Ewald Lienen, herz­li­chen Glück­wunsch zu Ihrem 60. Geburtstag. Wie feiern Sie Ihren Ehrentag in Rumä­nien?
Ich habe leider keine Zeit, meinen Geburtstag zu feiern. Wir sind hier mitten in der Arbeit und werden einen ganz nor­malen Trai­ningstag haben.

Dabei kommt natür­lich keine Fei­er­stim­mung auf.
Ich nehme mal an, dass ich beim Mit­tag­essen mit der Mann­schaft einen kleinen Kuchen über­reicht bekomme und dass dann ein kleines Ständ­chen gesungen wird. So war es bis­lang mit allen Spie­lern, die Geburtstag hatten, seitdem ich hier bin. Damit haben sich aller­dings meine Fei­er­lich­keiten erschöpft.

Klingt nach einem Fest im Kreise der Fuß­ball­fa­milie. Und die andere Familie?
Meine Familie ist noch nicht hier. Viel­leicht gehe ich am Abend mit meinem Funk­ti­ons­team und dem einen oder anderen aus dem Klub noch etwas essen.

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Nimmt man es als Sportler in Kauf, dass solche Tage ein­fach hinten über­fallen?
Bisher hatte ich immer die Mög­lich­keit, meinen Geburtstag auch in irgend­einer Form zu feiern. Meinen 40. haben wir groß gefeiert, als ich noch in Duis­burg war. Als ich 50 geworden bin, war ich in Mön­chen­glad­bach Trainer. Da konnten wir auch einige Freunde ein­laden.

Sie waren aber eben auch schon in Tene­riffa, Athen oder Piräus.
Als meine Frau 50 geworden ist, waren wir in Grie­chen­land und haben ein paar Freunde ein­fliegen lassen und wun­der­schön in einem tollen Restau­rant am Meer gefeiert. Aber das ist nicht immer mög­lich und diese Kom­pro­misse muss man eben ein­gehen, wenn man im Aus­land ist. Wir werden das sicher­lich nach­holen, wenn ich kurz vor Weih­nachten zu Hause bin. Im klei­neren Rahmen und nicht so groß wie zuletzt bei runden Geburts­tagen.

In den Agen­turen laufen Por­traits Ihnen zu Ehren rauf und runter mit den High­lights Ihrer Kar­riere. Welche würden Sie dort gerne lesen, könnten Sie es dik­tieren?
Das ist die gän­gige Art und Weise, wie man an solche Themen angeht, aber das ist nicht meine Art und Weise. Wenn ich in den 36 Jahren Profi-Fuß­ball nur auf drei, vier, fünf gute oder schöne Ereig­nisse zurück­bli­cken könnte, dann wäre das traurig. Ich habe mein Leben als Fuß­baller oder Trainer immer so gut es geht genossen. Und es gibt nega­tive und posi­tive Dinge, die das Leben schreiben, die aber auch beide dazu­ge­hören. Wenn ich als Spieler zum Trai­ning gegangen bin, habe ich mich ein­fach gefreut, trai­nieren zu dürfen.

Sie haben aber nicht nur trai­niert, son­dern auch Titel gewonnen.
Für mich hat das Fuß­bal­ler­leben nicht daraus bestanden, zu gewinnen oder Titel zu holen. Dann würden 90 Pro­zent der Fuß­baller unglück­lich sein, weil sie eben keine Titel gewinnen – nicht jeder kann Titel gewinnen. Ich möchte das ungerne auf die Dinge redu­zieren, die reflex­artig genannt werden, wie das gewon­nene Uefa-Pokal­fi­nale mit Borussia Mön­chen­glad­bach, das Halb­fi­nale der Cham­pions League in Liver­pool oder das Pokal­fi­nale redu­zieren – das ist es näm­lich nicht nur.

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Son­dern?
Man kann aber das Beste aus seinem Talent machen, man klei­nere und grö­ßere Erfolgs­er­leb­nisse haben und schöne Situa­tionen im Trai­ning und im Spiel erleben. Inso­fern habe ich tau­send schöne Erin­ne­rungen, an die ich gerne zurück­denke. Das gilt übri­gens auch für das Pri­vat­leben.

Bevor Sie Galați im November über­nommen haben, mussten Sie bei AEK Athen nega­tive und teils kuriose Erfah­rungen machen. Spieler wurden nicht bezahlt, Ultra-Grup­pie­rungen haben die Geschäfts­stelle ein­ge­nommen und dort auf dem Boden über­nachtet.
Das war nicht nur lustig, son­dern auch gefähr­lich. Diese Zeit in Athen gehört zum Schlimmsten in meiner Fuß­bal­ler­kar­riere. Aber auch da haben sich schöne Dinge ereignet und es war bei­spiels­weise toll mit anzu­sehen, welche Soli­da­ritat sich dort ent­wi­ckelt hat. Es war aber ins­ge­samt nicht ein­fach. Aber ich habe gelernt, mit sol­chen Dingen umzu­gehen und daraus zu lernen. Letzt­lich lernt man doch nur aus Miss­erfolgen und nicht aus Erfolgen, wenn man die rich­tigen Schlüsse zieht. Das gehört zu meiner Lebens­ein­stel­lung.