Rück­blick

Im Januar rief Julian Nagels­mann das Sai­son­ziel Europa aus. Doch sein Vor­haben, die Elf zum Abschied erneut aufs inter­na­tio­nale Par­kett zu lotsen, schei­terte an Hof­fen­heims selt­samer Unfä­hig­keit, eine Füh­rung zu ver­tei­digen. Gera­dezu sym­pto­ma­tisch war das Sai­son­fi­nale. Am letzten Spieltag lagen die Blauen in Mainz nach 65 Minuten ver­dient mit 2:0 vorne, was am Ende für die Europa League gereicht hätte. Dann kas­sierte Hof­fen­heim noch vier Tore. 

Trans­fers

Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Zuerst fallen einem natür­lich all die Ver­käufe ein, die es in Hof­fen­heims Kasse klin­geln ließen: Nico Schulz (für 27 Mil­lionen nach Dort­mund), Kerem Demirbay und Nadiem Amiri (für 41 Mil­lionen nach Lever­kusen), Joel­inton (für 45 Mil­lionen nach New­castle). Doch dazu verlor der Verein ja auch noch einen beliebten Trainer sowie sein größtes Juwel – den von Arsenal aus­ge­lie­henen Reiss Nelson, der trotz seiner erst 19 Jahre in der letzten Saison unum­strit­tener Stamm­spieler war. Selbst wenn die beiden pro­mi­nenten Rück­kehrer – Sebas­tian Rudy und der zuletzt an Frei­burg aus­ge­lie­hene Vin­cenzo Grifo – alle Erwar­tungen erfüllen sollten, muss man von einem emp­find­li­chen Qua­li­täts­ver­lust spre­chen. Hoff­nung macht in erster Linie der aus Han­nover geholte Ihlas Bebou, der in der Vor­be­rei­tung glänzte. Und natür­lich Neu­zu­gang Nummer fünf: Der Däne Robert Skov, der in seiner Heimat gerade den 21 Jahre alte Tor­re­kord von Ebbe Sand gebro­chen hat. 

Boss-Level

Der Hol­länder Alfred Schreuder ist zwar schon seit zehn Jahren im Trai­ner­ge­schäft, galt bis­lang aber eher als ideale Nummer zwei. In dieser Funk­tion kam er im Herbst 2015 auch mit Hof­fen­heim in Kon­takt, denn Huub Ste­vens brachte ihn damals als seinen Assis­tenten mit. Als Schreuder im März plötz­lich die Nagels­mann-Nach­folge über­tragen bekam, dachten viele, er würde das eine oder andere Talent in Hol­land ein­fangen, zum Bei­spiel Hakim Ziyech von Ajax, zu dem er eine fast väter­liche Bezie­hung hat. Doch das ist bis­lang nicht pas­siert. So hängt die Wett­be­werbs­fä­hig­keit der Hof­fen­heimer weiter an den beiden Stars in der Chef­etage. 

Damit sind jetzt nicht Dietmar Hopp und sein Scheck­buch gemeint. Son­dern zum einen der ver­blüf­fend erfolg­reiche Sport­di­rektor Alex­ander Rosen. Als Rosens Ver­trag Anfang Mai ver­län­gert wurde, erklärte das der Geschäfts­führer der TSG mit den Worten: Durch eine kluge, mutige und weit­sich­tige Trans­fer­po­litik ist er maß­geb­lich daran betei­ligt, dass der Klub in den ver­gan­genen Jahren eine außer­ge­wöhn­liche Ent­wick­lung genommen hat.“ Eben jener Geschäfts­führer ist die zweite Schlüs­sel­figur in Hof­fen­heim, auch wenn ihn kaum jemand kennt. Dr. Peter Gör­lich ist seit Jahren dabei, die TSG zu einem der modernsten und wis­sen­schaft­lichsten Klubs in Europa zu machen. Als kleiner Verein müssen wir pfif­figer sein als die Ver­eine, die mehr Geld zur Ver­fü­gung haben“, sagt Gör­lich.