Johannes Liebnau, wir haben am 125. Geburtstag des HSV mit vielem gerechnet, doch nicht mit einer Hom­mage an Martin Zafirov. Wie kam es dazu?
Als wir mit den Vor­be­rei­tungen zu unserem Jubi­läum begannen, fragten wir uns, ob wir aus­schließ­lich Glanz und Gloria zeigen wollen. So ist es ja bei anderen Ver­einen üblich: Jeder erklärt auf Banner und Fahnen, wie toll und erfolg­reich der eigene Klub ist. Doch ist der HSV nicht mehr als nur Titel, Tri­umphe und Legenden? Machen den HSV nicht auch andere Sachen lie­bens­wert? Wir fanden ja, also ent­warfen wir einen Banner, auf dem zu lesen war: Ob Titel, Tri­umphe und Legenden, ob Zafirov, Auto­wachs und rosa Hemden – unsere Geschichte ist ein­malig und wird nie­mals enden!“
 
Erklären Sie doch mal: Wer war Martin Zafirov?
Ein typi­scher HSV-Ein­kauf der neun­ziger Jahre. (lacht) Er kam als Heils­bringer aus Sofia. In der Bun­des­liga wurde er gleich in der ersten Partie gegen den VfL Wolfs­burg wegen einer Tät­lich­keit vom Platz gestellt und danach aus dem Kader gestri­chen. Er machte nie wieder ein Spiel für den HSV.

» Die Bilder der Welt­re­kord-Cho­reo­gra­phie
 
Was hat es mit dem Auto­wachs und rosa Hemden auf sich? 
In den neun­ziger Jahren kam der HSV auf die glor­reiche Idee, eine Auto­wachs­po­litur, die man in großen Mengen ein­ge­kauft hatte, als Fan­ar­tikel zu ver­scher­beln. Das ist so herr­lich absurd. Die rosa Hemden hin­gegen waren ein rich­tiger Mar­ke­ting-Coup. Sie sind als Hom­mage an Dr. Peter Krohn (HSV-Manager von 1975 – 1977, d. Red.) zu ver­stehen. Der schickte die HSV-Mann­schaft in den sieb­ziger Jahren in rosa Tri­kots auf den Platz. Und als die Mann­schaft so einmal ein Euro­pa­po­kal­spiel bestritt, sprach am nächsten Tag die ganze Welt über den HSV. Nur dass wir uns richtig ver­stehen: Das ist alles nicht negativ gemeint. Es ist Teil der Geschichte unseres Klubs, der auch gerade durch solche Anek­doten so beson­ders und ein­malig für uns ist.
 
Außerdem gab es am Samstag 45.000 Dop­pel­halter zu sehen. Bekamen Sie keine Pro­bleme mit dem Verein?
Mit Dop­pel­hal­tern ist das natür­lich immer so eine Sache – gerade wegen den Brand­schutz­be­stim­mungen. Es war daher eine Menge Über­zeu­gungs­ar­beit nötig. Glück­li­cher­weise haben wir recht­zeitig den Verein, die Gre­mien und die Öffent­lich­keit infor­miert. Und es hat sich gelohnt: Nahezu jeder Sta­di­on­be­su­cher besitzt nun einen eigenen Dop­pel­halter. Und wir halten einen Welt­re­kord.
 
Mehr als 45.000 Dop­pel­halter hat es nie gegeben?
Bei Paris Saint-Ger­main gab es mal eine Aktion mit knapp 10.000 Stück. 45.000 hat noch nie­mand geschafft.


 

Die Dop­pel­halter sind alle hand­be­malt. Wie viele Leute haben denn an der Cho­reo­gra­phie mit­ge­ar­beitet?

Wir hatten etwa 30 Bas­tel­ter­mine. Ins­ge­samt haben 800 Leute mit­ge­macht, der feste Stamm bestand aus 200 Leuten, die den Stoff mit 400 ver­schie­denen Motiven besprüht haben. Dafür waren 8600 Sprüh­dosen nötig.
 
Was für Motive waren das?
Über die Dop­pel­halter wollten wir auch die Geschichte des Ver­eins erzählen. Es gab etwa das Grün­dungs­wappen in ver­schie­denen Varia­tionen oder das Wappen der Hamma­burg. Natür­lich das Volks­park­sta­dion, den Rothen­baum, die West­kurve, die Nord­tri­büne, die ein­zelnen Pik­to­gramme der Sport­arten unseres Uni­ver­sal­sport­ver­eins oder auch das erste Mas­kott­chen des HSV.
 
Die damals oft geschol­tene Hummel.
Das war der belieb­teste Dop­pel­halter. Davon haben wir mit Absicht nur 300 Stück gemacht. Nach dem Spiel sind die Leute wie wild durchs Sta­dion gerannt, alle auf der Suche nach einem Hummel-Dop­pel­halter. Ich hörte die Leute rufen: Tau­sche drei Rauten und eine Hamma­burg gegen eine Hummel!“
 
Sie klingen sehr zufrieden.
Bin ich auch. Was wir uns erhofft hatten, ist ein­ge­treten: Jeder – ob jung oder, ob auf den Steh­plätzen oder auf jeder Tri­büne – wurde Teil der Cho­reo­gra­phie. Umso schöner, dass die Mann­schaft dann noch drei Punkte erkämpfte und sich so positiv über die Cho­reo­gra­phie geäu­ßert hat. Es hat ein­fach alles gepasst.