Ob Silvio Ber­lus­coni nun, wie er meint, ganz oben, oder, wie wir meinen, ganz unten ange­kommen ist, es ändert wenig an seiner Per­spek­tive – von dort, wo er steht, müssen die Men­schen ganz klein aus­sehen. Anders ist es nicht zu erklären, dass dieser Mann in aller Öffent­lich­keit Dinge tut und von sich gibt, die unser­einem sogar in der Anwe­sen­heit von Ameisen pein­lich wären. 

Bunga-Bunga-Partys mit Gad­dafi, Kunst­haar in der Glatze, CDs mit nea­po­li­ta­ni­schen Lie­bes­schnulzen – die Hybris des ita­lie­ni­schen Minis­ter­prä­si­denten hat die Kotz­grenze längst über­schritten. 

Den Fuß­ball müsste das nicht ärgern. Er kennt seine Son­nen­kö­nige von Tapie bis Gil y Gil und hat stets durch seine urei­gene Attrak­ti­vität von diesen ridi­ku­lösen Figuren abzu­lenken gewusst. Selbst Silvio Ber­lus­coni, seit 1986 Besitzer des AC Mai­land, konnte sich hier nie so in den Vor­der­grund schwofen, wie er es, erstaun­lich genug, auf der poli­ti­schen Bühne immer wieder schafft. Es war Prä­si­dent Adriano Gal­liani, der die Inter­essen des Klubs nach außen ver­trat. Zwar mit der Aura des Mafiösen und des­halb nur unwe­sent­lich sym­pa­thi­scher, aber immerhin ohne die ope­ret­ten­hafte Lust­grei­sen­haf­tig­keit Ber­lus­conis. 

Doch seit ges­tern ist auch dieser letzte Damm des guten Geschmacks gebro­chen, und der mie­fende Sermon des Mannes, der nicht schön ist, aber es wie kein anderer zu sein glaubt, ergießt sich über uns. 

Seit 25 Jahren haben wir nur hüb­sche Spieler“

Vor allem über einen armen Hüt­chen­auf­steller. Denn dem großen Silvio Ber­lus­coni ist der kleine Mauro Tas­sotti auf­ge­fallen. Spät zwar, immerhin ist Tas­sotti seit 1980 im Verein und seit 2001 Assis­tenz­trainer der ersten Mann­schaft, aber umso dring­li­cher. Seit 25 Jahren haben wir nur hüb­sche Spieler“, schwärmte Fach­mann Ber­lus­coni zunächst ver­liebt – doch dann grollte er: Da kann es nicht sein, dass Tas­sotti immer mit seiner über­di­men­sio­nalen Nase aus dem Rahmen fällt. Dabei habe ich ihm schon die besten Chir­urgen emp­fohlen.“ 

Kann es wirk­lich sein, dass Tas­sotti nicht aus­sehen möchte wie ein metro­se­xu­eller Gla­diator aus der Dolce-und-Gab­bana-Reklame? Kann es wirk­lich sein, dass er sich seine Nase nicht wenigs­tens mit Oli­venöl ein­reibt, damit sie so ero­tisch glänzt wie das Six­pack von Ales­sandro Nesta? Kann es wirk­lich sein, dass er Silvio Ber­lus­coni, dieser Aphro­dite des Welt­fuß­balls, nicht gefallen möchte? 

Es kann. Es soll. Es muss! Tas­sottis Nase darf nicht sterben. Bitte lassen Sie Ihre Nase, wie und wo sie ist, Signore Tas­sotti. So groß, so hart, so häss­lich. Diesen Gesichts­welt­pokal der Indi­vi­dua­lität. Ein Fanal gegen die fehl­ge­lei­tete Ästhetik des Silvio Ber­lus­coni. Ein Boll­werk gegen die Dik­tatur des Bunga Bunga. 

Und wenn Sie vorm Spiegel stehen und nicht umhin kommen, über ihre Nase und die her­ab­wür­di­genden Worte ihres Chefs nach­zu­denken – seien Sie ver­si­chert: Den Mann plagt bestimmt nur der Penis­neid.