Seite 3: Der Sohn der Kunst

Federico Chiesa, 21

Der ita­lie­ni­sche Fuß­ball geht immer noch durch stür­mi­sche Zeiten. Der Schock nach der ver­passten WM-Teil­nahme sitzt tief. Und rational betrachtet gibt es genau einen Grund, gelassen zu bleiben, die Kirche im Dorf zu lassen sozu­sagen, und dieser Grund heißt Federico Chiesa. Denn selbst wenn man bei vielen jungen Spie­lern nicht vor­her­sagen kann, wie sie sich in wel­chem Verein wie ent­wi­ckeln, bei Chiesa geht das. Denn er ist sehr sehr gut. Dass mal ein großer Fuß­baller aus ihm wird, ahnten Experten in Ita­lien früh. Federico ist ein soge­nannter Figlio d’arte“, ein Sohn der Kunst, so nennt man in Ita­lien Kinder von Künst­lern, wie zum Bei­spiel Fuß­bal­lern. Er ist der Sohn von Enrico Chiesa, auch Stürmer der Fio­ren­tina. Papa Enrico schoss in der Saison nach dem Abgang von Gabriel Bati­stuta 22 Tore in 30 Spielen für die Fio­ren­tina. Bati­stuta ist eine Legende in Flo­renz, noch heute sprühen Stra­ßen­künstler einen jubelnden Bati­stuta an die Wände der Palazzi der Innen­stadt.

Auch Enrico Chiesa, der Bati­stuta-Ersatz, war beliebt, denn er machte seine Sache gut. Nun spielt Federico für die Fio­ren­tina und allein das ist schon sehr rüh­rend. Es gibt ein Video, in dem Enrico Chiesa ein win­ziges Wesen in seinem Arm hält und ein Jour­na­list dieses Wesen fragt, wer denn jetzt, wo Bati­stuta nicht mehr in Flo­renz spielt, die Tore für die Fio­ren­tina mache. Der Kleine über­legt kurz, hält sich seinen Finger ans Kinn und sagt dann: Ich“.

Laut trans​fer​markt​.de ist dieses ehe­mals sehr selbst­be­wusste, win­zige Wesen inzwi­schen 50 Mil­lionen Euro wert. Halb Europa, wie es so schön heißt, ist hinter ihm her. Federico Chiesa ist der Fan­lieb­ling in Flo­renz. Doch alle ahnen, dass er nicht mehr lange in Flo­renz spielt. Bloß nicht zu Juve, dem Feind, raunt sich manch ein Tifoso von der Fio­ren­tina wäh­rend des Spiels in der Curva Fie­sole zu.

Chiesa bringt eigent­lich alles mit, was ein Flü­gel­stürmer haben muss, ist schnell, trick­reich und tor­ge­fähr­lich. Vor allem aber scheint Federico Chiesa ver­nünftig. Ein rich­tiger Profi, viel­leicht hat er das von seinem Vater. In 20 Spielen schoss er diese Saison fünf Tore und berei­tete fünf vor. Schlimmer Satz, aber: Ihm steht eine glor­reiche Zukunft bevor. Und ein Glück für Ita­lien, dass man Natio­nal­mann­schaften noch nicht wech­seln kann.