team besiegt Borussia Dort­mund mit 2:0. Doch was ist dieser Titel wert?

Egal, wie man zum Supercup steht: Zwei Wochen vor dem Bun­des­liga-Start zeigt diese Partie, in welche Rich­tungen sich die Bayern und der BVB in der Vor­be­rei­tung ent­wi­ckelt haben. Es stehen einige radi­kale Ände­rungen an – auf beiden Seiten. Eine Ana­lyse in vier Punkten:

1. Ance­lotti krem­pelt die Bayern um
Bereits vor dem Bun­des­liga-Start ist klar: Der FC Bayern wird sein Gesicht unter Ance­lotti ver­än­dern. Ance­lotti lernte Fuß­ball unter Arrigo Sacchi kennen, dem Erfinder des modernen Pres­sings und Ver­fechter des schnellen Ver­ti­kal­spiels. Dem­entspre­chend ver­folgt Ance­lotti als Trainer keine Ball­be­sitz­phi­lo­so­phie, wie dies sein Bayern-Vor­gänger Pep Guar­diola tat.

Vom Posi­ti­ons­spiel Guar­diolas, den festen Ritualen beim Besetzen der Posi­tionen, war in den ersten Wochen unter Ance­lotti wenig zu erkennen. Auch das Pres­sing schraubte der Ita­liener zurück. Dies wurde beson­ders im Supercup deut­lich: Immer wieder zogen sich die Bayern im 4−1−4−1 in die eigene Hälfte zurück. Nur punk­tuell star­teten sie aus der tiefen For­ma­tion ein hohes Pres­sing. Dabei agierten sie wesent­lich man­n­ori­en­tierter als unter Guar­diola, der seine Leute stets ermahnte, im Raum zu ver­tei­digen.

Das Spiel mit Ball ist der­weil merk­lich ver­ti­kaler ange­legt. Nur selten legten sich die Bayern den Gegner zurecht, meist ging der erste Ball direkt nach vorne. In vielen Pässen und Aktionen merkte man den Bayern aller­dings einen gewissen Wachs­tums­schmerz an: Selten gab es gelun­gene Konter über meh­rere Sta­tionen, oft ver­hed­derten sie sich am BVB-Pres­sing. Tak­tisch liegt noch eine Menge Arbeit vor Ance­lotti, ehe er seinen direkten Spiel­stil umsetzen kann.

2. BVB mehr Mainz als Vize-Tuchel
Beim BVB hat sich in der Som­mer­pause fast auf jeder Posi­tion etwas getan – außer auf der des Trai­ners. Doch selbst dieser hat sich ver­än­dert. Es scheint, als ob wir in dieser Saison einen anderen Thomas Tuchel erleben: Der BVB spielte nicht derart domi­nant-ball­be­sitz­ori­en­tiert wie in der Vor­saison, son­dern ähnelte tak­tisch Tuchels Main­zern.

Ähn­lich wie die Bayern spielen die Dort­munder deut­lich ver­ti­kaler. Kein Wunder, schließ­lich verlor der BVB mit Mats Hum­mels, Ilkay Gün­dogan und Henryk Mkhi­ta­ryan gleich drei Spieler, die in der Vor­saison für die Ball­zir­ku­la­tion zuständig waren. Da der vierte dieser Spieler, Julian Weigl, zunächst auf der Bank Platz nahm, war von den Ball­be­sitz­struk­turen der Vor­saison wenig zu erkennen.

Statt­dessen besetzten Sebas­tian Rode und Gon­zalo Castro die Dop­pel­sechs. Beide ver­suchten stets, den Ball sofort ver­tikal in die Spitze zu spielen. Die Außen­stürmer Adrian Ramos und Ous­mane Dem­bele pos­tierten sich recht hoch und standen für Durch­brüche bereit. Auch beim BVB waren diese Durch­brüche selten gut vor­be­reitet; sie ver­loren viele Bälle. Dafür holten sie diese mit einem aggres­siven 4 – 4‑1 – 1‑Pressing schnell wieder zurück. Wie Mainz in frü­heren Tagen eben.