Sandro Tonali, 18 Jahre

Vom neuen Zidane ist alle paar Jahre die Rede, vom jungen Kakà und so weiter. Wenn junge Fuß­ball­ta­lente mit großen Namen ver­gli­chen werden, kann man sich einer Sache sicher sein: Das geht schief. Unter Beweis gestellt haben das zum Bei­spiel die Mini-Messis Bojan Krkić und Alen Hali­l­ović. Eher selten bis nie werden Talente so wie die ihnen ver­meint­lich ähn­li­chen Stars. Und doch, in diesem Fall ist der Ver­gleich ver­blüf­fend. Wer Sandro Tonali spielen sieht, schafft es gerade noch eine Frage zu for­mu­lieren: Pirlo?

Tonali hat lange Haare, bevor er einen Ball bekommt, dreht er seinen Kopf ruck­haft in alle Rich­tungen, sodass sie um ihn wehen, als wäre er star­tender Pro­peller. Tonali holt sich die Bälle tief in der eigenen Hälfte, denn dort ist er frei. Dort hat er Zeit, beob­achtet und liest, holt aus, für den langen Ball. Den Pass über 40, 50 Meter, der dem Stürmer auf den Fuß plumpst oder ans Schien­bein und rein. Tonali leitet Konter ein, über­spielt Gegner, schaltet sicht­lich schneller als alle anderen auf dem Platz. Im Eins-gegen-Eins lässt er mit einer Kör­per­täu­schung Gegner ins Leere laufen. Das alles erin­nert an Pirlo. Tonali hat Spiel­ma­cher­qua­li­täten, doch auch defensiv grätscht er gerne dazwi­schen. No Tonali, no Party?

Für den ganz großen Verein ist es viel­leicht noch zu früh. Der Mini-Pirlo spielt im zen­tralen Mit­tel­feld bei Bre­scia Calcio in der Serie B. Sie steigen viel­leicht auf. Dann und nur dann bleibt Tonali even­tuell in Bre­scia. Inter Mai­land soll schon sehr inter­es­siert sein. Bei den Azzur­rini, der U21 Ita­liens, spielt Tonali regel­mäßig. Im November hat auch Natio­nal­trainer Roberto Man­cini ihn erst­mals nomi­niert. Tonali ist eine große Hoff­nung des ita­lie­ni­schen Fuß­balls. Man möge ihm Zeit lassen. Und hoffen, dass er nicht ver­rückt wird, bei diesem stän­digen Ver­gleich. Ach ja, bei wel­chem Verein begann die Kar­riere des großen Pirlo nochmal? Richtig, Bre­scia Calcio.

Nicolò Zaniolo, 19 Jahre

Es ist davon aus­zu­gehen, dass sich die Ver­ant­wort­li­chen von Inter Mai­land sehr ärgern. Als sie Radja Naing­golan im Sommer vom AS Rom ver­pflich­teten, sagten sie näm­lich noch: Wisst ihr was, nehmt ihr doch noch diesen Zaniolo! Nicolò Zaniolo war da unge­fähr 4,5 Mil­lionen Euro wert und die Roma dachte nicht lange nach, son­dern sagte: Va bene!

Alle rech­neten damit, dass Zaniolo beim AS Rom lange auf der Bank schmollen würde. Doch es lief für ihn, wie es eben manchmal läuft im Leben, wenn sich das Eine mit dem Anderen fügt und man ein Super­star wird. Strootman weg, De Rossi viel ver­letzt und der Platz im Mit­tel­feld viel frei. Zaniolo spielt und er spielt erstaun­lich sou­verän. Dann schießt Zaniolo auch noch sein erstes Tor in der Serie A. Er flitzt in spitzem Winkel auf das Tor des Geg­ners, Sas­suolo, zu und dann pas­siert es: Tor­wart und Abwehr­spieler fallen um. Sie stol­pern, rut­schen, oder werfen sich ein­fach nieder vor diesem Zaniolo. Zaniolo lupft, der Rest ist Freude.

Zaniolo ist ein Kraft­paket. Fast 1,90 Meter groß, wuch­tiger Schuss, ele­gant in den Bewe­gungen, Tat­toos auf Unterarm und Ober­schenkel und auch sonst sehr lässig. Wer jung ist und bei Rom spielt, wird zwangs­läufig ver­gli­chen mit einer Ikone des Klubs. Natio­nal­trainer Roberto Man­cini erwähnt den Namen Totti dan­kens­werter Weise nicht. Er sprach kürz­lich über Zaniolo und sagte, dass dieser ihn an Paul Pogba erin­nere.