11FREUNDE WIRD 20!

Kommt mit uns auf eine wilde Fahrt durch 20 Jahre Fuß­ball­kultur: Am 23. März erschien​„DAS GROSSE 11FREUNDE BUCH“ mit den besten Geschichten, den ein­drucks­vollsten Bil­dern und skur­rilsten Anek­doten aus zwei Jahr­zehnten 11FREUNDE. In unserem Jubi­lä­ums­band erwarten euch eine opu­lente Werk­schau mit unzäh­ligen unver­öf­fent­lichten Fotos, humor­vollen Essays, Inter­views und Back­s­tages-Sto­­ries aus der Redak­tion. Beson­deres Leckerli für unsere Dau­er­kar­ten­in­haber: Wenn ihr das Buch bei uns im 11FREUNDE SHOP bestellt, gibt’s ein 11FREUNDE Notiz­buch oben­drauf. Hier könnt ihr das Buch be­stellen.

Außerdem prä­sen­tieren wir euch an dieser Stelle in den kom­menden Wochen wei­tere spek­ta­ku­läre Repor­tagen, Inter­views und Bil­der­se­rien. Heute: TV-Stdio-Hop­ping

Es beginnt mit einer Ver­wechs­lung. Sie sind also der Tor­wand­kan­didat?“, fragt die Dame am Emp­fang des ZDF-Stu­dios und möchte mich prompt irgend­wohin geleiten, in die Maske viel­leicht oder zum Tor­wand­trai­ning. Du lieber Himmel, denke ich da, denn im selben Moment zieht an meinem geis­tigen Auge die Titel­seite einer mor­gigen Bou­le­vard­zei­tung vorbei: Sport­studio-Drama! Mann (38) stol­pert Show­treppe hin­unter, fällt auf Stu­dio­gast Roman Bürki, der sich dabei beide Beine bricht.“ Ich lehne also dan­kend ab und gehe direkt ins Studio 3.

Dort ist alles so, wie ich es mir aus­ge­malt habe: Etwa 150 Sport­stu­dio­fans wackeln und jauchzen vor­freudig durch den Raum. Selfie vor dem Sport­studio-Logo, Selfie vor der Sport­studio-Mini-Tri­büne, Selfie vor dem Mann, der ein Selfie vor dem Mann macht, der ein Selfie macht. Ein Mann, der kein Selfie macht, son­dern einen ZDF-Pass um den Hals trägt, ruft unent­wegt wich­tige Dinge durch den Raum. Meis­tens geht es darum, dass man sich nicht hier anlehnen oder dort drauf­stellen möge.

Wird Roman Bürki sie sehen? Wie sitzen die Haare?

Auf den Tra­versen werden der­weil die letzten Fragen geklärt: Hast du den Fern­seher pro­gram­miert? Läuft das später im Internet? Kann man uns gut sehen? Zwei Mäd­chen im BVB-Trikot sind beson­ders auf­ge­regt. Wird Roman Bürki sie sehen? Wie sitzen die Haare? Was tun wir, wenn die rote Lampe leuchtet? Es ist alles ein wenig wie damals, Aus­flug mit der 5c ins Tech­nik­mu­seum. Es ist ganz wun­derbar.

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Sport­studio, ZDF Samstag 23.00 – 00.25 Uhr: Beim Sport­studio“ macht der Mode­rator selbst den Ein­heizer: Jochen Breyer zehn Minuten vor Start der Show

Andreas Bock

Die ganze Sache fing zwei Wochen zuvor an. Irgend­je­mand in der Redak­tion fand, dass es total witzig und auf­re­gend sein könnte, ein TV-Studio-Hop­ping der extremen Art zu machen: fünf Fuß­ball­shows in vier Tagen. Was für ein groß­ar­tiger Quatsch, dachte ich und sagte dann: Was für eine groß­ar­tige Idee!“ und fuhr los.

Klar war, dass das Aktu­elle Sport­studio“, der Dino unter den Fuß­ball­shows, Teil der Reise sein musste. Hier war immer was los: Uwe Seeler schoss in den sech­ziger Jahren mal ein Mess­gerät kaputt, und Franz Becken­bauer gelang in den Neun­zi­gern von einem Weiß­bier­glas ein Treffer an der Tor­wand. Das Beste aber: Das Sport­studio“ war immer da, es trotzte seit jeher allen Stim­mungen und Trends. Selbst als der Fuß­ball immer wilder und bunter wurde und junge, per­fekt geföhnte Privat-TV-Macher die Sportstudio“-Klappscheitel mit Karacho­me­tern, roten Jeans­ja­cken oder noch besser gelaunten Live-Zuschauern her­aus­for­derten, blieb das Format unver­wüst­lich.

Sind Sie immer so gesprä­chig?“

Heute ist auch das Sport­studio“ frisch fri­siert. Der Mode­rator heißt Jochen Breyer. Ein jovialer Typ Anfang 30, wache, schlaue Äug­lein, Sakko, Jeans, weiße Turn­schuhe, biss­chen Sport­hoch­schule, biss­chen Traum­schiff­ka­pitän. Einer, der das Publikum wie einen alten Bekannten noch per­sön­lich begrüßt und zum Warm­werden die Bürki-Inter­view­si­tua­tion probt. Breyer holt dafür einen jungen BVB-Anhänger nach vorne, der den Dort­munder Tor­hüter mimen darf. Weil der ein biss­chen schüch­tern ist, fragt Breyer: Sind Sie immer so gesprä­chig?“ Ant­wort: Ich brauche nur die rich­tigen Fragen.“ Oha.

Danach führt Breyer leicht­händig und sou­verän durch die Sen­dung. Viel­leicht sogar ein biss­chen zu rou­ti­niert. Breyer ist jeden­falls keiner, der einen Profi im Inter­view grillt. Bürki darf erzählen, wie er sich mit Roman Wei­den­feller ver­steht („Gut!“) oder wie lange er vor dem Spiegel braucht („Nicht länger als andere!“). Danach wieder Sel­fies, Auto­gramme, Umar­mungen. An der Bus­hal­te­stelle sehe ich die BVB-Mäd­chen. Sie quiet­schen und ver­glei­chen ihre Bilder. Roman Bürki wird an sie denken, wenn er das nächste Mal nicht länger als andere vor dem Spiegel steht.

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Dop­pel­pass, Sport 1, Sonntag, 11.00 – 13.15 Uhr: Im Dop­pel­pass“ werden auch Hard­liner ganz weich:
Rainer Wendt, Vor­sit­zender der Poli­zei­ge­werk­schaft

Andreas Bock

Sonn­tag­morgen, 10:34 Uhr. Thomas Helmer steht vor dem Hilton Hotel im Mün­chener Flug­hafen und erzählt einen Witz. Der ehe­ma­lige Bun­des­li­ga­profi ist Mode­rator des Dop­pel­pass“, einer Sen­dung, die sich zum Sport­studio“ ver­hält wie der Aus­flug ins Tech­nik­mu­seum zu einem Wochen­ende im Frei­zeit­park Tro­pical Island“. Mehr Künst­lich­keit, mehr Rem­mi­demmi und vor allem: mehr Alkohol. Die Zuschauer sitzen zwi­schen Palmen und einer gut gefüllten Bar. Damen mit sehr viel Schminke bringen Män­nern mit sehr viel Bauch Weiß­bier an den Tisch. Hier darf man natür­lich auch mal Dinge dazwi­schen­rufen, Oha!“ oder Wow!“ oder Effz Bayan!“. Hier trägt man auch gerne Fuß­ball­tri­kots mit Spitz­namen, heute anwe­send: Mario Gib Gummi“ und Beppo Banzer“.

20,5‑cm-Spardose Phra­sen­schwein als Abschieds­ge­schenk“

Ein nor­males Ticket für die Show kostet 25 Euro. Man kann aber auch das Kom­plett­paket für 249 Euro buchen, dafür gibt es dann unter anderem zwei Über­nach­tungen im Hilton, ein Ticket, eine Auto­gramm­karte von Thomas Helmer und die 20,5‑cm-Spardose Phra­sen­schwein als Abschieds­ge­schenk“.

Vor einigen Wochen stand in der Süd­deut­schen Zei­tung“, Helmer habe weniger Durch­blick als dieses Phra­sen­schwein, was natür­lich etwas fies war. Heute hat Helmer zumin­dest ein feines Gehör. Nach einer Runde Pro­be­ap­plaus sagt er: Das muss gleich lauter werden! Wir haben noch ein Aus­tausch­pu­blikum im Keller.“ Gelächter. Dann ein flotter Helmer-Zuschauer-Dialog an der Bar: Wie gefällt’s dir denn bis­lang?“ – Ganz gut.“ – Und wieso weiß dein Gesicht nichts davon?“ Und weil die Gags so gut ankommen, wie­der­holt Helmer sie wenige Minuten später, als ein paar neue Zuschauer Platz genommen haben. Ich stehe der­weil noch am Ein­gang, wo mir eine Mit­ar­bei­terin mein Ticket aus­hän­digt. Nur einer?“, fragt sie, und als ich nicke, schaut sie mit­leidig. Der Dop­pel­pass“, begreife ich spä­tes­tens da, ist eine Sache, die man in der Gruppe erleben muss. Bier­bike fährt man ja auch nicht alleine.