Seite 2: Der vom Teufel besessene

Patrick Cutrone, 21

Es gibt eine Szene, die erklärt ganz gut, wie der Stürmer Patrick Cutrone tickt. Zu sehen sind Spieler vom AC Mai­land und von Chievo Verona. Sie warten eine VAR-Ent­schei­dung des Schieds­rich­ters ab. Ent­weder das Tor von Cutrone zählt und es steht 2:2, was schön für Milan wäre, oder er stand im Abseits und es bleibt beim 2:1 für Chievo. Der Schieds­richter lauscht, hält sich die Hand ans Ohr, hebt den Arm dann leicht an und zeigt schließ­lich auf den Mit­tel­kreis. Tor! Er gibt den Treffer und Cutrone, der über Sekunden den Schieds­richter anstarrte, Cutrone, über den Milan Fans gerne sagen, er sei vom Teufel besessen, rennt wie von der Tarantel gesto­chen Rich­tung geg­ne­ri­sches Tor, schnappt sich den Ball aus dem Netz, fuch­telt wild mit seinen Armen und feuert das San Siro an. Milan gewinnt das Spiel noch.

Cutrone ist Mit­tel­stürmer. Schnell, trick­reich, schöne Tore macht er selten, aber er macht Tore und das ist im Zweifel wich­tiger. Leider bekommt er wenig Spiel­zeit. Zu wenig, sagen AC-Mai­land-Fans. Es gibt schon Fan­ge­sänge für ihn. Einer geht in etwa so: Wenn Cutrone spielt, macht es Bums. Auf ita­lie­ni­schen hört sich das anders an, aber das meinen sie, wenn sie singen. Wenn er ein­ge­wech­selt wird, wir­belt er, rennt er auf die Gegner zu, stiftet Unruhe. Cutrone sprintet der­artig schnur­stracks auf Tor­hüter und Abwehr­spieler zu, dass man sich schon fast fragen muss, ob er weiß, was er tut. Es sieht aus, als hätte er Panik und viel­leicht stimmt es auch, viel­leicht hat er wirk­lich Panik davor, kein Tor zu schießen. Jeden­falls erin­nert er an Inz­aghi. Er holt weniger Elf­meter raus, aber auf der Abseits­linie tän­zeln kann auch er. Viele seiner Tore ent­stehen aus Abpral­lern oder unüber­sicht­li­chen Situa­tionen. Er köpft dann am Schnellsten, hält drauf, staubt ab. Cutrone selber sagt, er habe ein paar DVD’s Zuhause, da sind alle Tore von Filippo Inz­aghi drauf. Die habe er sich ange­sehen. In 28 Serie-A-Spielen schoss er in der Saison 2017/2018 10 Tore, und bereitet vier vor.

Nicolò Barella, 21

Der Spieler Nicolò Barella ist gesegnet, denn ihm ist die sel­tenen Gabe zuteil, gerne zu grät­schen. Das 21-jäh­rige Mit­tel­feld­ta­lent steht noch bis 2022 unter Ver­trag bei Cagliari Calcio, wo er als Kind das Fuß­ball­spielen lernte. Dass Barella noch lange auf Sar­di­nien fuß­bal­le­risch aktiv sein wird, gilt aller­dings als unwahr­schein­lich. Laut trans​fer​markt​.de ist Barella auf einmal 30 Mil­lionen Euro wert. Doch selbst das wäre nicht genug, glaubt man Cagliari-Prä­si­dent Tom­maso Giu­lini, der wohl das ganz große Geld wit­tert und nun 50 Mil­lionen von Barella-Inter­es­sierten for­dert. Exakt diese Summe soll der FC Chelsea inzwi­schen bereit sein zu bezahlen für Barella, der auf vier Ein­sätze mit der ita­lie­ni­schen Natio­nal­mann­schaft kommt. Barella rackert das gesamte Spiel, ein Kämp­fertyp, und er erobert mit seinen Grät­schen erstaun­lich oft den Ball. Barella beherrscht die Philipp-Lahm-Grät­sche. Denn auch wenn zunächst alles danach aus­sieht, dass Barella dem Gegner sämt­liche Kno­chen bricht, es gelingt ihm dann doch, durch die rich­tige Technik, denn Ball sanft aus dem Fuß zu saugen.