Die Begeis­te­rung in Deutsch­land ist wei­terhin unge­bro­chen, wenn es um Fuß­ball geht. Laut DFB gibt es in den Lan­des­ver­bänden über sieben Mil­lionen aktive Fuß­baller, 1,6 davon Nach­wuchs­spieler. Auch wenn es unmög­lich ist, zu sagen, wer sich letzt­end­lich von ihnen bei den Profis durch­setzen wird: Fol­gende Spieler sind auf dem besten Weg, dem Fuß­ball ihren Stempel auf­zu­drü­cken.


Alex­ander Nübel, Tor­wart, 21, Schalke 04

Nübel hat mit der glei­chen Her­aus­for­de­rung zu kämpfen wie jeder Tor­hüter, der nach der Neuer-Trapp-Ter Stegen Ära her­an­wächst: Sie kriegen kaum Raum, um sich zu beweisen. Wäh­rend Manuel Neuer bereits mit 20 zwi­schen den Schalker Pfosten stand, sitzt Nübel auf als zweiter Tor­hüter bei den Königs­blauen auf der Ersatz­bank. Doch selbst Startelf-Tor­hüter Ralf Fähr­mann sagt über seinen Kon­kur­renten: Alex ist eines der besten Tor­wart­ta­lente, die Deutsch­land jemals hatte.“
Seine Spiel­praxis erhält Nübel der­zeit bei der U21 Natio­nal­mann­schaft. Klaus Thom­forde, Tor­wart­trainer der U21, schließt sich dem Lob Fähr­manns an: Er beherrscht das kom­plette Pro­gramm. Er kann in der Spiel­eröff­nung beid­füßig agieren, in der Ziel- und Raum­ver­tei­di­gung hat er außer­ge­wöhn­liche Qua­li­täten.“ Das sieht man anschei­nend auch in Gel­sen­kir­chen so, mit Nübel wurde früh­zeitig auf 2020 ver­län­gert.


Gian-Luca Itter, linker Ver­tei­diger, 19, VfL Wolfs­burg

Obwohl Gian-Luca Itter 2016 bereits die gol­dene Fritz-Walter-Medaille erhielt und im Nach­wuchs­kader der Natio­nal­mann­schaft spielte, wurden nur wenige auf den Jungen aus Gießen auf­merksam. Das änderte sich bei seinem Bun­des­li­ga­debüt für den VfL Wolfs­burg gegen die Bayern, genauer gesagt: Gegen Arien Robben, den er mann­de­cken musste. Experten wie Spie­ler­kol­legen waren sich nach dem Unent­schieden einig: Gian-Luca hat es drauf. Er über­zeugt durch Lauf­be­reit­schaft und Ein­satz­willen, ist tech­nisch ver­siert und spielt über­legt auf der linken Seite der Vie­rer­kette. Er wird sicher zukünftig diese Posi­tion bear­beiten“, sagt VfL Trainer Martin Schmidt über den Links­ver­tei­diger.


Lars Lukas Mai, Innen­ver­tei­diger, 17, FC Bayern Mün­chen U19

Der amtie­rende B‑Jugend Meister und A‑Jugend Kapitän des Rekord­meis­ters hat sage und schreibe 17 Spiele allein für die deut­sche U17 auf dem Feld gestanden. Und er über­zeugt durch sau­bere Abwehr­ar­beit. Sei es im Zwei­kampf, im Pass­spiel oder in der Ball­be­hand­lung, U17-Coach Tim Walter schätzt seine Qua­li­täten im Auf­bau­spiel. Nicht zuletzt des­halb hat er zum Mann­schafts­ka­pitän ernannt, bevor sie zur U17-WM nach Indien auf­bra­chen. Mai führte die Mann­schaft bis ins Vier­tel­fi­nale, wo man an Bra­si­lien schei­terte. 


Felix Pass­lack, Rechter Ver­tei­diger, 19, TSG Hof­fen­heim 1899

U19 Natio­nal­trainer Trainer Meikel Schön­weitz sieht den deut­schen Nach­wuchs schwä­cheln, wenn es um die Men­ta­lität und Durch­set­zungs­fä­hig­keit“ auf dem Platz geht. Felix Pass­lack kann er damit nicht gemeint haben. Der Flü­gel­flitzer wurde wie­der­holt A- und B‑Juniorenmeister mit Borussia Dort­mund, spielte für den BVB in der Cham­pions- und Europa-League, holte mit ihnen den DFB-Pokal durch­lief die Jugend­ab­tei­lung der Natio­nal­mann­schaft von U15 bis U21, wobei er bei der U17 EM 2015 in Bul­ga­rien in die Mann­schaft des Tur­niers gewählt wurde. Pass­lack, der auf beiden Abwehr­seiten ein­setzbar ist, schwä­chelte zwar in der Hin­runde bei der TSG Hof­fen­heim, an die er der­zeit von Borussia Dort­mund aus­ge­liehen ist, aber seine Fan­base ist wei­terhin unge­bro­chen: 80.000 Likes auf Face­book, 242.000 Fol­lower bei Insta­gram. Glück­wünsch dazu.

Arne Maier, Defen­sives Mit­tel­feld, 19, Hertha BSC Berlin

Wer Arne Maier nicht auf dem Zettel hat, der sollte mal bei Her­thafans nach­fragen, wo sie ihren Verein sähen, wenn Pal Dardai den Jungen nicht aus dem Hut gezau­bert hätte. Der Gewinner der Fritz-Walter-Medaille in Bronze von 2016 ver­tei­digt die Alte Dame, als ob es seine Schwester wäre, und avan­cierte direkt zum Publi­kums­lieb­ling. Seit der U15 spielt der Mit­tel­feld­spieler aus Lud­wigs­felde in den Junioren-Natio­nal­mann­schaften, gewann zuletzt mit der Hertha U19 den 28. Mer­cedes-Benz Juni­orCup und wurde mit sechs Tref­fern zum Spieler des Tur­niers aus­ge­zeichnet. Das wurden vor ihm auch Joshua Kim­mich, Simon Rolfes und Sal­va­tore Gam­bino. Na dann.


Salih Özcan, Zen­trales Mit­tel­feld, 20, 1. FC Köln

Der gebür­tige Kölner weiß auch außer­halb des Platzes zu über­zeugen: Als der damals 15-jäh­rige Özcan in einer Stra­ßen­bahn saß, die einen 11-jäh­rigen Jungen erfasste, leis­tete er dem Schwer­ver­letzten Erste Hilfe und ret­tete dem kleinen Jungen somit das Leben. Spie­le­risch weiß er sich eben­falls richtig ein­zu­setzen: Wäh­rend seiner Aus­bil­dung zum Mit­tel­feld­spieler beim 1. FC Köln durch­lief er sämt­liche U‑Klassen des Deut­schen Fuß­ball Bundes und stei­gerte sich zuletzt beim Bun­des­li­gisten von einer Ergäng­zungs­spieler zu einer Stamm­kraft. Aner­kannt wurde seine sport­liche Leis­tung zuletzt mit der U19 Fritz-Walter-Medaille in Gold. 


Kai Havertz, Offen­sives Mit­tel­feld, 18, Bayer 04 Lever­kusen

Viele Jugend­spieler tun sich mit der Umstel­lung auf den Pro­fi­sport schwer. Qua­li­täten können unter­gehen beim Spiel gegen kräf­ti­gere und erfah­re­nere Gegner, der Druck von außen steigt enorm. Doch es gibt Spieler, an denen perlt das ab wie Wasser an einem Dusch­vor­hang. Kai Havertz bei­spiels­weise gewann mit Bayer 04 Lever­kusen die B‑Jugend Meis­ter­schaft, schoss dabei 19 Treffer, bekam die sil­berne Fritz-Walter-Medaille, wurde ins Trai­ning der Profis hoch­ge­stuft und setzte sich dort durch. Trainer Roger Schmidt bezeich­nete den acht-jüngsten Bun­des­li­ga­spieler aller Zeiten (18 Jahre 2 Monate 29 Tage) als fer­tigen Spieler“, der durch Ball­si­cher­heit und her­vor­ra­gende Technik bekannt ist. Zuge­geben, Havertz ist keine Über­ra­schung mehr, aber allein, dass er den zweit­höchsten Markt­wert aller Spieler des Jahr­gangs 1999 (18 Mio. €, nur die ita­lie­ni­sche Tor­wart­hoff­nung Gian­luigi Don­na­rumma wird als noch wert­voller erachtet) besitzt, bereits im aus­ver­kauften Wem­bley gewann (gegen Tot­tenham Hot­spur) und auf der Top-Scorer­liste der Bun­des­liga zur­zeit Platz 42 belegt, sollte einem ver­deut­li­chen, wie weit man im Fuß­ball mit 18 Jahren bereits sein kann. 


Aymen Barkok, Offen­sives Mit­tel­feld, 19, Ein­tracht Frank­furt

Wer aus der Nord­west­stadt Frank­furts kommt, so wie Emre Can oder der Rapper Azad, der lernt früh, dass man alles geben muss, wenn man es weit bringen will. Und Barkok hat es ver­standen. Bei seiner Ein­wechs­lung zum Bun­des­li­ga­debüt für Ein­tracht Frank­furt schoss der 1,88m große Hüne direkt das Tor zum Aus­wärts­sieg gegen Werder Bremen und reifte zu einem Stamm­spieler für den hes­si­schen Verein heran. Diese Saison plagt Barkok ein Form­tief, doch auch das ana­ly­siert der Träger der sil­bernen Fritz-Walter-Medaille ruhig und ist laut eigener Aus­sage daran, zur alten Form zurück­zu­kehren. Oder um es mit den Worten seines rap­penden Nach­bars zu sagen: Die Hoff­nung lässt mich leben und treibt mich voran / Ich tu was ich tun muss (…) solang ich (…) kann.“ 


Oliver Batista Meier, Links Außen, 16, Bayern Mün­chen U19

Auf You­tube findet man noch Videos von Batista Meier im 1. FC Kai­sers­lau­tern­trikot. Damals, acht Jahre jung, jon­gliert er den Ball bereits wie ein Profi. Beim 1. FC Kai­sers­lau­tern erlernte er die Grund­lagen und wech­selte dann in die Talent­schmiede von Bayern Mün­chen. In der U15 schoss er pro Spiel ein Tor, auch nach seiner früh­zei­tigen Beför­de­rung in die U17 änderte sich diese Quote kaum (14 Tore in 16 Spielen). In der lau­fenden Saison wird er in der B- und A‑Junioren Bun­des­liga ein­ge­setzt sowie in der UEFA Youth League (20 Spiele, 20 Tore, 10 Vor­lagen). Bemer­kens­wert ist sein Ein­satz in der Youth League gegen Celtic Glasgow: Zuerst schoss Batista Meier den Aus­gleich per Frei­stoß, bevor er durch ein tolles Solo in 94. Spiel­mi­nute den wich­tigen Aus­wärts­sieg erkämpfte. Mit Waden­krämpfen. Das Tor löste gleich­zeitig das Ticket für die K.-o.-Phase des Tur­niers, ein Novum für den ältesten Nach­wuchs des Rekord­meis­ters. 


Jann-Fiete Arp, Mit­tel­stürmer, 18, Ham­burger SV

Jann wollte abends nicht schlafen gehen, bevor wir in seinem Zimmer Eins-gegen-Eins gespielt haben“, ver­riet Falko Arp einst über seinen Sohn. Jede freie Sekunde nutzte der Steppke für den Fuß­ball, war immer der Erste und der Letzte auf dem Trai­nings­platz. Seine Wil­lens­kraft hat sich durch­ge­setzt: Jann-Fiete Arp ist der siebt­jüngste Tor­schütze der Bun­des­li­ga­ge­schichte (17, 9 Monate und 22 Tage), schoss die U17 Natio­nal­mann­schaft bei der letzten EM mit sieben Toren bis ins Halb­fi­nale und bei der WM mit fünf Tref­fern ins Vier­tel­fi­nale. Nicht zuletzt des­halb hat der Stürmer dieses Jahr die gol­dene Fritz-Walter-Medaille erhalten. 


Yous­soufa Mou­koko, Mit­tel­stürmer, 13, Borussia Dort­mund

Klingt zu schön, um wahr zu sein: Der 13-Jäh­rige Deutsch Kame­runer spielt bei der U17 von BVB und schoss in 15 Spielen 27 Tore. Nur in zwei Spielen traf er bisher nicht. Doch das Ein­zige, wor­über man berichtet, ist die Frage, wie alt dieser Spieler wirk­lich ist. Dabei ist Tor­quote so hoch, dass es eigent­lich egal ist, ob der Stürmer 13, 15 oder 17 Jahre auf dem Buckel hat.
Ähn­lich sieht das Pierre-Eme­rick Aub­ameyang, der Mou­koko eine große Zukunft pro­phe­zeit: Yous­soufa, mein kleiner Bruder is on Fire“, schrieb der Gab­uner unter ein Bild von dem Nach­wuchs­ta­lent und ihm, was er in den sozialen Medien teilte.


Nils Körber, Tor­wart, 21, Preußen Münster

Größter Erfolg? DFB-Pokal­fi­nale der A‑Junioren 2014/2015, der wegen einer gran­diosen Leis­tung von Schluss­mann Körber an Hertha BSC ging. Das Ber­liner Eigen­ge­wächs steht in der Haupt­stadt unter Ver­trag, wurde aber an Preußen Münster in die 3. Liga aus­ge­liehen. Auch wenn die Saison für Münster bisher nur durch­wachsen lief, gehört Nils Körber zu den Top-20-Spie­lern der Hin­runde der 3. Liga (laut Kicker). 


Dennis Geiger, Zen­trales Mit­tel­feld / Rechte Ver­tei­di­gung, 19, TSG Hof­fen­heim 1899


2008 wurde Geiger bei einem Hal­len­tur­nier in Eber­bach ent­deckt, keine zehn Jahre später stand er auf dem Rasen der Anfield Road und spielte um die Teil­nahme an der Cham­pions League. Daran erfreute sich auch die Hof­fen­heimer Geschäfts­lei­tung: Sie ver­län­gerten mit dem Nach­wuchs­ta­lent vor­ges­tern bis 2022.


Jean-Manuel Mbom, Zen­trales Mit­tel­feld, 17, SV Werder Bremen U19

Der Kapitän der Bremer U17 schoss vor zwei Jahren in 20 Spielen 18 Tore und führte sein Team zur Meis­ter­schaft. In der bis­he­rigen Saison kam er auf­grund von Adduk­to­ren­pro­blemen nur auf drei Minuten Spiel­zeit, aber allein der Gewinn der Fritz-Walter-Medaille in Silber für sein sport­li­ches Schaffen zeigt: Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir von Mbom gehört haben.


Johannes Egge­stein, Mit­tel­stürmer, 19, SV Werder Bremen II

Der Name Egge­stein und Tor­schüt­zen­könig gehörten in der Jugend zusammen wie Kreis­li­ga­trainer und Ther­mos­kan­nen­kaffee. Der gebür­tige Han­no­ve­raner tut sich zur­zeit noch schwer, bei den Profis anzu­kommen. Aber sein zwei Jahre älterer Bruder, der bereits bei Werder Bremen zum Stamm­spieler her­an­ge­reift ist, lässt auf eine leis­tungs­fä­hige DNA schließen.