Mirko Slomka
Was Mirko Slomka am Samstag nach dem Spiel gemacht hat, ist leider nicht über­lie­fert. Wahr­schein­lich saß er traurig im Hotel und aß gedan­ken­ver­loren seinen Arbeits­ver­trag. Oder er setzte sich an den Schreib­tisch und ver­fasste einen Bitt­brief an den DFB, für die letzten drei Spiele die Vier-Punkte-Regel und das Drei-Ecken-ein-Elfer-Prinzip für sein Team ein­zu­führen. Viel­leicht ging er auch in den hei­mi­schen Keller und knipste das Licht an, ein­fach um mal zu sehen, wie sich das anfühlt. Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass der HSV am Samstag wieder derart hilflos und kaputt wirkte, dass wir geneigt waren, Hilfs­pa­kete zu schnüren und an die Ham­burger Hin­ter­mann­schaft zu schi­cken. Und wir wissen, dass die Rele­ga­tion wartet. Gegen Pader­born. Was fast schon ein Erfolg wäre. Geht es noch bit­terer?

Marco Reus
Dort­munds Under­cut­inho Marco Reus spielt der­zeit derart über­ra­gend, dass man als Gegen­spieler teil­weise eine Sauer­stoff­fla­sche und mög­li­cher­weise einen Sherpa bräuchte, um über­haupt noch auf sein Niveau zu kommen. Im Spiel gegen Mainz war Reus unbe­stritten der beste Kicker auf dem Platz, wenn er sich den Schweiß von der Stirn wischt, hat er mehr fuß­bal­le­ri­sche Klasse im Schweiß­band, als ganze Bun­des­liga-Mit­tel­klasse-Teams im gesamten Kader. Stellt sich uns die Frage: Kann man so ein gebrauchtes Schweiß­band erwerben? Wir bräuchten noch einen fähigen Links­außen für die Betriebs­mann­schaft. Und: Ist Reus des­halb so wendig, weil er seinen Hah­nen­kamm als eine Art Heck­ruder benutzt, wie man sie von Segel­booten kennt? Aber vor allem: Wann wollen ihn die Bayern nach Mün­chen holen? Fragen über Fragen…

Luiz Gus­tavo
Luiz Gus­tavo schwingt sich der­zeit auf, der bra­si­lia­ni­sche Jens Nowotny zu werden, wobei uns jetzt, da wir es geschrieben haben, bewusst wird, wie unver­einbar die Begriffe bra­si­lia­nisch“ und Jens Nowotny“ sind. Es geht aber weniger um feinste bra­si­lia­ni­sche Technik, Zau­ber­pässe und Spiel­freude, son­dern eher um das noto­ri­sche Sam­meln von Platz­ver­weisen, das die beiden Brüder im Klopper-Geiste eint. Nowotny kommt ins­ge­samt auf acht Platz­ver­weise, Gus­tavo bereits auf sieben. Allein in dieser Spiel­zeit sam­melte Wolfs­burgs Mit­tel­feld-End­gegner drei Gelb-Rote, die letzte davon am Samstag in Ham­burg. Gerüchten zufolge plant RTL2 mit Gus­tavo eine Folge von Das Messie-Team“, sollte der Bra­si­lianer in dieser Saison noch eine wei­tere Karte sam­meln. Wir würden auf jeden Fall ein­schalten.

Pirmin Schwegler
Frank­furts Kapitän Pirmin Schwegler ist glei­cher­maßen Herz­stück sowie Pech­vogel der Frank­furter Ein­tracht. Nach zahl­rei­chen Ver­let­zungen in dieser Saison, die sich mit­unter derart eklig lesen, dass sich Pfitzer“ das Patent auf die Bezeich­nungen gesi­chert hat, um sie als Brech­mittel zu ver­kaufen (z.B. Knor­pel­fraktur im Rip­pen­bogen), war der Schweizer im Heim­spiel gegen Han­nover nun end­lich mal wieder von Beginn an ein­satz­be­reit. Nun ist ein­satz­be­reit“ aller­dings ein dehn­barer Begriff. Auch wir fühlen uns oft ein­satz­be­reit für den Redak­ti­ons­kick, bleiben dann aber doch kurz­atmig in der Bahn sitzen und fahren wieder heim. Schwegler schein es ganz ähn­lich zu gehen, nach knapp einer halben Stunde wurde er aus tak­ti­schen Gründen wieder vom Feld geholt. Der viel­leicht unglück­lichste Come­back­ver­such seit Tic Tac Toe. Der­weil geht Schweg­lers Pech­strähne unge­bro­chen weiter. So soll sich die TSG Hof­fen­heim nun um den Frank­furter Käptn bemühen. Was muss dieser Mann denn noch alles ertragen? 

Nils Petersen
Bre­mens Sieg­treffer zum 3:1 gegen Hof­fen­heim durch Nils Petersen gehört zu 40 Pro­zent dem Petersen und zu 70 Pro­zent uns, wie 11FREUNDE-Chef­sta­tis­tiker Ingo Ander­brügge in einer ersten Erhe­bung noch am Sams­tag­nach­mittag fest­stellte und uns heute in der Mor­gen­kon­fe­renz nochmal in einer Power-Point-Prä­sen­ta­tion ver­deut­lichte. Noch letzte Woche näm­lich foppten wir Petersen nach seinem gefühl­vollen Eigentor-Schlenzer, ver­bunden mit der For­de­rung, mal wieder ins rich­tige Tor zu treffen, und zack­bumm: netzt Petersen wieder und schießt seine Bremer zum Quasi-Klas­sen­er­halt. Glück­wunsch. Wir warten der­weil auf die Über­wei­sung der Sieg­prämie. 70 Pro­zent würden uns rei­chen, klar.

Philipp Barg­frede
Obiges Zack­bumm“ ist viel­leicht ein pas­sendes Motto für die Bremer Spiel­weise am Samstag und passt auch zu Phil­lipp Barg­fredes Tor zum 1:1, das Wer­ders Mit­tel­feld-Ochse aus knapp 25 Metern in den Winkel zack­bummte. Okay, Hof­fen­heims Rudy fälschte den Ball erst in den Winkel ab, aber alles an Barg­fredes Schuss signa­li­sierte die zackige Ent­schlos­sen­heit, die sich in dem Aus­druck Zack­bumm“ wider­findet: Wucht, Wille, Kom­pro­miss­lo­sig­keit. Mit Barg­fredes Sascha-Möl­ders-haftem Kampf­geist dreht man Spiele, knallt die Bälle in den Winkel und bleibt in der Liga. So ein­fach ist das. Zack­bumm. 

Emir Spahic
Seinem majes­tä­ti­schen Vor­namen zum Trotz ist Lever­ku­sens Emir Spahic eher ein Mann fürs Grobe. Ein hau­de­giger Ver­tei­di­gungs-Veteran, der Gegner kom­pro­misslos in die Alters­teil­zeit grätscht, für den Fair­play in erster Linie der Name der Spie­lo­thek um die Ecke ist und der zum Warm-Up einen Sack Kätz­chen vor dem geg­ne­ri­schen Fami­li­en­block ersäuft. Oder so, viel­leicht über­treiben wir an dieser Stelle. Wie dem auch sei, am Wochen­ende nun ließ Spahic den Knüppel bei­seite und zeigte, dass er durchaus auch für die schönen Seiten des Spiels zu haben ist, als er in der Partie gegen Nürn­berg gleicht dop­pelt netzte. Vor allem seine Direkt­ab­nahme zum 1:0 war äußerst sehens­wert. Wahr­schein­lich dachte er sich im Moment des Vol­ley­schusses den Ball als geg­ne­ri­sches Sprung­ge­lenk und traf des­wegen so sauber. Darauf eine Blut­grät­sche. 

Martin Harnik
Wer Stutt­garts Martin Harnik am Sonntag bei der Arbeit zusah und das auf dem Bür­geramt nach­weisen kann, kann sich das als Erste-Hilfe-Kurs anrechnen lassen. Haben wir zumin­dest gehört. Auf jeden Fall reani­mierte Harnik den am Boden lie­genden VfB Stutt­gart mit seinem Dop­pel­pack gegen Schalke, der VfB liegt jetzt vier Punkte vor den Ham­bur­gern, wo man so langsam mal die extra langen Alu-Stollen für das dre­ckig-schwit­zige Rele­ga­ti­ons­spiel aus dem Schrank kramen soll. Ironie des Abstiegs­kampf-Schick­sals dabei: Harnik ist gebür­tiger Ham­burger. 

Chris­tian Streich
Dass wir auf­grund seiner char­manten Kau­zig­keit und seiner lässig-unbe­mühten Frise große Chris­tian Streich-Fans sind, ist bekannt. Seit Samstag hat unsere Sym­pa­thie eine neue Nuance, denn wäh­rend des Spiels gegen Glad­bach zeigte Chris­tian Streich eine der­artig dra­ma­ti­sche Leis­tung an der Sei­ten­linie, dass irgendwo in London Daniel Day-Lewis nei­disch seine Shake­speare-Gesamt­aus­gabe ver­prü­gelte. Von tiefster, herz­zer­ris­sener Fas­sungs­lo­sig­keit über hit­zige Balz­tänze bis hin zu eksta­ti­schem Jubel und wieder zurück zur fas­sungs­losen Erschöp­fung – wir sind uns sicher, dass Streich wäh­rend des Trai­ner­lehr­gangs das von so vielen Kol­legen geschmähte Wahl­fach Theater“ besuchte. Und sollte Frei­burg nun doch noch über­ra­schend absteigen, kann Streich ja immer noch ans Schau­spiel­haus Frei­burg wech­seln und dort Kar­riere machen. 

Oliver Sorg
Das prak­ti­sche 11FREUNDE-Bürsten-Set“ zur Pflege des rechten Hufes geht diese Woche an Frei­burgs Oliver Sorg, der im Spiel gegen Glad­bach den Ball aus knapp 30 Metern mit der Urge­walt eines aus­tre­tenden Acker­gauls zum 2:1 in den Winkel hufte. Mit respekt­ein­flö­ßenden 103 km/​h flog der Ball gen Tor, eine Geschwin­dig­keit, für die sich selbst Roberto Carlos stolz eine wei­tere Kerbe in seinen höl­zernen Spann geritzt hätte. Noch inter­es­santer als das Schall­ge­schwin­dig­keits-Tor war aller­dings die Tat­sache, dass Sorg laut Sportschau“-Moderator spe­zi­elle Stutzen trägt, da seine kom­pakten Waden in die nor­malen Stutzen nicht rein­passen. Das macht den Mann gleich noch sym­pa­thi­scher. Wir passen schließ­lich auch nicht mehr in nor­male Pullis, weil wir viel zu fit und durch­trai­niert dafür sind. Hust. 

Rafael
Dass der SC Frei­burg das Spiel über­haupt für sich ent­scheiden konnte, lag auch daran, dass Glad­bachs Rafael in der 30. Minute eine mög­li­cher­weise ent­schei­dende Groß­chance auf das 2:0 lie­gen­ließ. Frei vor dem Tor ent­schied sich Rafael für die denkbar schlech­teste Vari­ante und setzte zu einem derart trau­rigen Halb-Solo an, dass sich irgendwo in Argen­ti­nien Diego Mara­dona wei­nend ein wenig erbrach. Übli­cher­weise ist Rafael ja in der Lage, selbst ganze Paar­tanz-Tur­niere ins Schleu­der­trauma zu tanzen, in dieser Szene wirkte er unge­lenker und hilf­loser als der ein oder andere Kol­lege beim Pur-Hitmix auf der Weih­nachts­feier. Und das will was heißen.