Frank Schaefer hat einen der schwie­rigsten Jobs, die ein Pro­fi­trainer haben kann: Er soll ein indis­po­niertes Team in nicht einmal vier Wochen bun­des­li­ga­taug­lich machen – auf­ge­brachte Fans und Unruhe stif­tende Bou­le­vard­me­dien inklu­sive. Bei Köln ist es jedoch nicht mit moti­vie­renden Reden getan: Die Gründe für den Miss­erfolg liegen nicht (nur) beim man­gelnden Ein­satz, son­dern sind haupt­säch­lich auf tak­ti­sche Defi­zite zurück­zu­führen. Die Defen­sive prä­sen­tierte sich zuletzt passiv und feh­ler­an­fällig, offensiv fehlte jeg­li­cher Plan im Spiel­aufbau.

Das Spiel gegen Glad­bach wurde daher noch einmal ein Schau­laufen dessen, was Köln in der Rück­runde vom gesi­cherten Mit­tel­feld auf den Rele­ga­ti­ons­platz spülte: Defensiv standen sie in ihrer 4 – 4‑2-For­ma­tion zwar recht geordnet. Anders als unter Sol­bakken standen die Mit­tel­feld­spieler nicht auf einer Linie, son­dern leicht ver­setzt. Ein Sechser schloss hier­durch den Raum zwi­schen Ver­tei­di­gung und Mit­tel­feld. Die tiefe Abwehr­reihe gepaart mit der engen Anord­nung sorgte dafür, dass Glad­bach sich in der ersten halben Stunde kaum ins letzte Drittel kom­bi­nieren konnte.

Glad­bachs Innen­ver­tei­diger mit Rekord­pass­werten

Das größte Defizit dieser Stra­tegie war das erneute Fehlen eines Offen­siv­pres­sings. Glad­bach konnte sich den Gegner aus der eigenen Hälfte zurecht­legen, ehe sie eine pas­sende Lücke für ihre Ver­ti­kal­pässe fanden. Dante konnte voll­kommen unge­stört agieren und spielte einen per­sön­li­chen Sai­son­höchst­wert von 121 Pässen. Jeder auf­merk­same Leser der 11FREUNDE-Tak­tik­ana­lyse weiß, dass dies eine tak­ti­sche Tod­sünde gegen die Borussia ist – der Bra­si­lianer wurde zum Takt­geber des Spiels und lei­tete viele gefähr­liche Angriffe ein.

Selbst als die Kölner nach dem 0:1 etwas aktiver gegen die Innen­ver­tei­diger atta­ckierten, kom­bi­nierten diese sich ein­fach an den eigenen Sechs­zehner zurück. Köln ver­folgte sie nicht so weit, da sie sonst ihre Posi­tion im Mit­tel­feld hätten auf­geben müssen. Glad­bach gab dem­nach Raum auf, um aus der Tiefe in Ruhe auf­bauen zu können – ein cle­verer Schachzug. Sie konnten mit fast zwei Drit­teln Ball­be­sitz die abso­lute Herr­schaft über das Spiel­ge­schehen erringen und spielten dop­pelt so viele Pässe wie die Kölner.

Köln offensiv ohne Linie

Der größte Unter­schied beider Teams wird bei der Betrach­tung des Spiel­auf­baus deut­lich: Wäh­rend Glad­bach mit Dante und dem zur 44. Minute ein­ge­wech­selten Jantschke zwei exzel­lente Pass­spieler hat, blieb Kölns Spiel aus der Innen­ver­tei­di­gung heraus schwach. Geromel und Sereno brachten zwar fast alle Pässe an den Mann (85 bzw. 95 Pro­zent Pass­ge­nau­ig­keit) – das aber auch nur, weil sie sich meist auf Quer­pässe beschränkten. Raum­ge­winn sieht anders aus. Die Offen­siv­spieler boten sich zu weit vorne auf dem Feld an, der ent­ste­henden 4 – 2‑4-For­ma­tion fehlten die Anspiel­sta­tionen im Mit­tel­feld.

Zu Chancen kamen die Dom­städter nur über Stan­dard­si­tua­tionen oder Angriffe über die linke Flanke. Hier schafften die auf­rü­ckenden Sascha Rie­ther und Chris­tian Eichner Über­zahl­si­tua­tionen. Die zwei Chancen, die nach Eich­ners Flanken ent­standen, konnten jedoch nicht ver­wertet werden. Auf der anderen Seite waren die Glad­ba­cher wesent­lich kom­pe­tenter im Her­aus­spielen der Chancen. Trotz des Aus­las­sens einiger Mög­lich­keiten war das Spiel bereits kurz nach der Halb­zeit mit dem 3:0 ent­schieden. Bereits nach einer Stunde rollten die Glad­ba­cher Fans das Derbysieger“-Plakat aus. Keine Sekunde zu spät: Köln hatte nach dem 0:3 ohnehin auf­ge­steckt. Größer hätte die Schmach kaum aus­fallen können.